FAZ 02.10.2026
15:13 Uhr

Vor Hinrichtung: Papst soll sich für Christa Pike eingesetzt haben


Der Papst wollte offenbar erreichen, dass die Hinrichtung ausgesetzt wird. Pike befindet sich derweil in einem kritischen Zustand, nachdem sie zwei Giftspritzen überlebt hat.

Vor Hinrichtung: Papst soll sich für Christa Pike eingesetzt haben

Papst Leo XIV. hat sich einem italienischen Medienbericht zufolge für die Aussetzung der Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike aus den USA eingesetzt. Der Vatikan habe darum bereits vor dem gescheiterten Hinrichtungsversuch gebeten, berichtete die Zeitung „La Repubblica“. Eine Antwort habe der Heilige Stuhl allerdings nicht erhalten, hieß es weiter. Eine Bestätigung des Berichts aus dem Vatikan gab es zunächst nicht. Der Vatikan lehnt die Todesstrafe ab. Leo, der erste Papst aus den USA, forderte schon in der Vergangenheit die weltweite Abschaffung der Todesstrafe. Pikes Hinrichtung hatte in der Nacht zum Donnerstag abgebrochen werden müssen. Die Todeskandidatin überlebte zwei Giftspritzen. Sie befindet sich in einem kritischen Zustand und hat womöglich Hirnverletzungen erlitten. Wie ihre Anwälte mitteilten, liegt die Fünfzigjährige in einem Krankenhaus in Nashville im Südstaat Tennessee, wo sie „lebenserhaltend medizinisch“ behandelt werde. Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte die Vollstreckung des Todesurteils sowie alle weiteren Hinrichtungen des Bundesstaates bis Ende des Jahres vorerst aus. Pikes Anwälte beantragten derweil die Umwandlung der Todesstrafe ihrer Mandantin in lebenslange Haft. Laut Pikes Anwalt Randall Spivey waren Pike im Exekutionsraum mindestens sieben Injektionsnadeln gesetzt worden. In Tennessee wird bei Hinrichtungen das Barbiturat Pentobarbital eingesetzt. Bei dem Versuch, eine Vene zu treffen, sei eine der Nadeln in Pikes linkem Arm verbogen worden. Spivey berichtete zudem, dass der rechte Arm seiner Mandantin sich nach der zweiten Dosis des Medikaments blau verfärbt habe. Pike soll immer wieder über Schmerzen geklagt haben Wie Augenzeugen in den Stunden nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung sagten, hatte Pike auf der Hinrichtungstrage während der mehr als 60 Minuten langen Prozedur wiederholt über Druck und Schmerzen in den Armen geklagt. Als auch die zweite Giftspritze nicht zum Atemstillstand führte, brach die Leitung des Gefängnisses Riverbend die Hinrichtung ab. Das vertrauliche Protokoll für Exekutionen in Tennessee sieht angeblich nur zwei Versuche vor. Pike war 1996 wegen der brutalen Ermordung ihrer Mitschülerin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie hatte wiederholt beantragt, nicht durch die Giftspritze hingerichtet zu werden. Sie soll unter Gefäßerkrankungen und Thrombozytose, einer krankhaft erhöhten Zahl von Blutplättchen, leiden, die Injektion und Wirkung des Giftes erschwerten. In der Vergangenheit verlangte Pike daher eine Hinrichtung durch Erhängen oder auf dem sogenannten elektrischen Stuhl. Die Gesetze des Bundesstaates Tennessee sehen aber „lethal injection“ mit Pentobarbital als Hinrichtungsmethode vor. Elektrokution, der Tod durch elektrischen Strom, wird nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.