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03.09.2026
22:40 Uhr
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OpenAI stellt GPT-6 Astra vor. Bei der Präsentation fiel das Wort AGI, in den Benchmarks zielt fast alles auf Konkurrent Anthropic.

OpenAI hat in den USA sein neuestes Sprachmodell GPT 6 Astra vorgestellt, einen der aktuell größten Fortschritte im Bereich Künstliche Intelligenz. Es sei das „weltweit intelligenteste und am besten ausgerichtete Modell“. Verfügbar ist es vorerst allerdings nur für eine begrenzte Zahl von Organisationen. Erst „in den kommenden Tagen“ soll Astra alle ChatGPT-Nutzer der Tarife Plus, Pro, Business und Enterprise sowie die OpenAI-API erreichen. In Enterprise-Workspaces sei der Zugang zu Beginn standardmäßig deaktiviert und müsse zunächst von Administratoren aktiviert werden.
Bemerkenswerter als die Verfügbarkeit ist der Ton der Präsentation: Wenn man in einigen Jahren zurückblicke und frage, wann AGI (artificial general intelligence, Allgemeine Künstliche Intelligenz) entstanden sei, dann werde die Antwort ungefähr auf diesen Zeitpunkt und dieses Modell fallen, sagte OpenAI-Präsident Greg Brockman laut ZDnet in einem Presse-Briefing. Auf Nachfrage wollte er Astra dann aber nicht eindeutig als AGI bezeichnen – ein Begriff, für den bis heute eine branchenweit akzeptierte Definition fehlt.
OpenAIs Chefwissenschaftler Jakub Pachocki äußerte sich im selben Briefing deutlich zurückhaltender. Je fähiger die Modelle würden, desto schwerer sei zu verstehen, was sie genau könnten, zitiert ihn Reuters; Fortschritt bei der Intelligenz garantiere keinen Fortschritt beim Alignment. OpenAI werde das Tempo drosseln, wenn es sich in Sicherheitsbelangen nicht sicher sei. Genau das war bereits im August der Fall: OpenAI pausierte damals interne Arbeiten am unveröffentlichten Astra-Modell, weil IT-sicherheitskritische Auswirkungen nicht auszuschließen waren.
In seinen Vergleichstabellen zieht OpenAI fast durchgängig Claude Fable 5.1, Fable 5 und Opus 5 als Vergleichsmaßstab heran. Nach OpenAIs eigenen Messungen liegt Astra dort meist vorn, bei dem gerne zitierten Humanity’s Last Exam muss es sich jedoch Anthropic geschlagen geben, und zwar nicht nur Fable 5.1, sondern auch dem Vorgänger und sogar Opus 5 mit 63,6 Prozent. Trotz des AGI-Raunens verliert GPT-6 auch im Artificial Analysis Intelligence Index v4.1.1 mit 61,2 Punkten gegenüber Fable 5.1, Opus 5 und Fable 5.
Wie immer sollte man die Benchmarkangaben mit Vorsicht genießen. Einige Claude-Werte hat OpenAI selbst nachgemessen oder aus fremden System Cards übernommen. Bei ScreenSpot-Pro und ExploitGym stammen die Fable-Zahlen von Mythos, also der Variante mit weniger Schutzmaßnahmen. Drei Science-Benchmarks fehlen laut OpenAI für Claude ganz, weil die Modelle die Mehrheit der Fragen verweigerten.
Astra ist das erste Modell, das OpenAI unter seinem Preparedness Framework im Bereich IT-Sicherheit selbst als kritisch einstuft. Ein eigens für solche Aufgaben trainiertes Modell, GPT-5.6-Cyber, hat OpenAI bereits im Rahmen des IT-Sicherheitsprogramms Daybreak vorgestellt. Mit passenden Werkzeugen und Zugriffsrechten könne es bislang unbekannte Schwachstellen in gut geschützten Systemen finden und Wege zu ihrer Ausnutzung entwickeln, ohne dass ein Mensch jeden Schritt vorgab.
Laut OpenAIs Cybersecurity-Auswertung erreichte Astra bei ExploitBench erstmals ein perfektes Ergebnis von 100 Prozent, verglichen mit 78,5 Prozent bei GPT-5.6 Sol. Getestet wurde ohne Produktivschutz.
Auf SRE-Bench löste Astra 88,0 Prozent der Aufgaben im ersten Anlauf und 99,2 Prozent in vier Versuchen, gegenüber 55,9 und 68,7 Prozent bei GPT 5. Sol. In einem internen Benchmark mit 20 hochkritischen V8-Lücken von Juni bis August 2026 erreichte Astra demnach 39 statt 5,5 Prozent – und entdeckte dabei zwei Zero-Day-Schwachstellen, die OpenAI nun an die Maintainer meldet. In Expertentests brach das Modell aus der Sandbox eines gehärteten Browsers aus und baute eine Rechteausweitungskette bis zum Root-Zugriff auf.
Entsprechend vorsichtig fällt die Markteinführung aus: Fortgeschrittene IT-Sicherheitsaufgaben wie Erstellen von Proof-of-Concept-Exploits verweigert Astra zunächst. Zugang zu diesen Fähigkeiten läuft über eine kleine Gruppe Alpha-Tester und anschließend das Programm Daybreak Blue. Nutzer sollten damit rechnen, dass Sicherheitsprüfungen auch legitime Arbeit ausbremsen: In ChatGPT und Codex kann eine Aufgabe pausiert und zur Freigabe vorgelegt werden, in der API wird sie gestoppt.
Beim Alignment liefert OpenAI eigene Zahlen und Einschränkungen. Im Honeypot-Test aus dem Hugging-Face-Nachspiel überschritt GPT 5.6 Sol ohne Produktivschutz in 48,2 Prozent der Fälle den autorisierten Zielbereich, Astra in keinem Fall. Im internen Computer-Use-Sicherheitsbenchmark liegt Astra mit 2,4 Prozent Fehlverhalten vor Fable 5.1 (9,5 Prozent) und Opus 5 (11,5 Prozent). Gleichzeitig räumt OpenAI ein, dass sich Astras schriftliches Reasoning schwerer überwachen lässt als das des Vorgängers.
Über die API kostet Astra zehn US-Dollar pro Million Input-Token und 50 US-Dollar pro Million Output-Token. Ein optionaler „Fast Mode“ läuft laut OpenAI mit der bis zu 2,5-fachen Geschwindigkeit zum doppelten Preis. Für Pro-, Business- und Enterprise-Kunden gibt es zusätzlich eine Variante namens GPT 6 Astra Pro.
(vza)