FAZ 17.08.2026
10:13 Uhr

„jede Nacht 30, 40“: Ben-Gvir fordert gezielte Tötungen im Gazastreifen


Israels Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir fordert, „jede Nacht 30, 40“ Menschen im Gazastreifen zu töten – und kritisiert Ministerpräsident Netanjahu.

„jede Nacht 30, 40“: Ben-Gvir fordert gezielte Tötungen im Gazastreifen

Der israelische Minister für nationale Sicherheit hat gezielte Tötungen im Gazastreifen gefordert. „Ich denke, dass man gezielte Tötungen in Gaza ausführen sollte, jede Nacht 30, 40 entfernen“, sagte Itamar Ben-Gvir in einem Podcast. Er beziehe sich dabei nicht nur auf militante Palästinenser, die eine unmittelbare Gefahr darstellten, sagte er. Es gebe im Gazastreifen Menschen, die es nicht verdient hätten, zu leben. Der Minister äußerte sich im Podcast der ehemaligen Hamas-Geisel Rom Braslavski. Die beiden sprachen darüber, wie Israel sich vom Terrorangriff am 7. Oktober 2023 erholt habe, als Ben-Gvir den Rückgang israelischer Angriffe im Gazastreifen kritisierte. „Es ist kein Geheimnis, dass ich mit dem Ministerpräsidenten nicht einer Meinung bin“, sagte er. Ben-Gvir kritisiert Rückgang der Angriffe auf den Gazastreifen Trotz des Waffenstillstands greift Israel immer wieder Ziele im Gazastreifen an. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen sind seit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens im Oktober mehr als 1250 Menschen ums Leben gekommen. Das israelische Militär gibt an, die Angriffe richteten sich gegen die Hamas. Israelische Medien berichteten vergangene Woche, dass die Befugnis zur Durchführung von Angriffen nun auf den Generalstabschef der Armee beschränkt worden sei, was den Protest rechtsgerichteter Abgeordneter wie Ben-Gvir hervorrief. Trumps Vorschlag für ein Ende des Gazakriegs sieht vor, dass die Hamas schrittweise ihre Waffen abgibt, während die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe einstellen und mit dem Rückzug aus dem Gazastreifen beginnen. Die Hamas akzeptierte das Abkommen, knüpfte jedoch die Übergabe ihrer schwersten Waffen an die Schaffung eines glaubwürdigen Weges zu palästinensischer Selbstbestimmung und Staatlichkeit. Die israelische Regierung lehnt das entschieden ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Israel werde sich von keiner seiner Stellungen im Gazastreifen zurückziehen, bis die Hamas vollständig entwaffnet sei. „Ich betrachte den gesamten Gazastreifen als unser Eigentum“ Im Podcast sprach sich der Minister zudem für eine Vertreibung der Palästinenser aus dem Gazastreifen sowie für die Wiederbesiedlung des Gazastreifens durch Israel aus. „Ich betrachte den gesamten Gazastreifen als unser Eigentum“, sagte Ben-Gvir. Ben-Gvir ist für seine scharfen Äußerungen gegenüber Palästinensern bekannt. Zuvor hatte er sich damit gerühmt, die Lebensmittelrationen für palästinensische Gefangene gekürzt zu haben. Zuletzt erregte Ben-Gvir Aufsehen, als er im Mai ein Video veröffentlichte, in dem er Aktivisten einer Gaza-Flotille verhöhnte. Regierungen weltweit zeigten sich empört. So läuft in Italien ein Strafverfahren gegen ihn, Irland hat Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich die Einreise untersagt.