Heise 17.06.2026
15:00 Uhr

KI-Update kompakt: Mythos-Sperre, Nudifier-Verbot, Propaganda, iPhone


Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

KI-Update kompakt: Mythos-Sperre, Nudifier-Verbot, Propaganda, iPhone

Die US-Regierung hat am Wochenende die Anthropic-Modelle Fable 5 und Mythos 5 unter einer Exportkontrolldirektive gesperrt. Verhandlungen mit dem Hersteller laufen, eine Einigung steht aus. Auslöser war ein Bericht einer Sicherheitsabteilung von Amazon, der einen vermeintlichen Jailbreak des Modells Fable beschrieb.

Die Cybersicherheitsexpertin Katie Mosuris, die den Bericht eingesehen hat, widerspricht dieser Darstellung. Das Modell habe schlicht die Aufforderung "fix the Code" befolgt und einen Patch entworfen, den Menschen danach manuell prüften. Genau das solle KI in der Cybersicherheit leisten, argumentiert Mosuris. Andernfalls blieben mächtige Werkzeuge allein Angreifern vorbehalten. Ein weiterer Faktor für die Sperre soll ein chinesischer Zugriff auf das vollständige Mythos-Modell gewesen sein. Washington hält bislang an der Maßnahme fest.

Über 200 Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, fordern den sofortigen Stopp von KI-Systemen in militärischen Tötungsketten. Sie warnen vor einer Zukunft, in der Algorithmen über Leben und Tod entscheiden. Ein Bericht des New Scientist nennt einen ersten bestätigten Fall: Vollautonome Drohnen sollen im "Terminator-Modus" eigenständig feindliche Soldaten getötet haben, ohne menschliche Kontrolle.

Auch in Gaza, im Libanon und im Iran sind automatisierte Systeme zur Überwachung und Zielgenerierung im Einsatz. Die Organisationen sprechen von "Massenabfertigung", die Angriffe im Minutentakt autorisiere. In der Kritik stehen Google, Microsoft und OpenAI, die Milliarden mit Militäraufträgen verdienen. Gefordert werden strenge Regeln, um den Ausbau autonomer Waffensysteme zu stoppen.

Die niederländische Verbraucherschutz-Stiftung SOMI hat Meta verklagt. Sie wirft dem Konzern vor, Beiträge und Kommentare aus Facebook und Instagram unter falschen Angaben zum KI-Training zu nutzen. Meta erwecke den Eindruck, die Daten flössen in die Llama-Sprachmodelle. Tatsächlich landeten sie im Werbeoptimierungssystem GEM. Verarbeitet würden zudem Daten von Personen ohne Konto sowie von Minderjährigen.

SOMI fordert mindestens 1.000 Euro Schadenersatz pro Betroffenem plus 100 Euro für jeden Monat seit Mai 2025. Für Jugendliche soll der Mindestbetrag im Erfolgsfall das Dreifache, für Kinder das Fünffache betragen. Auch Personen ohne Facebook- oder Instagram-Konto können sich der Sammelklage anschließen.

Das Europaparlament hat mit großer Mehrheit neue Regeln gegen pornografische Deepfakes beschlossen. Verboten sind KI-Systeme, die Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs erzeugen. Auch Apps, die intime Bereiche identifizierbarer Personen oder sexuell eindeutige Handlungen ohne Einwilligung zeigen, sind untersagt. Anbieter dürfen Bild- oder Videogeneratoren in der EU nur vertreiben, wenn technische Schutzvorkehrungen die Erstellung solchen Materials verhindern.

Die Regelung ergänzt bestehende Vorschriften und nimmt erstmals auch die Anbieter von Nudification-Apps in die Pflicht. Eine Lücke bleibt: Nicht einvernehmliche Bikini-Bilder, wie sie der Chatbot Grok auf X erzeugte, dürften weiterhin erlaubt sein. Stimmen die Mitgliedsstaaten zu, tritt das Gesetz am 2. Dezember in Kraft.

Smartphone-Preise steigen wegen einer anhaltenden Speicherkrise. Carl Pei vom Hersteller Nothing erklärte auf X, Speicher sei mittlerweile die teuerste Komponente und mache über die Hälfte der Hardwarekosten aus. Ursache ist der KI-Boom: Rechenzentren benötigen denselben Speichertyp wie Smartphones. Erstmals konkurrieren Geräte- und KI-Infrastruktur direkt um dieselben Chips.

Neue Modelle kosten bereits bis zu 100 Dollar mehr als ihre Vorgänger. Xiaomi-Chef Lei Jun erwartet weitere Aufschläge in den kommenden zwei Jahren. Betroffen sind auch Gaming-Konsolen und PC-Hardware. Beide Firmenchefs raten zu zügigen Käufen, da sich die Lage so bald nicht entspanne.

SpaceX kauft das KI-Entwicklertool Cursor für 60 Milliarden Dollar in Aktien. Es ist einer der größten Tech-Deals der jüngeren Zeit. SpaceX gewinnt damit direkten Zugang zur globalen Entwickler-Community und will Cursor neben dem Chatbot Grok als profitables Vorzeigeprodukt etablieren. Das KI-Unternehmen xAI ist bereits integriert.

Cursor könnte vom Supercomputer "Colossus" mit 200.000 Nvidia-GPUs profitieren, aus dem auch Google und Anthropic Rechenleistung mieten. Für Konkurrenten wie Anthropic und OpenAI im KI-Coding-Geschäft steigt der Druck.

Salesforce übernimmt die KI-Kundenservice-Plattform Fin für 3,6 Milliarden Dollar. Kernprodukt ist ein KI-Agent, der Kundenanfragen über Kanäle wie Live-Chat und WhatsApp bearbeitet. Grundlage ist das hauseigene Modell "Apex", das für den Support entwickelt wurde. Salesforce verspricht autonome Problemlösung, niedrigere Kosten und schnellere KI-Einführung.

Der Deal zeigt den Druck auf klassische Softwareanbieter durch generative KI. Salesforce hatte zuvor Informatica für acht Milliarden Dollar gekauft, um KI tiefer in die eigenen Produkte zu integrieren.

Nach dem Github Copilot stellt Microsoft auch sein KI-Tool Copilot Cowork auf nutzungsbasierte Abrechnung um. Cowork ist eine Adaption eines gleichnamigen Anthropic-Tools und soll Wissensarbeit mit agentischer KI unterstützen. Charles Lamanna, bei Microsoft für Copilot zuständig, bezeichnet ein Pauschalmodell als nicht tragbar. Manche Nutzer erledigten hunderte Aufgaben pro Woche, was die Kosten in die Höhe treibe.

Parallel prüft Microsoft laut dem Nachrichtenportal Axios den Einbau des chinesischen Modells DeepSeek V4 als günstigere Option. Da der Einsatz eines chinesischen Modells besonders in den USA Kritik auslösen dürfte, betont der Konzern, DeepSeek wäre optional und liefe vollständig auf der eigenen Cloud Azure. Eine Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen.