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06.10.2026
18:27 Uhr
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Im US-Bundesstaat Utah darf eine KI-App erstmals eigenständig Medikamente gegen Akne verschreiben – zunächst mit ärztlicher Prüfung, später per Stichprobe.

Der US-Bundesstaat Utah hat dem Start-up Nolla Health eine regulatorische Ausnahmegenehmigung erteilt, die es einer KI erlaubt, bestimmte Medikamente zu verschreiben. Der Pilotversuch ist auf Erwachsene ab 18 Jahren mit leichter bis mittelschwerer Akne beschränkt. Verschrieben werden dürfen ausschließlich Präparate, die von außen auf die Haut aufgetragen werden. Medikamente, die oral eingenommen werden müssen, sind ausgeschlossen. Auch schwerere Fälle von Akne sowie Schwangere dürfen nicht mit der KI behandelt werden; sie werden an Ärzte verwiesen.
Wie Nolla Health in ihrem Blog erläutert, analysiert die Nolla-App das Gesicht der Patienten, wertet einen strukturierten medizinischen Fragebogen aus und stuft die Schwere der Akne ein. Anschließend wählt ein LLM die Behandlung anhand einer Auswahlliste mit acht zugelassenen Optionen. Der gesamte Vorgang soll laut Unternehmensangaben 10 bis 15 Minuten dauern. Die App kostet im Pilotprojekt 4,99 US-Dollar pro Monat.
Die Genehmigung des Utah Office of Artificial Intelligence Policy sieht für den Start der App drei Phasen vor: In der ersten müssen zwei zugelassene Ärzte unabhängig voneinander jede Verschreibung für die ersten 100 Patienten prüfen und freigeben, bevor die Medikamente bestellt werden. Nach Unternehmensangaben habe bei den letzten 1000 Behandlungen ein zugelassener Arzt in rund 96 Prozent der Fälle der KI-Empfehlung zugestimmt.
In der zweiten Phase darf die KI Rezepte direkt an Apotheken übermitteln; Ärzte kontrollieren die Fälle nachträglich wöchentlich. Diese Phase umfasst bis zu 500 Patienten. In der dritten Phase kontrollieren Ärzte dann nur noch jede zehnte Verschreibung. Fälle mit Nebenwirkungen oder Eskalationen werden unabhängig davon vollständig geprüft.
Die Zulassung schreibt zusätzlich umfangreiche Auflagen vor und läuft zunächst für zwölf Monate. Nolla Health muss regelmäßige Berichte an die Aufsichtsbehörde liefern. Nach Kritik an seinem KI-Pilotprogramm lässt Utah die Angaben der Unternehmen zudem von unabhängigen Prüfern kontrollieren. Jeder schwerwiegende oder unerwartete Vorfall ist innerhalb von 24 Stunden zu melden – darunter Fehldiagnosen, falsche Dosierungen, allergische Reaktionen, aber auch Halluzinationen oder Sicherheitsvorfälle wie Ransomware-Angriffe. Ebenfalls in Utah wird seit einigen Monaten der Chatbot des Start-ups Doctronic getestet, der Folgeverschreibungen nach definierten Leitlinien automatisch verlängern soll. Bislang muss allerdings noch medizinisches Fachpersonal jede Verlängerung freigeben.
(rie)