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22.09.2026
17:00 Uhr
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Aus Frust über kommerzielle Kameras mit gesperrter Firmware hat ein Maker und Fotograf eine 3D-gedruckte, hackbare Digitalkamera auf Raspi-5-Basis gebaut.

Gesperrte Firmware, überteuerte Spezialmodelle und nicht reparierbare Gehäuse brachten den kanadischen Fotografen und Maker Malcolm-Jamal Wilson dazu, seine eigene Digitalkamera zu bauen. Die WLV-01 lässt sich komplett selbst drucken und per Python-Code anpassen, als Herzstück dient ein Raspberry Pi 5. Wer mit 3D-Druck etwas Erfahrung habe, könne den Bausatz an einem Wochenende zusammenbauen, sagt Wilson. Die Anfang September gestartete Kickstarter-Kampagne hatte bereits nach 18 Minuten die Zielsumme erreicht.
Wilson verkauft die Kamera seit November 2025 als Bausatz und fertig montiert und stellte sie diesen Sommer auf der Maker-Messe Open Sauce vor. Er setzt bewusst auf leicht verfügbare Komponenten. Das Gehäuse lässt sich auf jedem handelsüblichen 3D-Drucker aus HTPLA-Filament fertigen und 18650-Zellen liefern den Strom für zwei bis drei Stunden. Über ein Sony-E-Bajonett lassen sich manuelle Objektive von C-Mount über M42 bis Leica M per Adapter anschließen. Auch die Bildsensoren sind tauschbar und reichen vom 1/1,2-Zoll-Format bis zu Micro-Four-Thirds-Modulen, jeweils als Farb- und Monochromvariante.
Die Kamera verzichtet auf Autofokus und zeigt aufgenommene Bilder nicht auf dem 4-Zoll-Display an, um das ständige Kontrollieren nach jedem Foto zu unterbinden. „The closest thing to a true digital film experience that I've ever had“, urteilte Alberto Lima vom Fotomagazin The Phoblographer, das der Kamera 4 von 5 Punkten gab. Nutzer modifizieren den Objektivanschluss für Leica-M-Glas oder passen die Software für Langzeitbelichtungen an.
Die Python-basierte Software auf Basis von Picamera2 und libcamera bringt eingebaute Filmsimulationen mit, darunter Ilford Delta 400 und Kodak Tri-X 400. Eigene LUT-Dateien (Farbtabellen für Filmsimulationen) lassen sich über eine Web-Oberfläche laden, die auch als drahtloser Tether für Studiofotografie dient. Video zeichnet die WLV-01 in 1080p und 4K mit 24 fps auf.
Trotz des hackbaren Ansatzes ist die WLV-01 kein Open-Source-Projekt im eigentlichen Sinne. Weder Software noch STL-Dateien sind frei verfügbar, sie werden nur zusammen mit der Kamera oder als kostenpflichtiges Digital-Paket ausgeliefert. Immerhin lasse sich der Python-Code frei modifizieren, sagt Wilson, und das Gehäuse in beliebigen Farben nachdrucken. Die Raspberry Pi Foundation hat die WLV-01 offiziell als „Powered by Raspberry Pi“-Produkt lizenziert.
Die Kickstarter-Kampagne dient laut Wilson der Finanzierung größerer Sensorbestellungen und der FCC-Zertifizierung (Funkzulassung für den US-Markt) der neuen Sensormodule. Mit rund 34.500 Euro hat die Kampagne ihr Ziel von 9.334 Euro mit neun verbleibenden Tagen um das 3,7-Fache übertroffen. Die Digitaldateien zum Selbstdrucken kosten im Shop rund 71 Euro, DIY-Bausätze mit Sensor starten bei 356 Euro, fertig montierte Kameras bei 757 Euro.
(mch)