FAZ 02.10.2026
09:09 Uhr

Wohnungsmangel: Von Berlin bis Madrid


Eine Zwangsräumung in Madrid mobilisiert Proteste gegen steigende Mieten. In Berlin hat das den Wahlkampf bestimmt. Doch es braucht vor allem mehr Wohnraum.

Wohnungsmangel: Von Berlin bis Madrid

Über steigende Mieten ärgern sich manche Großstadtbewohner. Für María del Carmen Abascal führten deutliche Preiserhöhungen erst zu einem Rechtsstreit, dann zur Zwangsräumung. Die 87 Jahre alte Mieterin wurde damit zu einem Symbol für die Folgen teurer Wohnkosten in Madrid. 25.000 Menschen protestierten am Wochenende gegen die Zwangsräumung und forderten die Enteignung des Immobilienunternehmens Urbagestión, dem die Wohnung gehört. Das klingt nicht so weit entfernt von Berlin. Auch in der Bundeshauptstadt ertönen Rufe nach Enteignungen von Wohnungsbeständen aus zahlreichen Kehlen. Die Linkspartei ist mit dieser Forderung gerade zur stärksten Kraft im Abgeordnetenhaus geworden. Die Vergesellschaftung von Mietwohnungen hängt nun davon ab, ob und worauf sich die Linkspartei mit Grünen und SPD einigen wird. Der Ärger über hohe Wohnkosten lässt sich kaum ignorieren. Die spanische Regierung will Kündigungen und Zwangsräumungen erschweren und Zimmervermietungen stärker regulieren. In Deutschland greift die Politik schon bisher mit der Mietpreisbremse und Begrenzungen für möblierte Wohnungen ein. Besser wäre es, das Angebot deutlich zu vergrößern. Gegen den Mangel an Wohnraum helfen Nachverdichtungen und Neubauten. Dafür sollten Vermieter und Mieter nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es braucht privates Kapital. In Madrid hat sich Abascals Anwältin inzwischen mit dem Immobilieneigentümer geeinigt: Die Rentnerin kann in die Wohnung zurückkehren.