Heise 23.07.2026
12:28 Uhr

Rechteausweitungslücke in Ubuntu durch snap


Standardinstallationen von Ubuntu sind für eine Schwachstelle anfällig, die die Rechteausweitung zu root ermöglicht. Auslöser ist snap.

Rechteausweitungslücke in Ubuntu durch snap

Eine Schwachstelle betrifft die Linuxdistribution Ubuntu in der Standardinstallation. IT-Forscher haben im „snap-confine“-Paket eine Sicherheitslücke entdeckt, die lokale Nutzer zum Ergattern von root-Rechten ausnutzen können.

Das schreibt das IT-Sicherheitsunternehmen Qualys in einem aktuellen Blogbeitrag. Das Problem betrifft das Paket snap-confine, das zu Canonicals App-Verwaltungssystem snapd gehört und für die snap-Apps eine sichere Umgebung bereitstellen soll. Wurde snap-confine mit „set-capabilities“ anstatt dem eigentlichen Standard „set-uid-root“ konfiguriert, können lokale Angreifer durch einen Fehler bei der Initialisierung von Rechtebeschränkungen oder Sicherheitssandboxen die Beschränkungen umgehen und beliebigen Code ausführen – was die Ausweitung der Rechte zu root ermöglicht (CVE-2026-8933, CVSS 7.8, Risiko „hoch“).

Wie Qualys etwas detaillierter ausführt, hatten die Ubuntu-Maintainer eigentlich eine Verbesserung der Sicherheit im Hinterkopf: Sie haben die „set-uid-root“-Binärdateien auf ein „set-capabilities“-Modell umgestellt, um so wenig Rechte wie möglich in der Praxis zu nutzen und die Angriffsfläche zu reduzieren. Die Änderung führt jedoch dazu, dass snap-confine effektiv mit der UID des aufrufenden Nutzers ausgeführt wird, dabei aber die root-nahen Rechte behält. Beim Aufsetzen der Sandbox erstellt die Datei temporäre Ordner unter „/tmp“, die dem Nutzer mit niedrigen Rechten gehören. Kurz danach geht der Besitz an root über, in dem Zeitraum bis dahin behalten die snap-App-Starter jedoch die volle Kontrolle über die Verzeichnisse.

Die IT-Sicherheitsforscher von Qualys führen aus, dass Ubuntu das System des eigenen Mutterunternehmens Canonical in Ubuntu Desktop 24.04, 25.10 und 26.04 nicht mit dem eigentlich vorgesehenen Standard „set-uid-root“ konfiguriert, sondern mit der verwundbaren „set-capabilities“-Konfiguration. Laut Ubuntus eigener Sicherheitsmitteilung ist auch Ubuntu 22.04 LTS anfällig. Für Ubuntu stehen inzwischen aktualisierte snap-Pakete bereit, die das Sicherheitsteam veröffentlicht hat und die Ubuntu-Admins und -Nutzer zügig installieren sollten.

Lücken in Linux, die die lokale Rechteausweitung ermöglichen, machten vor einigen Wochen die Runde. Die Entdecker haben sie mit KI-Tools aufgespürt und mit markigen Codenamen wie „DirtyFrag“ oder „CopyFail“ und teils provokanten Logos versehen. Angriffe auf die Schwachstellen folgten kurz nach Veröffentlichung von Details und Proof-of-Concept-Exploits.

(dmk)