Heise 06.09.2026
15:02 Uhr

Ausgeschlachtete RTX 5090 ohne Chips in Deutschland verkauft


Für 1800 Euro erwarb ein Mann eine Grafikkarte – und die machte kein Bild. Kein Wunder: GPU und RAM waren professionell entfernt. Ein klarer Betrug.

Ausgeschlachtete RTX 5090 ohne Chips in Deutschland verkauft

Der Hardwareentwickler und YouTuber Roman „der8auer“ Hartung hat einmal mehr einen Betrug mit gefälschten oder verfälschten Komponenten aufgedeckt. Diesmal handelt es sich jetzt ganz offensichtlich um einen professionell durchgezogenen Fall von Betrug in Deutschland.

Ein Zuschauer seines YouTube-Kanals hatte Hartung eine gebraucht gekaufte RTX 5090 von Palit geschickt. Die Karte lieferte kein Bild, und weitere Möglichkeiten zum Testen hatte der Käufer nicht. Schon vor dem Einbau in eine Testplattform entdeckte Hartung Auffälligkeiten. Dass das Werks-Siegel auf einer der Schrauben geöffnet war, könnte vielleicht noch an einem Austausch der Wärmeleitpaste liegen. Dass aber die Seriennummer auf der Karte und dem Originalkarton nicht übereinstimmen, hätte auch dem Käufer auffallen müssen.

Der hatte aber sonst schon einiges richtig gemacht. Im Sommer 2026 hatte er die Karte bei Kleinanzeigen.de entdeckt, und wollte sie aus Sicherheitsgründen persönlich abholen. Der Verkäufer zeigte ihm eine Rechnung für zwei RTX 5090, die vor einem Jahr ausgestellt wurde. Eine der beiden Karten, eben die angebotene Palit, brauche er nicht mehr, daher wolle er sie verkaufen, sagte der Anbieter im direkten Gespräch mit dem Käufer. Der ließ sich auf den Handel ein, obwohl er die Grafikkarte nicht vor Ort ausprobieren konnte. 1800 Euro wechselten in bar den Besitzer, und nach erfolglosen Versuchen des Käufers mit der Karte wandte er sich an Roman Hartung.

Der steckte die Karte in eine Testplattform, wo sie nur ihre LED-Beleuchtung in Betrieb nahm. Am 12V-2x6-Anschluss betrug die Leistungsaufnahme Null Watt, folglich gab es auch kein Bild. Danach entfernte Hartung Backplate und Kühler und fand darunter eine echte Platine einer Palit RTX 5090 – nur ohne GPU und Speicherbausteine. Die Chips waren professionell ausgelötet worden, wofür Spezialgeräte wie eine Lötstation mit beidseitiger Wärmeübertragung und einiges an Erfahrung nötig sind. Das Ziel der Betrüger muss ja sein, die Chips dann getrennt von der Platine gewinnbringend zu verkaufen.

GPU und RAM landen, wie frühere Berichte naheliegen, dann auf leeren Platinen für KI-Rechenzentren. Diese werden mit schmaleren und lüfterlosen Kühlern als bei Gaming-Grafikkarten bestückt, denn: laute Racklüfter halten die Chips auf Betriebstemperatur. Der Krach spielt keine Rolle, vielmehr, möglichst viele GPUs pro Rack unterzubringen. Da beispielsweise China mit einem Importverbot für die schnellsten GPUs belegt ist, gibt es dort einen Markt für selbst gebaute KI-Beschleuniger auf Basis von Spiele-GPUs. Auch funktionslose Grafikkarten mit alten GPUs waren in den vergangenen Jahren international schon aufgetaucht. Hier handelt es sich aber wohl um einen der ersten Fälle in Deutschland mit einer professionell ausgeschlachteten Karte.

Wo die Chips der von Hartung untersuchten Palit gelandet sind, lässt sich nicht feststellen. Eine Hoffnung, die der YouTuber auch in seinem Video äußert, ist, dass der Kartenhersteller anhand der Seriennummern von Karton und Karte den Weg des Produkts nachvollziehen kann. Ob der Käufer sein Geld – der Fall wurde angezeigt – je wiedersieht, ist dennoch fraglich.

Daher bleibt auch hier der dringende Rat, beim Kauf von gebrauchter Hardware, insbesondere High-End-Grafikkarten, besonders vorsichtig zu sein. Ohne einen genauen Test des Geräts sollte nicht bezahlt werden, denn die Betrüger treiben inzwischen großen Aufwand: Hier wurde die Karte wieder unauffällig zusammengebaut und auch die Beleuchtung angeschlossen.

Lukrativ ist das für die Kriminellen, denn neue RTX 5090 sind kaum noch unter 5000 Euro zu bekommen. Als der geprellte Käufer sein ausgeschlachtetes Exemplar erwarb, kosteten sie um 4000 Euro – auch da hätte der Preis von 1800 Euro stutzig machen müssen. Von den unpassenden Seriennummern mal ganz abgesehen. Schlussendlich bleibt einmal mehr: Ein Angebot, das zu gut ist, um wahr zu sein, ist es in der Regel auch nicht.

(nie)