FAZ 22.09.2026
00:58 Uhr

Neuer Hollywood-Koloss: Paramount ist fast am Ziel


Der Unterhaltungskonzern legt eine Klage von US-Bundesstaaten bei und hat damit das letzte größere Hindernis für die Übernahme von Warner aus dem Weg geräumt. Der Zusammenschluss hat reichlich politischen Zündstoff.

Neuer Hollywood-Koloss: Paramount ist fast am Ziel

David Ellison hat es fast geschafft. Der von ihm geführte Unterhaltungskonzern Paramount Skydance hat am Montag eine Kartellklage von zwölf amerikanischen Bundesstaaten mit einem Vergleich beigelegt. Die Bundesstaaten, deren Regierungen allesamt von der Demokratischen Partei kontrolliert werden, wollten mit dieser Klage die im Februar vereinbarte Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount verhindern. Der Vergleich räumt nun das letzte größere Hindernis für diese Transaktion aus dem Weg. Ellison schrieb in einer Nachricht an seine Mitarbeiter, er plane, die Übernahme in etwa zwei Wochen zu vollziehen. Damit wird nun wohl bald ein neuer Hollywood-Koloss entstehen, und der 43 Jahre alte Ellison setzt seinen rasanten Aufstieg zu einem Schwergewicht in der Unterhaltungsindustrie fort. Paramount entstand in seiner heutigen Form erst vor etwas mehr als einem Jahr, als das von Ellison geführte Filmstudio Skydance den viel größeren Wettbewerber Paramount kaufte. Bei der Finanzierung half maßgeblich Ellisons Vater Larry, der Mitgründer des Softwarekonzerns Oracle und einer der reichsten Menschen der Welt. Ihm gehören heute nach Angaben der Zeitschrift „Forbes“ fast 50 Prozent der Anteile an Paramount Skydance. Auch bei der Übernahme von Warner spielt Larry Ellison eine größere Rolle, er hat eine persönliche Garantie für den Eigenkapitalanteil der Transaktion gegeben. Paramount will 81 Milliarden Dollar für Warner zahlen. Bieterkampf mit Netflix Auch die Börse geht nun offenbar davon aus, dass die Übernahme zustande kommt. Der Aktienkurs von Warner stieg am Montag um 11 Prozent auf 30,80 Dollar und notiert damit fast auf Höhe des mit Paramount vereinbarten Kaufpreises von 31 Dollar. Der Vergleich bedarf noch einer richterlichen Genehmigung. Sollte die Transaktion nun tatsächlich vollzogen werden, würden zwei bedeutende Unterhaltungskonglomerate zusammenkommen. Zu Paramount gehören neben den gleichnamigen Filmstudios Fernsehsender wie CBS, MTV und Nickelodeon. Unter dem Dach von Warner sind neben den Warner-Filmstudios Fernsehsender wie CNN und HBO. Beide Unternehmen haben außerdem Streamingdienste, die mit dem Marktführer Netflix konkurrieren. Schon vor der Kartellklage hatte David Ellison mit seinem Vorhaben, Warner zu kaufen, einige Widerstände zu überwinden. Er lieferte sich einen mehrmonatigen Bieterkampf mit Netflix. Der Streamingdienst hatte im vergangenen Dezember eigentlich schon die Übernahme von Warner vereinbart. Dann funkte Paramount mit einem Gegenangebot dazwischen, blitzte damit aber zunächst noch ab. Im Februar erhöhte Paramount sein Angebot, und Netflix zog sich aus dem Rennen zurück. Damit war der Weg für Ellison frei. Zunächst schien auch die kartellrechtliche Prüfung der Übernahme in seinem Sinne zu verlaufen. Das US-Justizministerium und auch Kartellbehörden in anderen Regionen der Welt wie der EU genehmigten das Vorhaben. Im Juli reichten dann aber die US-Bundesstaaten ihre Klage ein und brachten die Akquisition somit wieder ins Wanken. Larry und David Ellison pflegen gute Verbindungen zu Donald Trump Der sich nun abzeichnende Zusammenschluss von Paramount und Warner hat eine politische Dimension. Larry Ellison hat seit einiger Zeit gute Verbindungen zu Donald Trump, und auch sein Sohn David hat zuletzt intensiv Kontakt mit dem US-Präsidenten gepflegt. Viele Beobachter meinen, CBS sei nach dem Verkauf von Paramount an Skydance in seinen Nachrichtensendungen Trump-freundlicher geworden. Umso mehr gibt es Mutmaßungen, dass auch CNN nach einem Verkauf von Warner an Paramount eine Trump-freundlichere Linie einschlagen könnte. Das „Wall Street Journal“ berichtete im Dezember, David Ellison habe Trump zugesichert, er werde größere Veränderungen bei CNN durchsetzen. Trump wiederum hat gesagt, er werde persönlich in die kartellrechtliche Prüfung eines Warner-Verkaufs eingebunden sein. Trump hat sich oft über die Berichterstattung auf CNN geärgert. CNN gehört neben dem Fernsehsender MS NOW und der Onlinepublikation Politico auch zu einer Gruppe von Medienorganisationen, denen Trump einer Ankündigung vom Freitag zufolge künftig keinen Zugang mehr zum Weißen Haus gewähren will. Die drei Medienhäuser haben dagegen am Montag eine Klage eingereicht. Gremium für „redaktionelle Unabhängigkeit“ Der nun mit den von Demokraten regierten Bundesstaaten geschlossene Vergleich adressiert diese Bedenken. Teil der Vereinbarung ist es, dass Paramount ein Gremium einrichtet, das die „redaktionelle Unabhängigkeit“ von CBS und CNN gewährleisten soll. Es soll aus fünf Journalisten bestehen, von denen jeweils höchstens zwei der gleichen politischen Partei zuzuordnen sein dürfen. Paramount hat in dem Vergleich einige andere Zusagen gemacht: Das Unternehmen verspricht, in den nächsten fünf Jahren jeweils mindestens 30 Filme herauszubringen und insgesamt 1,5 Milliarden Dollar zusätzlich für die Filmproduktion in den USA auszugeben. Außerdem sagt es zu, die beiden Filmstudios von Paramount und Warner in Kalifornien zu erhalten. Größere strukturelle Zugeständnisse wie den Verkauf von Unternehmensteilen musste Paramount indessen nicht machen. David Ellison schrieb in seiner Nachricht an die Mitarbeiter, sein Ziel sei es, mit der Fusion „ein stärkeres Hollywood“ zu schaffen. Unter Zeitdruck Für Ellison drängte die Zeit. Paramount hat sich in der Übernahmevereinbarung bereit erklärt, vom 1. Oktober an eine Strafgebühr von sieben Millionen Dollar am Tag zu zahlen, solange die Transaktion nicht vollzogen ist. In den vergangenen Wochen hat das Unternehmen mit seinem Wegzug aus Kalifornien gedroht, falls der Kartellstreit nicht beigelegt werden kann. Für die ohnehin schon mit Schwierigkeiten kämpfende Unterhaltungsindustrie in dem Bundesstaat wäre das ein enormer Verlust. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge hat Gouverneur Gavin Newsom von den Demokraten dem Generalstaatsanwalt Rob Bonta nahegelegt, einen Vergleich mit Paramount zu schließen. Bonta sagte am Montag, der Vergleich solle nicht als Unterstützung des Fusionsvorhabens gewertet werden. Aber die Kartellbedenken seien damit beseitigt. Neben den Bundesstaaten hat Paramount am Montag auch eine ähnliche Klage einer Gewerkschaft von Drehbuchautoren mit einem Vergleich beigelegt. Die Vereinbarung zwischen Paramount und den Bundesstaaten stieß nicht nur auf Zustimmung. Kritik kam zum Beispiel von der Organisation Free Press, die gegen Konsolidierung in der Medienindustrie kämpft. Deren Ko-Vorstandsvorsitzende Jessica González nannte den Vergleich eine „Kapitulation“. Die Zugeständnisse, die Paramount gemacht habe, seien „geringfügig“ und „nicht durchsetzbar“. Auch William Tong, der Generalstaatsanwalt von Connecticut, zeigte sich unzufrieden, obwohl sein Bundesstaat dem Vergleich zugestimmt hat. Er sagte, er habe „aggressiv“ dafür gekämpft, Paramount zur Trennung von CNN und CBS zu zwingen, und er sei „zutiefst enttäuscht“, nicht mehr erreicht zu haben. Den Bundesstaaten seien ein Stück weit die Hände gebunden gewesen, weil die Bundesregierung die Übernahme widerstandslos akzeptiert habe. Paramount bekam erst in der vergangenen Woche weitere gute Nachrichten von der US-Regierung. Die Telekommunikationsbehörde FCC genehmigte Investitionen von Staatsfonds aus Saudi-Arabien, Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Paramount im Zuge der Warner-Übernahme. Diese Staatsfonds wollen einen erheblichen Teil des Eigenkapitalanteils der Transaktion finanzieren und sollen Paramount zufolge über den Erwerb stimmrechtsloser Aktien 49,5 Prozent am kombinierten Unternehmen halten. Teilweise ist die Übernahme auch fremdfinanziert, und Paramount hat die Schuldenlast des fusionierten Konzerns auf 79 Milliarden Dollar beziffert.