FAZ 15.09.2026
11:08 Uhr

Sanierung bis 2030: Alte Oper erneuert sich Schritt für Schritt


In der Alten Oper Frankfurt ist ein weiterer Sanierungsabschnitt fertiggestellt. Besucher können sich in den Wandelgängen über die bewegte Geschichte des Hauses informieren.

Sanierung bis 2030: Alte Oper erneuert sich Schritt für Schritt

Seit acht Jahren wird die Alte Oper umfassend saniert, doch die Besucher bekommen von den Arbeiten kaum etwas mit. Nach der sommerlichen Spielpause präsentiert sich das 1981 eröffnete Konzerthaus in jedem Jahr ein wenig schöner und trotz der knapp bemessenen Bauzeit ohne Einschränkungen im Spielbetrieb. Bis 2030 soll die Runderneuerung insgesamt noch dauern. „Die Alte Oper erneuert sich von innen heraus“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). In diesem Sommer wurden die Wandelgänge der Ebenen vier und fünf neu gestaltet. Sie präsentieren sich jetzt – wie schon die im vergangenen Jahr sanierten Ebenen zwei und drei – heller und einladender, unter anderem mit Sitzgelegenheiten in den Fensternischen. „Ein Wandelgang ist dafür da, dass sich Leute begegnen“, beschreibt der Architekt Nicolai Steinhauser die Idee hinter dem Gestaltungskonzept. „Uns ging es darum, die Aufenthaltsqualität zu verbessern.“ Für Besucher nicht sichtbar ist die Erneuerung der Technik im Hintergrund. Die Neugestaltung betrifft aber nicht nur die Architektur. Dank der finanziellen Unterstützung von Stiftungen war die Alte Oper in der Lage, eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses zu installieren, die von der Journalistin und Historikerin Karen Allihn zusammengestellt wurde. „Junge Menschen wissen ja gar nicht, warum das Haus Alte Oper heißt“, begründete Intendant Markus Fein den Wunsch nach einer für alle einsehbaren Chronik. Geburtstagskanon erstmals zu hören Historische Wissenslücken können jetzt an großen Bildschirmen auf Ebene fünf geschlossen werden. Dort erfährt man zum Beispiel, dass die Frankfurter Oper in den Zwanzigerjahren eine der innovativsten Bühnen Europas war. Als Tondokument anzuhören ist ein Kanon, den Alban Berg zum 50. Geburtstag des Opernhauses 1930 komponiert hat. Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst haben das Werk erstmals aufgenommen. Auch der dunklen Zeit des Nationalsozialismus ist ein Kapitel gewidmet; man erfährt zum Beispiel, dass die jüdische Opernsängerin Magda Spiegel von den Nazis ermordet wurde. Zum Wiederaufbau kommen Zeitzeugen zu Wort. Besucher erfahren auch, dass die Pegasus-Figur 1981 von der Volksschauspielerin Liesel Christ mit Apfelwein getauft wurde, bevor sie auf das Dach gehievt wurde. Auf Ebene vier gewährt die Alte Oper Einblicke in einen besonderen Schatz. Tausende von Künstlern haben sich nach ihrem Gastspiel in die Gästebücher eingetragen, 50 Einträge – von Herbert von Karajan bis Udo Lindenberg – wurden ausgewählt und können an Bildschirmen abgerufen werden. Der Liedermacher Heinz Rudolf Kunze zum Beispiel verewigte sich 1983 mit diesen Worten: „Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde, aber Frankfurt bellt.“ In der Alten Oper läuft jetzt erst einmal der normale Spielbetrieb weiter. Architekten und Handwerker rücken im nächsten Sommer wieder an. Nach der Spielpause soll dann der runderneuerte Mozartsaal wiedereröffnet werden.