Heise 30.07.2026
09:58 Uhr

Mercedes GLA vorgestellt: Der Doppel-Erbe


Mercedes beendet das teure Nebeneinander von GLA und EQA: Der neue GLA wird mit E-Antrieb und Hybriden zu haben sein. Den Anfang macht das Elektroauto.

Mercedes GLA vorgestellt: Der Doppel-Erbe

Über ein paar Jahre hat Mercedes sich eine mutmaßlich ziemlich teure Doppelstruktur geleistet: Auf der einen Seite der GLA, der stets einen Verbrenner eingebaut hatte, auf der anderen Seite der EQA, der nur als Elektroauto zu haben war. Beide waren ähnlich groß, standen aber nicht auf einer Plattform. Das ändert sich nun, obwohl es einst anders geplant war. Denn ursprünglich sollte dieser GLA nur noch als Elektroauto auf den Markt kommen. Eine Strategie, die mitten in der Entwicklung über den Haufen geworfen wurde.

Eine Plattform für beide Antriebsarten erfordert Kompromisse, denn sie haben einen unterschiedlichen Platzbedarf an unterschiedlichen Stellen. In einem SUV sollte sich das kaschieren lassen. Der GLA wird das vorerst kleinste Elektroauto der Marke Mercedes, doch tatsächlich klein ist er keineswegs. Mit 4,57 m Länge erreicht er fast das Format eines VW ID.4. Sein Radstand misst 2,79 m. Das sind 6,1 cm mehr als im bisherigen GLA und immerhin nochmals zwei Zentimeter mehr als im ID.4. Das sollte reichen, um tatsächlich großzügige Platzverhältnisse für die Passagiere zu schaffen.

Enttäuschen dürfte einige das Kofferraumvolumen: Mercedes nennt 410 Liter, was angesichts der äußeren Abmessungen ein dürftiger Wert ist. Hier bieten vergleichbare Konkurrenten zum Teil deutlich mehr. Immerhin: Die Anhängelast liegt je nach Motorisierung zwischen 1,5 und 2 Tonnen und das Fach unter der vorderen Haube ist mit 107 Litern überdurchschnittlich groß.

Keine Überraschung liefert die Gestaltung des Innenraums, der dem entspricht, was aus den aktuellen Ablegern von CLA und GLB schon bekannt ist. Serienmäßig sind zwei große Displays, auf denen die Oberfläche des aktuellen Betriebssystems MB.OS zu sehen ist. Ich fand das in den anderen Modellen recht gut sortiert, empfehle aber trotzdem, sich auf die Sprachsteuerung einzulassen. Wer mag, kann in Soundsystem, Head-up-Display und einen Bildschirm vor dem Beifahrer investieren. Ein großes Glasdach ist serienmäßig. Als Extra kann hier später eine segmentweise schaltbare Vermilchung bestellt werden. Ein Rollo zur kompletten Abschattung oder gar eine Öffnungsfunktion gibt es in diesem GLA nicht mehr.

Mercedes

Wird der GLA mit Allradantrieb bestellt, gibt es zusätzlich zu den üblichen Fahrprogrammen noch den Modus „Terrain“, der auf Feldwegen und Fahren auf losem Untergrund wie Schotter unterstützen soll. Damit sind die Fähigkeiten des GLA in dieser Umgebung vermutlich bereits komplett umschrieben. Gegen Aufpreis bietet Mercedes dennoch eine Funktion an, die auf dem Bildschirm eine Ansicht unter dem Auto liefert.

Wichtiger dürfte für die meisten Nutzer sein, dass Mercedes perspektivisch auch im GLA die automatisierte Punkt-zu-Punkt-Navigation anbieten wird, auch wenn das in der aktuellen Pressemitteilung noch nicht explizit erwähnt wird. Im Januar 2026 lieferte Mercedes einen ersten Vorgeschmack darauf, und der war durchaus schon beeindruckend. Wann genau das zu welchem Mehrpreis im GLA zu haben sein wird, ist ungewiss. Bei der Navigation greift Mercedes auf Google Maps zurück, verfeinert die Angelegenheit allerdings noch etwas. Für die Prognose der Reichweite werde künftig auch die Vorhersage der Windverhältnisse entlang der Route genutzt.

Zum Start bietet Mercedes im GLA zwei Batterien und drei E-Antriebe an. Sämtliche Konfigurationen sind aus den anderen Modellen schon bekannt: Das Basismodell GLA 200 bekommt eine LFP-Batterie mit 58 kWh und einem 165 kW leistenden E-Motor im Heck. Innerhalb von 20 Minuten lässt sich das Fenster zwischen 10 und 80 Prozent schließen. Die durchschnittliche Netto-Ladeleistung liegt damit bei rund 122 kW. Im WLTP nennt Mercedes eine Reichweite von 394 bis 447 km und einen Verbrauch von 14,8 bis 17 kWh. Wie in den anderen Modellen kann an Wechselstrom serienmäßig mit 11 kW geladen werden, gegen Aufpreis gibt es die Option auf 22 kW.

Die beiden anderen Modelle bekommen eine 85-kWh-Batterie, die auf die Zellchemie aus Nickel, Mangan und Kobalt (NMC) setzt. Mercedes nennt für diese Batterie eine maximale Ladeleistung von 320 kW, die wir in Tests schon deutlich überboten haben. Die durchschnittliche Netto-Ladeleistung liegt bei etwa 162 kW, was sich aus dem Versprechen, in 22 Minuten 70 Prozent des Energiegehalts nachladen zu können, errechnen lässt.

Es folgen absehbar mindestens drei weitere Antriebe. Wie im CLA wird es auch im GLA einen 250 (ohne Plus) geben, der den 200-kW-Antrieb des GLA 250+ mit einer 71-kWh-Batterie kombiniert. Anfang nächsten Jahres reicht Mercedes zwei Hybridantriebe nach. In ihnen wird ein 1,5-Liter-Benziner mit einem 48-Volt-Startergenerator kombiniert, der bis zu 22 kW beisteuert. Rekuperiert werden kann mit bis zu 25 kW, was die kleine Pufferbatterie rasch füllen sollte. Deren Energiegehalt liegt bei 1,3 kWh.