FAZ 11.09.2026
12:50 Uhr

Super-Sportwagen: Was Bugatti-Eigentümer Rimac zum Ausstieg von Porsche sagt


Für den Unternehmer Mate Rimac war die Zusammenarbeit mit Porsche entscheidend. Wie geht es für das neue Modell Tourbillon weiter?

Super-Sportwagen: Was Bugatti-Eigentümer Rimac zum Ausstieg von Porsche sagt

Porsche steigt beim kroatischen Sportwagenbauer und Zulieferer Rimac und bei Bugatti aus. Doch von Trennung oder gar Scheidung kann keine Rede sein. Das Ganze sei Teil einer strategischen Neuorientierung, aber keinesfalls ein unfreundlicher Akt, heißt es bei Porsche. Der Schritt, der nun vollzogen wurde, ist bereits im April dieses Jahres vereinbart worden: Porsche verkauft seine Minderheitsbeteiligung von 45 Prozent an Bugatti und von 20,6 Prozent an Rimac für rund 1 Milliarde Euro. Erwerber ist eine Investmentgesellschaft namens Hof Capital, hinter der die ägyptische Unternehmerfamilie Sawiris steht. Porsche hat seine Zukunftsstrategie geändert Porsche hatte früher den Plan, für elektrische Supersportwagen eng mit Rimac zusammenzuarbeiten. Die 2023 vorgestellte Studie Mission X war vollelektrisch. Für deren weitere Entwicklung wären auch die Erfahrungen von Rimac bei der Entwicklung des 2021 vorgestellten, 1400 kW oder 1900 PS starken Elektro-Sportwagens Nevera von Nutzen gewesen. Doch Porsche hat nun den Umstieg auf Elektroantrieb verlangsamt und will beim 911 auch in Zukunft weiter auf Verbrennertechnik setzen. Eine vertiefte Kooperation ist daher nicht mehr nötig, aber Porsche bezieht weiterhin Komponenten für den Hybridantrieb bestimmter 911-Modelle von Rimac. Für den sogenannten „T-Hybrid“ des 911 GTS baut Porsche die Batteriezellen, Rimac montiert weiterhin die Bauteile – einen in die Automatik eingefügten Elektromotor und eine leichte, leistungsfähige Batterie. „Wir haben die Beteiligungsverhältnisse bei weiter sehr guten Beziehungen getrennt, und ich glaube, dass die Transaktion für alle ein Gewinn ist – für Porsche, Bugatti-Rimac und auch für die neuen Teilhaber“, kommentiert Firmengründer Mate Rimac gegenüber der F.A.Z. Rimac werde weiter mit Porsche und anderen Teilen des Konzerns für vielerlei Projekte zusammenarbeiten. Rimac beeindruckte Porsche bei einer besonderen Herausforderung „Porsche war ein großartiger Partner für Rimac und für Bugatti in den vergangenen zehn Jahren“, zeigt sich Mate Rimac immer noch überschwänglich. Ohne die Investition von Porsche gäbe es die Firma Rimac nicht. Wenn Porsche ihm nicht Bugatti anvertraut hätte, gäbe es auch Bugatti nicht mehr. Der 38 Jahre alte Mate Rimac hatte unter anderem Erfahrungen gesammelt, als er mit 19 Jahren in einen alten BMW einen Elektromotor einbaute. 2009 gründete er seine Autofirma, die inzwischen durch seinen Supersportwagen Nevera und die Fertigung anderer Kleinserienrenner, etwa für Koenigsegg, bekannt geworden ist. Der Durchbruch kam aber mit Porsche: Die Stuttgarter waren aufmerksam geworden auf die 2011 vorgestellte Studie eines Supersportwagens. Nach drei Monaten hatten Mate Rimac und seine Mannschaft die elektrische Reichweite des Porsche verdoppelt. Dieser Leistungsbeweis sorgte dafür, dass Porsche entgegen sonstigen Prinzipien eine Minderheitsbeteiligung an Rimac erwarb. Als 2021 dann vom VW-Konzern Bugatti verkauft werden sollte, gab die Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Porsche Mate Rimac das Prestige, dass er die Mehrheit an Bugatti übernehmen durfte und Porsche wiederum in die Rolle des Minderheitsaktionärs schlüpfte. Sie überlegten eine Beteiligung und stellten die junge Firma vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe: Zwei Prototypen des Porsche Panamera Plug-in wurden nach Zagreb geliefert, ohne technische Baupläne. Einer davon als Referenzmodell, einer sollte nach Belieben verbessert werden. Nach drei Monaten hatten Mate Rimac und seine Mannschaft die elektrische Reichweite des Porsche verdoppelt. Dieser Leistungsbeweis sorgte dafür, dass Porsche entgegen sonstigen Prinzipien eine Minderheitsbeteiligung an Rimac erwarb. Als 2021 dann vom VW-Konzern Bugatti verkauft werden sollte, gab die Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Porsche Mate Rimac das Prestige, dass er die Mehrheit an Bugatti übernehmen durfte und Porsche wiederum in die Rolle des Minderheitsaktionärs schlüpfte. Lange Diskussionen um die Zukunft von Bugatti Um die Zukunft von Bugatti gab es später offenbar lange Diskussionen: Porsche wollte eine schnelle Elektrifizierung. Rimac hatte ja schon einen – nicht besonders nachgefragten – elektrischen Supersportwagen, wollte auf Hybrid setzen und behielt damit später recht. Bugatti habe die Wende geschafft, mit einem Betriebsergebnis von 200 Millionen Euro für 2025, sagt Mate Rimac. Die Bugatti-Produktion sei bis Ende des Jahrzehnts ausverkauft. Die aktuelle Aufgabe sei der Produktionsstart des neuen Modells Tourbillon, des ersten auf einer neuen Plattform, nachdem bisher für mehr als 20 Jahre eine Plattform von Volkswagen benutzt wurde. Das neue Modell wurde nun ohne Beteiligung von Volkswagen entwickelt, mit Motor von Cosworth und 1800 PS (1324 kW). „Die Herausforderung ist die Ausführung der Pläne mit der unglaublichen Komplexität unserer Produkte, die mit der erwarteten Bugatti-Qualität geliefert werden müssen.“