FAZ 15.03.2026
13:31 Uhr

Streit mit LIV-Serie im Golf: Warum die PGA-Tour lieber auf ihre eigene Stärke schaut


Die Golfwelt ist gespalten. Wie kompliziert die Konkurrenz zwischen PGA Tour und LIV-Serie neuerdings ist, zeigt Brooks Koepkas Rückkehr. Auch die Players Championship spielt eine besondere Rolle.

Streit mit LIV-Serie im Golf: Warum die PGA-Tour lieber auf ihre eigene Stärke schaut

Die Players Championship hat viele Beinamen: Flaggschiff der PGA Tour, das Turnier mit dem stärksten Feld im Golf – und immer wieder: inoffizielles fünftes Major. Während auf dem Stadium Course des TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach (Florida) noch am Sonntag um Birdies, Bogeys und Millionen gespielt wurde, flammte diese Debatte abermals auf. Das Teilnehmerfeld rückte auch bei seiner 52. Austragung seit 1974 wieder nah an die vier Majors heran, mehr als jedes andere Turnier außerhalb der großen Vier. Doch die Players Championship ist in diesem Jahr mehr als nur ein weiteres Kapitel dieser alten Diskussion. Sie ist auch eine Bühne im fast vier Jahre alten Machtkampf zwischen der PGA Tour und der von Saudi-Arabien finanzierten LIV-Serie. Der neue Tour-Chef Brian Rolapp nutzte die Woche zu seiner ersten „State of the Tour“-Rede und machte deutlich, wohin die Reise gehen soll: kein Blick auf die Konkurrenz, mehr Konzentration auf die eigene Stärke der PGA Tour. Die neue Realität des geteilten Profigolfs Auch personell zeigt sich die neue Realität des geteilten Profigolfs. Der amerikanische fünfmalige Major-Sieger Brooks Koepka ist zur PGA Tour zurückgekehrt und stand im Feld der Players Championship (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Sein Landsmann Patrick Reed, der LIV ebenfalls zu Jahresbeginn verlassen hatte, fehlte dagegen. Der Masters-Champion von 2019 durfte trotz zweier Siege auf der DP World Tour und seines Aufstiegs auf Platz zwanzig der Weltrangliste nicht mitspielen. Er kann wohl erst von August an wieder auf der PGA Tour antreten, ein Jahr nach seinem letzten LIV-Auftritt. Koepkas Rückkehr gilt als eines der sichtbarsten Zeichen dafür, wie kompliziert der Wettbewerb zwischen den Touren geworden ist. Nach Angaben der PGA Tourt kostet ihn der Schritt zurück auf die PGA Tour viele Millionen. Unter anderem musste er auf Teile möglicher Bonuszahlungen verzichten. Gleichzeitig soll die PGA Tour einigen wenigen LIV-Stars – dem Spanier Jon Rahm, dem Amerikaner Bryson DeChambeau und dem Australier Cameron Smith – ebenfalls einen Weg zurück eröffnet haben. Doch bisher hat sich keiner dieser Major-Sieger zu einem möglich Umzug geäußert. Beide Touren versuchen, ihre Position zu festigen Während also zwei Stars zurück zur PGA Tour wechselten, gelang es LIV nur, mit dem Belgier Thomas Detry einen weniger bekannten Profi zu sich zu locken. Aber das belegt, dass beide Touren versuchen, ihre Position im Profisport zu festigen. Die Players Championship spielt dabei für die PGA Tour eine zentrale Rolle. Mit einem Gesamtpreisgeld von 25 Millionen Dollar und einer Siegerprämie von etwa 4,5 Millionen (umgerechnet 21,8 und 3,9 Millionen Euro) gilt das Turnier als das lukrativste im Golfsport. In der Weltrangliste nimmt es ebenfalls eine Sonderstellung ein. Während die vier Majors automatisch 100 Punkte für den Sieger vergeben, erhält der Gewinner der Players Championship 80 Punkte – der höchste Wert außerhalb der vier Saison-Höhepunkte. Auch die Feldstärke unterstreicht diese Stellung. Das aktuelle Field Rating liegt bei über 436 Punkten und bewegt sich damit auf einem Niveau, das mit den Majors vergleichbar ist. Bis auf LIV-Profis waren unter den 144 Teilnehmern die besten Spieler der Welt am Start, weil die Players Championship als wichtigstes Turnier der PGA Tour gilt. Das gleichzeitig ausgetragene LIV-Turnier (57 Teilnehmer) in Singapur kommt nur auf etwa ein Viertel dieses Wertes und der Sieger DeChambeau kassiert neben vier Millionen Dollar (3,49 Millionen Euro) nur zwanzig OWGR-Punkte. Blick auf die Zukunft Rolapp nutzte die Aufmerksamkeit der Turnierwoche in Florida, um einen Blick auf die Zukunft zu werfen. Diskutiert wird unter anderem ein System mit rund 21 bis 26 besonders hochklassigen Turnieren sowie ein klar definiertes Saisonfenster von Ende Januar bis Anfang September. Dabei betonte er mehrfach, dass er sich vor allem darauf konzentrieren wolle, die PGA Tour als Produkt zu stärken. Auffällig war jedoch, was er nicht sagte: Ein möglicher Zusammenschluss oder eine Einigung mit LIV Golf spielte in seiner Rede keine Rolle. Rolapp erwähnte weder konkrete Gespräche noch mögliche Verhandlungen mit den Investoren der LIV-Serie. Für viele Beobachter war das ein Hinweis darauf, dass sich die Tour derzeit stärker auf ihre eigene Entwicklung konzentriert, statt öffentlich über eine Wiedervereinigung des Profigolfs zu sprechen. Auch bei der immer wiederkehrenden Frage nach einem möglichen „fünften Major“ blieb Rolapp zurückhaltend. Die Entscheidung darüber liege nicht bei der PGA Tour, sagte er. Letztlich brauche die Players Championship diesen Status auch nicht. Eine ähnliche Haltung vertritt Titelverteidiger Rory McIlroy. Der Nordire gewann die Players Championship zweimal (2019 und 2025) und bezeichnet sie stets als eines der wichtigsten Turniere im Jahr. Gleichzeitig betont er, dass die vier Majors im Golfsport eine einzigartige historische Stellung haben und nicht erweitert werden sollten. So bekommt die alte Frage nach dem fünften Major eine neue Bedeutung. Vielleicht geht es weniger darum, den Status eines Turniers offiziell zu verändern. Vielmehr spiegelt die Players Championship den Versuch der PGA Tour wider, in einer gespaltenen Golfwelt weiterhin das Zentrum dieses Sports zu bleiben.