FAZ 21.05.2026
10:42 Uhr

Nach knapp 200 Jahren: Guy Savoy ist der erste Koch in der Akademie der Schönen Künste


Ist Kochen Kunst? Frankreich hat die Frage jetzt beantwortet und Guy Savoy, der auch die Macher des Films Ratatouille beriet, in den Rang der Unsterblichen erhoben. Das war eine Artischockensuppe wert.

Nach knapp 200 Jahren: Guy Savoy ist der erste Koch in der Akademie der Schönen Künste

Die Franzosen betrachten ihre Küche als ein Kulturgut. Aber es brauchte fast 200 Jahre, bis mit Guy Savoy ein Koch in den Rang der Unsterblichen der Akademie der Schönen Künste erhoben wurde. Unter der hohen Kuppel des Institut de France am Seine-Ufer wurde am Mittwochnachmittag die Premiere sehr französisch zelebriert: mit Trommelwirbel der Republikanischen Garden, feierlichen Reden unter der hohen Kuppel und einem von Savoy komponierten Cocktailempfang mit vielen Prominenten. Der Produzent des Walt-Disney-Films Ratatouille, Brad Lewis, war eigens aus Los Angeles angereist. Lewis hatte sich von Savoy beraten lassen, bevor er den Kinoschlager drehte. Eine Ratte, die sich die Pfoten wäscht, darf in die Küche Der ständige Sekretär der Akademie, der Komponist Laurent Petitgirard, erinnerte in seiner Rede daran, dass Savoy zunächst alles andere als begeistert gewesen war von einer Ratte in der Küche. „Aber als er erfuhr, dass sie sich zuerst die Pfoten wäscht, bevor sie zu kochen beginnt, hat er begeistert zugestimmt und sogar eine Figur eines Stammgastes synchronisiert“, sagte Petitgirard. Der Generalsekretär berichtete, er habe sich geopfert und zur Vorbereitung der Aufnahme Savoys in die Akademie 20 Arbeitssitzungen angesetzt, die allesamt in dessen Restaurant stattfanden. Vielleicht gelang es Petitgirard auch deshalb, die berühmte Artischockensuppe Savoys so detailliert zu beschreiben, dass den geladenen Gästen unter der Kuppel das Wasser im Mund zusammenlief. Petitgirard erinnerte daran, dass der Sternekoch einen außergewöhnlichen Teller kreieren ließ, der je nach Appetit der Gäste eine ganze oder eine halbe Portion Suppe enthält, in die sie ein Stück Brioche mit Trüffelbutter tunken dürfen. Das sei „Savoys Leitmotiv, auch wenn es nichts Wagnerisches an sich hat“. Etwas deutscher Geist weht aber dennoch in Savoys Restaurant, das im historischen Hôtel de la Monnaie mit Blick auf die Seine seit 2015 eine Heimat gefunden hat. Seit fast drei Jahrzehnten wacht ein deutscher Maître d’Hôtel bei Guy Savoy darüber, dass beim kulinarischen Erlebnis alles glattläuft. Der Spitzenkoch Gordon Ramsay nennt ihn Papa Bei Artischockensuppe und Brioche, Foie gras oder Austern ging es beim Empfang vor allem um die Frage, warum es so lange gebraucht hat, bis ein Koch in den illustren Kreis der Akademie aufgenommen wurde. „Vermutlich steckte ein gewisser Snobismus dahinter“, mutmaßte die frühere Kulturministerin Roselyne Bachelot. Bereits 2010 adelte die UNESCO die französische Gastronomie als immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Das war auch das Ergebnis von Savoys Engagement: Er hatte sich bei jeder Gelegenheit dafür starkgemacht. „Die Aufnahme in die Akademie ist jetzt die Krönung und ja: damit ist die Kochkunst endlich als Kulturgut akzeptiert“, sagte Fernsehstar Stéphane Bern, der als Pfleger des Kulturerbes bekannt ist. Für Savoy, dessen Restaurant zum neunten Mal in Folge zu den besten der Welt gekürt wurde, beginnt mit der „Unsterblichkeit“ nicht der Ruhestand. Der 72 Jahre alte Koch will weitermachen. Als sein größtes Verdienst bezeichnet es Savoy, eine ganze Reihe von Spitzenköchen ausgebildet zu haben. Darunter ist der britische Starkoch Gordon Ramsay, der Savoy „Papa“ nennt. Sichtbar gerührt war Savoy, als sein Enkel Eliot einen Text des Schriftstellers Guy de Maupassant vortrug: „Von allen Leidenschaften ist die Feinschmeckerei zweifellos die sinnlichste und diejenige, die der raffiniertesten Künstler am würdigsten ist.“