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20.07.2026
14:01 Uhr
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Das Expeditionsschiff Tara Polar Station hat seine Reise ins Nordmeer angetreten. Es soll ein Jahr lang durch die Arktis driften und Daten sowie Proben sammeln.

Die Arktis ist stärker vom Klimawandel betroffen als jede andere Region der Welt. Wie sich die Erwärmung auf die Mikroorganismen auswirkt, ist bisher noch weitgehend unerforscht. Am 19. Juli ist eine neue Expedition gestartet, deren Ziel es ist, das Verständnis für die Arktis zu verbessern – von der Biodiversität über Stoffkreisläufe bis hin zu den Auswirkungen des Klimawandels auf mikrobielle Lebensgemeinschaften.
Die Forschungseinrichtung Tara Polar Station hat am gestrigen Sonntag ihre erste Reise von Lorient in der Bretagne aus in die Arktis angetreten. Die Mission startet Mitte August an der russischen Nordküste. Diese wird das Forschungsschiff zunächst in Begleitung eines Eisbrechers entlang fahren.
Etwa Anfang September wird die Tara Polar Station vom Packeis eingeschlossen. Dann wird das Schiff etwa ein bis anderthalb Jahre durch den Arktischen Ozean driften, mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 Kilometern pro Tag. Ende 2027 soll es ihr Ziel, die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen, erreichen.
Im arktischen Winter werden 12, im Sommer 18 Personen an Bord der Tara Polar Station wohnen. Etwa die Hälfte davon sind Wissenschaftler. Sie werden unter anderem Wasserproben bis zu einer Tiefe von 2000 Metern nehmen, daneben Proben aus der Atmosphäre und aus den Hohlräumen im Eis.
„Wenn wir verstehen wollen, welche Folgen die Erwärmung des Polarmeeres für das Funktionieren des gesamten polaren Ökosystems hat, müssen wir untersuchen, wie Mikroorganismen am Anfang der Nahrungskette auf die extremen Veränderungen reagieren“, sagte Georg Pohnert. „Die Tara Polar Station ermöglicht Forschung im vollkommen ungestörten Lebensraum, die unter den bisherigen Bedingungen auf großen Forschungsschiffen nicht möglich gewesen wäre.“ Ponert lehrt Bioanalytik an der Universität in Jena, die an dem Projekt beteiligt ist. Ponert wird aber selbst nicht an der Expedition teilnehmen. Aber sein Team wird die bei der Mission gesammelten Proben untersuchen.
Vorbild ist die Fram-Expedition von Fridtjof Nansen: Um den Nordpol zu erreichen, ließ er sich 1893 mit der eigens für diese Expedition gebauten Fram im arktischen Meereis einschließen. Ziel war, mit der Eisdrift bis zum Pol vorzudringen – was aber misslang. Nansen versuchte dann, zusammen mit Fredrik Hjalmar Johansen den Pol zu Fuß zu erreichen. Die beiden kamen bis auf 86 Grad, 13,6 Minuten nördlicher Breite.
Die Tara Polar Station wurde von der französischen Meeresforschungsorganisation Fondation Tara Océan in Auftrag gegeben. Der Rumpf, der aus Aluminium besteht, ist 26 Meter lang und 16 Meter breit. Darauf sitzt ein Aufbau, der von der Form her an einen Iglu erinnert, in dem die Crew leben und arbeiten wird. Das Schiff wurde im April 2025 in Betrieb genommen und wurde bereits im Eis getestet. An dem Projekt sind über 30 Forschungseinrichtungen aus zwölf Ländern beteiligt, unter anderem aus Frankreich, Deutschland, Spanien und der Schweiz.
(wpl)