Heise 17.08.2026
17:23 Uhr

30 Jahre ITSG: Wie aus einem Trust Center ein zentraler IT-Dienstleister wurde


ITSG feiert 30 Jahre. Ein Interview über den Datenaustausch, IT-Sicherheit und Strategien zu KI und Open Source.

30 Jahre ITSG: Wie aus einem Trust Center ein zentraler IT-Dienstleister wurde

Vor 30 Jahren stand die ITSG vor einer damals neuen Aufgabe: Sozialdaten sollten zwischen Krankenkassen, Arbeitgebern und Leistungserbringern sicher elektronisch statt auf Papier ausgetauscht werden. Die technische Grundlage dafür ist eine Public-Key-Infrastruktur (PKI), also ein System, das digitale Zertifikate ausstellt und verwaltet, damit Kommunikationspartner ihre Identität nachweisen und Daten vertraulich übertragen können.

Das hierfür aufgebaute Trust Center wurde zur ersten Anwendung der ITSG und legte den Grundstein für ihre heutige Rolle als IT-Dienstleister im Gesundheits- und Sozialwesen. Zwischenzeitlich, bis zur Version 2.6. war die ITSG auch Betreiber der elektronischen Patientenakte (ePA). Anlässlich des Jubiläums sprachen wir mit Geschäftsführer Stefan Haibach und Chief Strategy Officer Gregor Grebe.

Wenn man sieht, wie viele Störungen es dort inzwischen gab, muss man sagen: Vielleicht waren wir gar nicht so schlecht, obwohl wir nur ein kleiner Player sind.

Wie schnell das kippen kann, habe ich neulich auf dem OMNISECURE-Kongress gesehen. Dort wurde vorgeschlagen, dass der Bürger einfach sein Problem schildert, eine KI daraus den Antrag erstellt, und auf der anderen Seite eine KI der Verwaltung das Ganze prüft – mit der Begründung, die Gesetze seien inzwischen zu komplex für menschliche Sachbearbeitung. Statt die Komplexität zu reduzieren, will man sie einfach mit KI erschlagen.

Bereits 2021 haben wir im Auftrag des BMAS eine Studie erarbeitet, wie KI im Arbeitgeberverfahren genutzt werden könnte. Die wurde positiv bewertet, ist aber nie in ein konkretes Projekt gemündet. Bei der eigenen Softwareentwicklung setzen wir GitHub Copilot ein – hier ist die Entwicklung spannend. Vor einem Jahr haben wir es eher als „nettes Spielzeug“ eingeschätzt. Inzwischen kommen wir in ersten Pilotprojekten auf ein Einsparpotenzial von 20 bis 35 Prozent in Entwicklung und Qualitätssicherung.

Haibach: Die EUDI-Wallet könnte da, sofern sie gut umgesetzt ist, helfen. Und dass Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen nicht mehr an unterschiedlichen Rechtsdefinitionen und fehlender Standardisierung scheitert. Und dass wir Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit nicht länger gegeneinander ausspielen.

(mack)