Heise 21.07.2026
11:30 Uhr

US-Regierung prüft Maßnahmen gegen chinesische KI-Modelle


Kimi K3 und andere chinesische Open-Weight-Modelle befeuern in Washington den Ruf nach politischen Gegenmaßnahmen. Auch im Netz wird hitzig diskutiert.

US-Regierung prüft Maßnahmen gegen chinesische KI-Modelle

Die US-Regierung erwägt offenbar Maßnahmen gegen chinesische KI. Die Leistungsfähigkeit des offenen KI-Modells Kimi K3 habe frühere Bestrebungen wiederbelebt, den Einsatz ausländischer Open-Weight-Modelle in den USA zu unterbinden. Das berichtet Axios unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen.

Bereits im vergangenen Jahr soll das US-Handelsministerium erwogen haben, mehrere chinesische KI-Labore auf die Entity List zu setzen. US-Unternehmen hätten dann nur noch mit behördlicher Genehmigung auf deren Technik zugreifen können. Daneben wurden Beschränkungen für chinesische Open-Weight-Modelle sowie behördliche Warnungen vor möglichen Sicherheitsrisiken diskutiert, die US-Unternehmen von deren Nutzung abschrecken sollten.

Vertreter eines regulierungsskeptischen Kurses hätten die damaligen Vorhaben gestoppt. Seit ihrem Ausscheiden aus der Regierung und dem Aufkommen leistungsfähiger chinesischer Open-Weight-Modelle wie Kimi K3 und Qwen 3.8 hätten sicherheitspolitische Hardliner jedoch wieder an Einfluss gewonnen.

Statt eines formellen Verbots erwäge die Regierung unter anderem strengere Beschaffungsregeln, eine mögliche Aufnahme chinesischer Anbieter in die Entity List und öffentlichen Druck auf US-Unternehmen, die deren Modelle einsetzen, berichtet Axios. Zugleich wolle sie mögliche Hintertüren und Sicherheitsmängel stärker hervorheben. Solche Maßnahmen könnten die Nutzung chinesischer Open-Weight-Modelle und die Geschäfte darauf angewiesener US-Unternehmen auch ohne ausdrückliches Verbot erheblich dämpfen.

Chinesische Open-Weight-Modelle entwickeln sich für US-Unternehmen zunehmend zu einer attraktiven Alternative zu heimischen Angeboten. Ihr Kostenvorteil und die gestiegene Leistungsfähigkeit erhöhen den Wettbewerbsdruck auf amerikanische Anbieter. Für Washington birgt das neben möglichen Sicherheitsrisiken auch wirtschaftliche Nachteile: US-Anbieter könnten Marktanteile verlieren, während amerikanische Unternehmen zunehmend von chinesischer Technologie abhängig würden.

Laut Axios treten führende amerikanische KI-Labore oder ihnen nahestehende Akteure alle drei bis fünf Monate mit neuen Vorschlägen an die US-Regierung heran, die auf ein Verbot offener KI-Modelle hinauslaufen.

Am Wochenende schaltete sich OpenAIs Leiter für strategische Zukunftsfragen, Dean Ball, in die Debatte ein und stellte sich offenbar hinter regulatorische Maßnahmen gegen chinesische Open-Weight-Modelle. In seinem Beitrag auf X warnte er vor einem möglichen „KI-Kommunismus“, bei dem KI vom Marktprodukt zur staatlich bereitgestellten digitalen Infrastruktur würde.

David Sacks, ein Tech-Investor und KI-Berater des Weißen Hauses, deutete solche Warnungen als Versuch der Marktabschottung. Die führenden Anbieter geschlossener Modelle – gemeint sind OpenAI und Anthropic – bildeten bei den Umsätzen mit KI-Modellen bereits ein Duopol und versuchten nun, mithilfe der Regierung ihre Open-Source-Konkurrenz auszuschalten, kritisiert Sacks.

Der Technologieanalyst Ben Thompson wiederum hält die wirtschaftlichen Sorgen vor chinesischen Open-Weight-Modellen für überzogen. Problematisch sei, dass amerikanische Entwickler mangels konkurrenzfähiger heimischer Alternativen zunehmend auf chinesische Modelle angewiesen seien, schreibt Thompson. Statt die offene Modellentwicklung einzuschränken, sollten die USA deshalb die heimische Open-Weight-Entwicklung stärken.

(tobe)