Es ist noch nicht lange her, dass die Bundesbank große Sympathie für ihre 1972 bezogene Zentrale an der Wilhelm-Epstein-Straße zeigte. „Die Bundesbank fühlt sich ihrem denkmalgeschützten Traditionshaus verbunden“, wurde Präsident Joachim Nagel im Mai 2024 in einer Mitteilung zitiert. Mit der Verbundenheit ist es mittlerweile vorbei, in dieser Woche verkündete Nagel, dass die Notenbank nicht in das alte Hauptgebäude im Schatten des Fernmeldeturms zurückkehren wird. Dieses soll vielmehr verkauft werden. Dabei wurde schon ein hoher Betrag in die Sanierung des mit Schadstoffen belasteten Betongebäudes gesteckt. Nagel nannte eine Summe von 168 Millionen Euro. Darin enthalten sind aber auch die Kosten für die Planung der 2023 aufgegebenen Erweiterungsbauten. Erschwert wurden die Arbeiten durch die Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege, das Gebäude unter Schutz zu stellen; die Bundesbank wurde davon im Mai 2022 überrascht. Im Gegensatz zu anderen Denkmälern findet sich zur Bundesbank im hessischen Denkmalverzeichnis eine ausführliche Begründung des baukulturellen Werts. Demnach gilt der 1965 bis 1972 nach Plänen des renommierten Frankfurter Büros ABB errichtete Großbaukörper mit 217 Meter Länge, 54 Meter Höhe und 17 Meter Tiefe als „Sinnbild für die Stabilitätskultur der Bundesrepublik“. Die Ansiedlung der „Bank aller Banken“ sei ausschlaggebend gewesen für den bis heute anhaltenden Hochhaus-Boom in Frankfurt. „Die skulpturale Hochhausscheibe der Deutschen Bundesbank mit ihrer einzigartig hochwertigen, als Gesamtkunstwerk konzipierten, künstlerischen Ausstattung zählt zu den eindrucksvollsten und besterhaltenen Großbauten der Spätmoderne in Deutschland“, heißt es in der Begründung. Es handle sich um ein „historisches Denkmal von allererstem Rang für die Geschichte der Bundesrepublik und der Demokratie“. Geschützte Wandverkleidung aus Marmor Das äußere Erscheinungsbild müsse unverändert bleiben, so die Auflage der Denkmalpflege. Im Inneren stehen die Vorstandsetage im zwölften und die Konferenzräume im 13. Obergeschoss unter Schutz. Die Wandverkleidung aus Marmor muss ebenso erhalten werden wie die damals besonders innovativen Klimaleuchten, die nicht nur Licht in die Räume bringen, sondern auch kühle Luft. Eine Umnutzung des Gebäudes, in dem nach den Plänen der Stadt Frankfurt unter anderem die Europäische Schule unterkommen soll, wird durch den Denkmalschutz nicht unmöglich, aber auch nicht vereinfacht. „Der Denkmalschutz gilt auch für die Stadt Frankfurt“, sagte Nagel bei der Vorstellung der Verkaufspläne. Abgerissen werden kann das Gebäude nur mit einer Ausnahmegenehmigung. Diese wird in der Regel nur erteilt, wenn der Erhalt dem Eigentümer nicht zuzumuten ist. Laut Nagel ist es aber möglich, dass sich eine andere Nutzung des Geländes bei weniger strengen Sicherheitsanforderungen für einen neuen Eigentümer wirtschaftlich besser darstellt als für die Bundesbank. Zur Ermittlung des Kaufpreises soll ein Wertgutachten in Auftrag gegeben werden. Die Krise auf dem Immobilienmarkt – 2025 wurden in Frankfurt so wenige Grundstücke und Gebäude gehandelt wie seit Jahren nicht – könnte der Stadt in diesem Fall zugutekommen. Nur einen Tag nach der Verkündung der Verkaufspläne durch die Bundesbank veröffentlichte der Gutachterausschuss für Grundstückswerte neue Bodenrichtwerte. Demnach ist der Bodenpreis für das Bundesbank-Areal gegenüber dem vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken, von 840 Euro je Quadratmeter auf 670 Euro. Es gibt noch einen zweiten Aspekt, bei dem die Bundesbank ihre Haltung geändert hat. Vor zwei Jahren begründete sie ihre Entscheidung, auf Neubauten neben dem Hauptgebäude zu verzichten, unter anderem mit dem Klimaschutz. „Als öffentliche Institution wollen wir hier ein Zeichen setzen“, sagte damals Stephan Bredt, der als Chief Operating Officer jetzt nach einem neuen Standort sucht. Dafür wolle die Bundesbank ein kernsaniertes Gebäude kaufen – oder einen Neubau, sagte Nagel in dieser Woche. Zudem gab er weitere Hinweise auf den künftigen Standort: Dieser solle möglichst in der Nähe der Hauptverwaltung der Bundesbank an der Taunusanlage liegen, um Synergien zu nutzen. Außerdem wolle man möglichst vom derzeitigen Übergangsquartier im Frankfurter Büro Center (FBC) ohne weitere Zwischenmiete in die neue Zentrale ziehen. Der Vertrag im FBC läuft bis Ende 2028, eine Verlängerung ist laut Nagel aber möglich. Benötigt werde eine Fläche von mindestens 50.000 Quadratmetern. Berücksichtigt man diese Rahmenbedingungen, kommen nicht viele Immobilien infrage. Das zuletzt immer wieder genannte Trianon-Hochhaus an der Mainzer Landstraße, in dem die Bundesbank schon einige Etagen gemietet hat, müsste erst noch saniert werden; einen Zeitplan dafür gibt es bisher nicht. Das gilt auch für den zuletzt von der Bankenaufsicht der EZB genutzten Eurotower am Willy-Brandt-Platz. Konkreter sind die Pläne für zwei neue Hochhäuser in unmittelbarer Nähe zur Taunusanlage. Der Turm „Gloria“ neben dem früheren Sitz der EZB an der Kaiserstraße soll 2031 fertig werden, mit dem Bau des Hochhauses Gallusanlage 8 soll 2029 begonnen werden. Dieses Hochhaus wäre mit 170 Metern etwas niedriger als der 185 Meter hohe EZB-Tower im Ostend, das „Gloria“ hingegen zehn Meter höher. Doch ein solcher Wettstreit, versicherte Nagel, spiele in den Überlegungen der Bundesbank keine Rolle.
