Die Industrie-Kreditbank, besser bekannt unter ihrem Kürzel IKB, war die erste deutsche Bank, die in der vor zwanzig Jahren sich anbahnenden Finanzkrise in Schieflage geriet. Die IKB galt damals als grundsolide, zahlte ihren Aktionären eine hohe Dividende, und ihre Aktie gehörte im M-Dax zu den Titeln mit den geringsten Kursschwankungen. Doch die IKB hatte auch einige Milliarden Euro am amerikanischen Immobilienmarkt in Krediten an schwache Schuldner („Subprime“) vergeben, die im Zentrum der Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 führten. Zu diesem Zeitpunkt war die IKB längst gekippt und schon von Juli 2007 an aufgefangen worden, mit einem Rettungspaket von fast 10 Milliarden Euro, gestemmt unter anderem von der staatlichen Förderbank KfW. Die KfW reichte die IKB dann im August 2008 an die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star für einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ weiter, wie es damals hieß. IKB-Chef Stefan Ortseifen wurde anschließend zu einem der bekanntesten Gesichter der Finanzkrise. Das Landgericht Düsseldorf verurteilte ihn wegen vorsätzlicher Marktmanipulation 2010 zu zehn Monaten Haft auf Bewährung. Ortseifen hatte noch im Juli 2007 in einer Pressemitteilung nach Ansicht des Gerichts die Risiken der IKB allzu sehr beschönigt. Seitdem hat sich bei der IKB im Eigentümerkreis wenig getan: Lone Star hat, ungewöhnlich für einen Finanzinvestor, auch nach achtzehn Jahren noch gut 90 Prozent der IKB-Anteile. Eine Reihe von Banken war an dem Mittelstandsfinanzierer immer mal wieder interessiert, etwa BNP Paribas. Zuletzt wurde der ebenfalls französische Finanzkonzern Crédit Agricole in Finanzkreisen als Interessent für die IKB genannt. Der Crédit Agricole expandiert in Deutschland gerade mit Sparangeboten für Privatkunden und mit seiner Fondsgesellschaft Amundi, hat aber auch ein nicht unbedeutendes Firmenkunden- und Investmentgeschäft. Ob Crédit Agricole noch an der IKB interessiert sei, auf diese Frage erhielt die F.A.Z. am Mittwoch in Frankfurt von Crédit Agricole nur die Antwort: „Kein Kommentar.“ Das könnte dafür sprechen, dass gerade ein Bieterwettkampf um die lange unverkäufliche IKB entbrannt ist. Helaba bietet wohl rund 600 Millionen Euro für IKB Denn wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet und wie der F.A.Z. in Finanzkreisen bestätigt wird, bereitet auch der Vorstand der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ein Angebot im Volumen von rund 600 Millionen Euro für die IKB vor. Damit würde die IKB, die derzeit knapp 600 Leute beschäftigt und deren Bilanzsumme von 16 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 13,6 Milliarden Euro zum Ende des ersten Halbjahres 2026 geschrumpft ist, unter dem bilanziellen Buchwert des Eigenkapitals von 958 Millionen Euro bewertet. Das mag daran liegen, dass die IKB mit einem Halbjahresgewinn von 36 Millionen Euro, der einer Eigenkapitalrendite von knapp 11 Prozent entspricht, zwar profitabel ist, aber auch nach den vielen Jahren im Besitz von Lone Star aufgezehrt wirkt. Zuletzt gönnte sich der Finanzinvestor im März 2026 eine Sonderdividende von nahezu 200 Millionen Euro. Hessen und Sparkassen müssen noch zustimmen Das Interesse der Helaba an der IKB ist einerseits wenig überraschend, schließlich hat der Vorstandsvorsitzende Thomas Groß immer wieder seine Bereitschaft zu Zukäufen erklärt. Anderseits kommt der Zeitpunkt überraschend, schließlich wurde die Helaba im ersten Halbjahr 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt von ihren Risiken im Projekt- und Gewerbeimmobiliengeschäft eingeholt und musste einen Gewinnrückgang vor Steuern von 458 Millionen Euro auf 194 Millionen Euro verkraften. Gleichwohl ist Spielraum für Zukäufe vorhanden. Allerdings legten die Eigentümer, darunter das Land Hessen und die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, vor einem Jahr ihr Veto ein, als Helaba-Chef Groß den Immobilienfinanzierer Aareal kaufen wollte. Auch für ein Angebot für die IKB stehen dem Vernehmen nach noch Gremienbeschlüsse in der Helaba aus. Allerdings würde bei einem möglichen Zukauf mit der IKB nicht das Immobiliengeschäft gestärkt, sondern das Firmenkundengeschäft, in dem die Helaba zuletzt schon den größten Anteil ihres Neugeschäftes verzeichnete und in dem sie offenbar derzeit die größten Chancen sieht. Weniger bedeutsam wäre bei der IKB, anders als bei früheren Transaktionen der Helaba wie der Dexia und der DVB, der sogenannte Badwill, der bei einem Erwerb unter Buchwert zu einem schnellen Bilanzgewinn führen kann. Mit der IKB würde die Helaba vielmehr ihr Mittelstandsgeschäft, darunter auch das Fördergeschäft stärken.
