Argentinien muss ein von den Nationalsozialisten von einem niederländisch-jüdischen Kunstsammler gestohlenes Gemälde aus dem 18. Jahrhundert an die Erbin des rechtmäßigen Eigentümers zurückgeben. Es werde angeordnet, dass das Gemälde an die Erbin des Kunsthändlers Jacques Goudstikker zurückgegeben wird, erklärte Richter Santiago Inchausti am Freitag nach einer Einigung zwischen den betroffenen Parteien. Das „Porträt einer Dame“ des Malers Giacomo Ceruti (1698 bis 1767), als dessen Urheber zunächst Giuseppe Ghislandi angegeben wurde, galt acht Jahrzehnte als verschollen. Im vergangenen Jahr war es schließlich in einer argentinischen Immobilienanzeige aufgetaucht. Es hing in der Wohnung von Patricia Kadgien, der Tochter eines NS-Offiziers, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien geflohen war. Patricia Kadgien und ihr Ehemann erklärten sich bei der Gerichtsanhörung am Freitag bereit, das Gemälde an Goudstikkers Schwiegertochter und Alleinerbin Marei von Saher zurückzugeben und umgerechnet rund 2750 Euro an örtliche Krankenhäuser zu spenden. „Porträt einer Dame“ war eines von mehr als 1000 Kunstwerken, die nach dem Einmarsch der Nazis in die Niederlande im Jahr 1940 aus Goudstikkers Sammlung gestohlen wurden. Goudstikker floh wenige Tage nach der Invasion aus dem Land und ließ eine Vielzahl von Werken zurück, die von hochrangigen deutschen NS-Vertretern unter sich aufgeteilt wurden. Nach dem Krieg erhielt der niederländische Staat rund 300 Werke aus der Sammlung zurück. Die meisten von ihnen wurden später an Goudstikkers Erben zurückgegeben.
