FAZ 24.09.2026
15:38 Uhr

Nachbarschaftsstreit: Hoeneß’ Bäume sind vorerst gerettet


Der Ehrenpräsident des FC Bayern hat Stress mit der Nachbarin. Sie sieht ihre Sicht auf den Tegernsee durch zwei seiner Bäume beeinträchtigt. Ein Gericht sagt: Sie dürfen leben.

Nachbarschaftsstreit: Hoeneß’ Bäume sind vorerst gerettet

Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern, hatte bisher viel Freude mit Bäumen. Sein Christbaum, eine mächtige Fichte in seinem Garten, die er jedes Jahr vor Weihnachten illuminiert, ist ein Wahrzeichen überm Tegernsee geworden. „Der Baum hat nur Freunde“, sagte Hoeneß dazu mal im F.A.Z.-Interview. Das gilt offenbar nicht für die beiden Linden, um die ein Rechtsstreit entbrannt ist. Diese Bäume ließen die Eheleute Hoeneß in einer seit Langem bestehenden Baumgruppe pflanzen, als Ersatz für einen durch Schneebruch beschädigten und zu fällenden Spitzahorn und einen weiteren, der schon nicht mehr steht. Die Nachbarin des Welt- und Europameisters ist der Auffassung, die Neubepflanzung befinde sich auf einer Fläche, auf der aufgrund einer seit 1975 bestehenden Grunddienstbarkeit ein Bepflanzungsverbot gelte. Nachbarin mit Antrag auf Unterlassung und Beseitigung Die Klägerin, Schwiegertochter der mittlerweile verstorbenen früheren Nachbarn, sieht durch die Bäume ihre Sicht auf den Tegernsee und sein Ufer beeinträchtigt und damit auch den Wert des Grundstücks und mithin ihr Vermögen gemindert. Sie reichte einen Antrag auf Unterlassung und Beseitigung ein. Dieser wurde nun am Donnerstag vor dem Landgericht München II abgewiesen. Die Nachbarin habe nicht glaubhaft gemacht, dass die neuen Bäume auf verbotenem Terrain stünden. Beim ersten Termin waren Hoeneß und seine Frau erschienen. Um ein Bonmot Karl-Heinz Rummenigges zu zitieren: Es brannte der Baum. „Das ist totaler Blödsinn, was Sie hier sagen! Hören Sie mal auf, Lügen zu erzählen!“, rief Hoeneß in Richtung Nachbarin. Er kaufe „lieber zehn Spieler, als mit denen zu reden“, ließ er das Gericht wissen. Die Eheleute Hoeneß, die 2005 ins Haus am See gezogen waren, gaben zu Protokoll, dass die Baumgruppe dort schon an die 20 Jahre stehe und Schatten für die Schafe eines Landwirts spende. Die früheren Nachbarn seien „tolle Leute“ gewesen, weder sie noch ihre Nachkommenschaft – der Sohn, die Schwiegertochter – hätten all die Jahre Kritik an der Baumgruppe vorgebracht. Im Übrigen sei der freie Blick auf den See längst durch von ihnen nicht zu verantwortende andere Hindernisse beeinträchtigt. Die Nachbarin wiederum hat die Eheleute Hoeneß im Verdacht, durch die Bäume ihre Terrasse gegen Blicke von außen abschirmen zu wollen. Das wiesen diese entschieden zurück. Der Ehrenpräsident kam nicht zur Urteilsverkündung Zur Verkündung der Entscheidung kam Hoeneß am Donnerstag nicht. Dafür aber ein anderer prominenter Mann: Peter Gauweiler, Hoeneß’ Anwalt. Man könnte sich darüber wundern, dass der frühere stellvertretende CSU-Chef sich einer solchen Marginalie annimmt. Üblicherweise erscheint er in Verfahren von ganz anderer Tragweite. So vertritt er momentan den russisch-usbekischen Unternehmer Alischer Usmanow in einem Prozess gegen die Bank UBS Europe, die er auf Schadenersatz wegen angeblich missbräuchlicher Geldwäscheverdachtsmeldungen verklagt hat. Auch Usmanow ist ausweislich seiner Aufenthaltshistorie ein Fan des Tegernsees. Ob das der springende Punkt für Gauweiler ist? Wohl kaum. In jedem Fall ist die Causa Hoeneß aufmerksamkeitsökonomisches Gold – wie ja auch dieser Artikel zeigt. Darüber hinaus bieten gerade Nachbarschaftsstreitigkeiten – der Fall Jens Lehmann! – die Möglichkeit, zum Kern des Menschlichen vorzudringen. Wie hat Gerhard Polt mal frohlockt: „Und erst die Partisanenkriege am Gartenzaun! Oder wenn einer seine Garage so baut, dass sie dem Nachbarn die Sicht verstellt. Das ist für mich interessanter, als wenn ich höre, dass ein afrikanischer Diktator Leute umbringt.“ Gegen das Urteil in dem Eilverfahren, in dem die Sach- und Rechtslage ohne Zeugen oder Sachverständige nur summarisch geprüft wurde, kann die Nachbarin Berufung einlegen. Einstweilen zeigten sich die Eheleute Hoeneß aber „erfreut“, wie Gauweiler mitteilte. Es hieß, sie wollten am Abend mit Champagner auf das Überleben ihrer Bäume der Erkenntnis von Gut und Böse anstoßen.