Heise 09.09.2026
06:15 Uhr

Mittwoch: Huawei-Verstöße gegen US-Sanktionen, Metas privater KI-Agent für alle


China-Konzern vor Gericht + Muse für Alltagsaufgaben per KI + Rechenzentren in Argentinien + Rechtsweg auch alternativ zulässig + Bit-Rauschen über TV-Technik

Mittwoch: Huawei-Verstöße gegen US-Sanktionen, Metas privater KI-Agent für alle

Acht Jahre nach der Festnahme der Huawei-Finanzchefin wird der chinesische Tech-Konzern wegen Bankbetrugs und Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen angeklagt. Zudem soll Huawei gegen US-Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran verstoßen haben. Huawei sieht sich „nicht schuldig“. Derweil hat Meta Platforms einen persönlichen KI-Agenten vorgestellt. Die einfach zu bedienende „Muse“ kann E-Mails bearbeiten und online einkaufen. Dazu müssen Nutzer mehr Daten als je zuvor preisgeben, zunächst nur in den USA. Dort ist der KI-Agent weitgehend kostenfrei nutzbar. KI-Anwendungen dieser Art benötigen Rechenzentren und der Süden Argentiniens bietet einige Vorteile für den Bau dieser Data-Center. Einige Projekte sind bereits in Planung. Zwar verfügt die Region über Energieressourcen und ein günstiges Klima, aber es gibt auch wesentliche Hürden – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

Der chinesische Technologiekonzern Huawei Technologies muss sich wegen seiner Geschäfte im Iran vor einem US-Gericht verantworten. Das Unternehmen wird des Betrugs verschiedener Banken beschuldigt, weil es diese über seine Geschäfte im Iran in die Irre geführt haben soll. Huawei muss sich zudem wegen Verschwörung zum Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen bei fünf US-Technologieunternehmen verantworten. Dem Konzern wird vorgeworfen, über seine Geschäfte in Nordkorea gelogen und gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben, indem er Überwachungstechnik an die iranische Regierung geliefert hat. Zu den weiteren Anklagepunkten gegen Huawei gehören Geldwäsche, kriminelle Machenschaften, Telekommunikationsbetrug und Behinderung der Justiz. Der Konzern bestreitet die Vorwürfe: Huawei in den USA wegen Iran-Geschäften vor Gericht.

Meta Platforms hat seinen ersten KI-Agenten für alle eingeführt. „Muse“ soll als privater KI-Agent von jedermann einfach zu bedienen sein und kann alltägliche Aufgaben wie E-Mails und Online-Bestellungen übernehmen. Dabei sollen Nutzer jederzeit die Kontrolle behalten, aber als KI-Agent benötigt Muse weitreichenden Zugriff auf persönliche Daten. Entsprechende Bedenken will der Facebook-Konzern mit einem auf Virtualisierung basierenden Sicherheitskonzept ausräumen. Dabei sollen die KI-Agenten in strikt getrennten Bereichen der Cloud agieren und von einem separaten Agenten überwacht werden. Muse ist kostenfrei nutzbar, aber bislang nur in den USA verfügbar. Für extensive Nutzung des KI-Agenten bietet Meta zwei Abonnements für 20 und 100 US-Dollar monatlich an: Meta Platforms bringt persönlichen KI-Agenten „Muse“ für alltägliche Aufgaben.

Während in den Vereinigten Staaten und andernorts der Widerstand gegen den Bau großer Rechenzentren zunimmt, wirft die Tech-Branche ein Auge auf Patagonien als Standort für Mega-Data-Center. Die Region im Süden Argentiniens lockt mit kühlen Temperaturen, Zugang zu Wasserkraft und Erdgas und weiten, unbesiedelten Flächen. Bislang entwickeln sich entsprechende Projekte in Argentinien weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Doch jetzt wird berichtet, dass ein großer Stromerzeuger in Patagonien bislang unbekannte Pläne für ein Rechenzentrum vorantreibt. Die Anlage soll in der Nähe eines unternehmenseigenen Wärmekraftwerks entstehen und bis zu 500 Megawatt Energie aus einem nahegelegenen Fördergebiet mit gewaltigen Öl- und Gasvorkommen beziehen: Tech-Branche nimmt Patagonien als Standort für Rechenzentren in den Blick.

Seit für die Anwaltschaft die Pflicht zur aktiven Nutzung des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs (beA) gilt, ist die Übermittlung von Schriftsätzen per Papier oder Telefax aus den meisten Kanzleien verschwunden. Was aber, wenn das System an einem Stichtag streikt? Mit diesem Problem hatte sich der Bundesgerichtshof (BGH) zu befassen. Er stellte klar, dass gut gemeinte, aber fehlerhafte Rettungsversuche über ungewohnte Ersatzwege einem Mandanten nicht zwingend zum Verhängnis werden dürfen. Denn ein Oberlandesgericht hatte eine per Computerfax eingelegte Berufung wegen Formfehler verworfen, nachdem das beA eines Rechtsanwalts den Dienst verweigert hatte. Das dürfe dem Anwalt laut BGH nicht negativ ausgelegt werden. So stärkt der BGH Anwälte bei beA-Ausfall: Wenn das Ersatzfax zur Stolperfalle wird.

Die etablierten LCD-Schirme haben bei Fernsehern weiter mit großem Abstand die Nase vorn: Nur ein Bruchteil der verkauften Geräte nutzt OLED-Panels. Letztere zeigen dank tieferem schwarz höhere Kontraste und schalten schneller. Aber sie sind immer noch teurer. Und moderne LCDs mit Mini-LED-Backlights zeigen ebenfalls tolle Bilder und können manches auch besser als OLEDs: Mit sehr hoher Leuchtdichte eignen sie sich besser für helle Räume. Die TV-Hersteller entwickeln sowohl LCD- als auch OLED-Technik weiter. Sie arbeiten aber auch an neuen Verfahren wie selbstleuchtenden Quantenpunkten. Doch nicht nur die TV-Panels verändern sich. Enormer Kostendruck verwandelt den Markt, und chinesische Firmen wachsen stark. Über TV-Trends sprechen wir im Bit-Rauschen, dem Prozessor-Podcast: Die Zukunft der TV-Technik.

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(fds)