Heise 03.09.2026
13:51 Uhr

Dekagon: Weltraumteleskop Hubble fotografiert zehneckigen Sturm auf dem Saturn


Der sechseckige Sturm am Nordpol des Saturn ist seit Jahrzehnten bekannt, aber längst nicht erklärt. Nun hat sich überraschend am Südpol ein Pendant gebildet.

Dekagon: Weltraumteleskop Hubble fotografiert zehneckigen Sturm auf dem Saturn

Um den Südpol des Saturn hat sich unerwartet ein zehneckiger Sturm herausgebildet, das Dekagon ist auf neuen Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble deutlich erkennbar. Die ersten Hinweise auf die Struktur hat ein Forschungsteam um Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes im spanischen Bilbao auf einer amateurastronomischen Aufnahme entdeckt. Eine abschließende Bestätigung und die besten Bilder lieferte aber erst Hubble. Die Entdeckung gelang jetzt über 40 Jahre nach dem Fund des berühmten Hexagons am Nordpol des Saturn. Wie die beiden entstehen, warum sie eine eckige Struktur bilden und warum sie sich so deutlich voneinander unterscheiden, ist unklar, erklärt die Forschungsgruppe.

Bei dem zehneckigen Sturm handelt es sich um eine atmosphärische Welle, die den Südpol des Ringplaneten umschließt, erläutert die NASA. Die sitzt demnach in dem mächtigen Jetstream und erstreckt sich über verschiedene Bereiche der Atmosphäre, es sei also wohl keine einfache Wolkenformation. Für die Forscherinnen und Forscher ist vor allem interessant, dass sich die Struktur erst vor vergleichsweise kurzer Zeit gebildet hat. „Die Frage ist: Warum hat es sich gerade jetzt plötzlich gebildet, wo wir doch bisher noch nie eines gesehen haben?“, sagt die NASA-Forscherin Amy Simon. So sei das Hexagon am Nordpol ja seit Jahrzehnten immer da, wenn man danach suche, während sich das Dekagon erst ab 2023 gebildet hat.

Ein Phänomen wie die mehreckigen Stürme auf dem Saturn gibt es im Sonnensystem sonst nirgendwo, auch wenn die zackige Struktur nicht ganz so einzigartig ist, wie es den Anschein hat. So zeigt eine Darstellung der Jetstreams auf der Erde ein ähnliches Muster. Auf unserem Heimatplaneten ist das Phänomen aber nicht einmal annähernd so stabil, primär wegen Hindernissen auf der Oberfläche. Auf dem Gasplaneten Saturn hingegen gibt es solche nicht, und wohl auch deswegen kann zumindest das Hexagon am Nordpol Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang bestehen. Damit bleibt aber die Frage, warum das Zehneck am Südpol augenscheinlich nicht so langlebig ist. Die Forschungsgruppe will den Sturm weiter beobachten, um herauszufinden, ob er sich jetzt stabilisiert und wie er entstanden ist.

Ermöglicht wurde die Entdeckung dank eines Programms der Universität in Bilbao, das unter dem Namen Planetary Virtual Observatory and Laboratory läuft. In dessen Rahmen können Astronominnen und Astronomen, die das nicht beruflich machen, astronomische Aufnahmen einreichen. Auf darüber eingereichten Bildern habe Sánchez-Lavega mit zwei Amateurastronomen „ein kaum wahrnehmbares, wellenförmiges Band entlang des Südpols“ entdeckt, erklärt die NASA. Ein Jahr später sei es deutlicher zu erkennen gewesen. Erst Hubble habe die Struktur aber komplett abbilden können, weil es aus der Erdumlaufbahn eine ganze Rotation des Ringplaneten abbilden kann. Vorgestellt wird die Entdeckung in einem Fachartikel im Forschungsmagazin Science Advances.

(mho)