Dass sie sich beworben hat, war bekannt, jetzt ist offenbar die Entscheidung gefallen: Isabel Schnabel, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), wechselt zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington. Sie wird dort Leiterin der Abteilung „Märkte“, die seit dem 1. September vakant ist. Bislang hatte den wichtigen Posten der gebürtige Kronberger Tobias Adrian inne, ein Spezialist für Finanzmarktstabilität. Adrian wiederum gehört zu den möglichen Kandidaten für die Nachfolge von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, der im Mai nächsten Jahres ausscheidet. Diese Entscheidung dürfte von der Politik aber in einem Paket mit der Nachfolge für EZB-Präsidentin Christine Lagarde getroffen werden. Die Amtszeit Lagardes dauert offiziell noch bis Oktober nächsten Jahres, es wird aber allgemein erwartet, dass sie noch vor den Wahlen in Frankreich im April nächsten Jahres aufhört. Als aussichtsreiche Kandidaten für die Lagarde-Nachfolge gelten die früheren niederländischen und spanischen Notenbankchefs Klaas Knot und Pablo Hernández de Cos. Für Hernández de Cos, derzeit Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, sprach sich am Mittwoch auch der spanische Ministerpräsident in einem Interview mit Bloomberg TV aus. „Keine Karenzzeit erforderlich“ EZB und IWF teilten am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit, dass Schnabel EZB-Präsidentin Lagarde angekündigt habe, dass sie ihr Amt zum 3. Januar 2027 niederlegen werde. Kristalina Georgieva, die geschäftsführende Direktorin des IWF, werde Schnabel mit Wirkung zum 4. Januar 2027 zur Finanzberaterin des Fonds und zur Direktorin der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte ernennen. Bis dahin werde Schnabel in ihrer derzeitigen Position verbleiben und ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen. Auf der Grundlage einer Stellungnahme des Ethikausschusses habe der EZB-Rat beschlossen, dass keine Karenzzeit erforderlich sei, hieß es. Schnabel werde für die verbleibende Dauer ihrer Amtszeit bei der EZB nicht an Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem IWF beteiligt sein. Lagarde dankte Schnabel: „Isabel hat eine Schlüsselrolle bei der Entschlossenheit der EZB gespielt, die Inflation auf unserem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent zu stabilisieren, und hat enorm zur Modernisierung der Geschäftstätigkeit der EZB beigetragen.“ Schnabel, Jahrgang 1971, war vor ihrer Zeit bei der EZB Wirtschaftsprofessorin in Bonn. Von 2014 bis 2019 war sie zudem Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“). Ihre Forschungsgebiete sind unter anderem Finanzkrisen und das Bankenwesen. Schnabel sprach sich öfters für Zinserhöhungen aus In der EZB fiel sie immer wieder durch Grundsatzreden zu ökonomischen Themen auf. Geldpolitisch galt sie anfangs als „Taube“, also als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik, wandelte sich aber nach Einschätzung von Beobachtern spätestens seit dem Ausscheiden des österreichischen Notenbankchefs Robert Holzmann zum entschiedensten „Falken“, also Vertreter einer straffen Geldpolitik, im EZB-Rat. In einem Interview hatte sie gesagt, wenn sie gefragt werde, könne sie sich auch vorstellen, EZB-Präsidentin zu werden. Zuletzt hatte es auch schon Spekulationen gegeben, wer Schnabels Nachfolger bei der EZB werden könnte. Das „Handelsblatt“ hatte das Gedankenspiel öffentlich gemacht, dass Bundesbankpräsident Joachim Nagel das werden könnte. EZB-Beobachter hatten daran allerdings Zweifel geäußert. Nagel war wiederholt als möglicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsidentin Lagarde genannt worden. Man sagt in Berlin, er habe die Unterstützung von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sehe aber keine Chance, für diesen Posten einen deutschen Kandidaten durchzusetzen, solange mit Ursula von der Leyen (CDU) eine Deutsche EU-Kommissionspräsidentin sei. Ein Nachfolger für Schnabel werde vom Europäischen Rat gemäß dem im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegten Verfahren ernannt, ließ die EZB wissen: „Falls erforderlich, werden die Aufgaben von Frau Schnabel im Direktorium nach ihrem Ausscheiden vorübergehend auf die verbleibenden Mitglieder des Direktoriums verteilt.“
