FAZ 01.06.2026
15:36 Uhr

Neuer Eintracht-Trainer: „Adi, das ist der richtige Platz für dich“


Nach fünf Jahren kehrt Adi Hütter als Trainer zur Frankfurter Eintracht zurück. Dort soll er die Mannschaft zu einer disziplinierten Einheit formen. Ist es wieder Zeit für Konterfußball?

Neuer Eintracht-Trainer: „Adi, das ist der richtige Platz für dich“

Den Koffer aufs Bett, die Vorhänge auf, ta-da: Sie steht noch, die Frankfurter Skyline. Der Fußballtrainer Adi Hütter hat sie zuletzt gesehen, als er die Eintracht 2021 trainierte. Vielleicht auch, als er ein Jahr später in die Stadt kam, um sie im Europapokalhalbfinale gegen West Ham anzufeuern. Jedenfalls eine Weile lang nicht. „Ich bin emotional noch mehr berührt. Ich habe vom Hotel aus die Skyline gesehen und gedacht: Adi, das ist der richtige Platz für dich“, sagte der neue, alte Eintracht-Trainer am Montag, als ihn sein Klub vorstellte. Seine Augen strahlten: „Ich habe das Gefühl, ich gehöre hierher und bin noch nicht fertig. Ich lechze nach der Stimmung im Stadion.“ An Hütters letzte Worte aus Legislatur I erinnert sich nicht jeder gern Das sind große, mutige Worte. Hütters zweite Amtszeit hat eine gewisse Fallhöhe, schließlich erinnert sich nicht jeder gerne an seine letzten Worte aus Legislatur I: „Ich bleibe.“ Ein paar Monate später unterschrieb Hütter in Mönchengladbach. Das aber ist lang her, fünf Jahre mittlerweile. Ein halbes Jahrzehnt später kommt Hütter zu einem Klub zurück, der sich ähnlich wie die Skyline verändert hat: langsam, aber stetig. Er sei davon beeindruckt. „Ich war noch nie in diesem Gebäude hier“, sagte Hütter und zeigte auf die Räume um sich herum, den Proficampus der Eintracht. Auch der Mann, der neben ihm saß, war vor fünf Jahren und ein paar Tagen noch nicht da: Markus Krösche. Krösche: „Adi kennt die Balance zwischen Ballbesitz und Umschalten“ Der Sportvorstand hat Hütter überzeugt, zur Eintracht zurückzukommen. Auch, weil er sie wieder anders spielen sehen will. „Adi ist jemand, der in der Lage ist, offensiv Fußball spielen zu lassen. Er kennt die Balance zwischen Ballbesitz- und Umschaltfußball.“ Hütter freut sich über diese Worte. Er habe mehrere „Top-Angebote“ ausgeschlagen, sagte der Trainer: „Mich hat das emotional extrem schnell gepackt. Ich bin sehr glücklich, zurück bei der Eintracht zu sein.“ Die vergangenen beiden Trainer-Comebacks bei der Eintracht waren weniger erfolgreich: Armin Veh stellten die Frankfurter in seiner zweiten Amtszeit frei, Dragoslav Stepanovićs Elf stieg ab, nachdem der Trainer in den Neunzigerjahren zurückgekehrt war. Nun also Hütter. Mit dem Österreicher erlebten die Frankfurter eine ihrer erfolgreichsten Perioden, mit ihm zogen sie mehrfach in die Europa League ein und erreichten dort das Halbfinale 2018/2019. Es war die Vor-Krösche-Zeit, in der die Frankfurter mit einer physisch starken Elf größere Teams auskonterten. Damals hießen die Defensivspieler Abraham oder Rode, die Angreifer Rebić, Jović oder Kostić. Heute hat die Eintracht ein Team, das in der Fairnesstabelle zweimal in Folge in den Top Fünf der Liga landete. Und das in der vergangenen Saison nur drei Kontertore erzielte. Passt das zu Hütters Spielstil? „Viele denken beim Namen Adi Hütter an die Büffelherde“, sagte der Trainer am Montag selbst. Gemeint sind die Angreifer Luka Jović, Ante Rebić und Sébastien Haller, die an ihren besten Tagen durch die Abwehrreihen trampelten wie ebenjene Herde von Büffeln. „Aber ich habe mich weiterentwickelt. In Monaco hatten wir viel mit tiefer stehenden Gegnern zu tun.“ Zweieinhalb Jahre trainierte der Österreicher das französische Spitzenteam. „Wir hatten damals Spieler, die prädestiniert waren für diesen Brachialfußball.“ Heute ist das ein wenig anders. Hütter wolle nicht nur brachial spielen, sondern auch schönen Ballbesitzfußball. Das passe zur Mannschaft: „Wir haben viele junge Spieler, die technisch sehr versiert sind. Wir müssen lernen, mit Enthusiasmus das eigene Tor zu verteidigen.“ Das war die größte Schwäche der Eintracht in der vergangenen Saison: das eigene Tor nicht mit der gleichen Kraft zu verteidigen, mit der sie das Tor des Gegners zuvor angegriffen hatte. Einerseits war das ein körperliches Problem, weil viele junge Spieler mit der Intensität der Champions-League-Wochen überfordert waren. Aber vor allem war es eines im Kopf. Der väterliche Dino Toppmöller drang irgendwann nicht mehr zu seinen Spielern durch, dem irrlichternden Albert Riera gelang es nur in den ersten Wochen, die Spieler zu motivieren. Hütter ist kein Vater-Typ, auch kein Fußballprofessor Hütter ist ein anderer Trainer-Typ. Er ist kein umsorgender, schützender Vater wie Toppmöller. Er ist kein selbst ernannter Fußballprofessor wie Riera. Er ist ein erfahrener, autoritärer Coach, auch wenn Hütter selbst sagt: „Manchmal möchte ich auch eine Vaterfigur sein.“ Das aber kennt diese Eintracht-Mannschaft gut, es hat ihr selten geholfen. Eher dürfte sie ein Trainer unterstützen, der über sich selbst sagt: „Ich bin sicherlich nicht der Freund der Spieler. Ich liebe dieses Nähe-Distanz-Verhältnis. Ich kann schon sehr hart sein.“ Diese Sätze sprach Hütter kurz nach der Vater-Aussage. Auf dem Platz heiße das für sein Team: Es solle sich vor die Bälle schmeißen, nicht hinterhertraben. Markus Krösche, der Sportvorstand, der neben Hütter saß, wollte nicht darüber diskutieren, ob dieser oder jener Führungsstil für die Mannschaft besser sei. „Das macht keinen Sinn“, sagte Krösche, frisch gebräunt. Er hat Hütter ausgewählt, mit ihm auf Mallorca über den Vertrag und die neue Mannschaft gesprochen. Als er die Treffen auf der Insel schildert, klingelt das Handy eines Fotografen. „Das würde bei mir kosten“, sagt Hütter, lächelt und schaut hinten in den Raum zu Vorstandssprecher Axel Hellmann, der in der letzten Reihe zuschaut. Der Österreicher wirkt entspannt, viele Journalisten kennt er noch aus seiner ersten Amtszeit. Der erste Auftritt von Hütter 2.0 war ein angenehmer, ein ausgeruhter, ein freundlicher. Er war damit das genaue Gegenteil der PK-Shows seines Vorgängers Albert Riera, der fast jede Pressekonferenz nutzte, um sich in die Schlagzeilen zu bringen. Hütter selbst wollte darüber nicht reden. „Ich bin nicht der Trainer, der über etwas spricht, was vor einem halben Jahr war. Das steht mir nicht zu. Das ist nicht mein Stil.“