Den deutschen Adler auf der Brust, daneben prangt das Adidas-Kleeblatt-Logo – im Trikot des Sportherstellers aus Herzogenaurach läuft die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 vorerst das letzte Mal in einem großen Turnier auf. Von 2027 an wird der Konkurrent und amerikanische Sporthersteller Nike Sponsor der deutschen Elf sein. Der neue Partner soll offenbar mehr als 100 Millionen Euro im Jahr für die Kooperation ausgeben – anstatt wie bisher Adidas 50 Millionen Euro. Doch dieses Jahr sind es noch mal die drei Streifen auf dem Retrotrikot der deutschen Nationalmannschaft. Insgesamt 14 der 48 Teams rüstet Adidas für die Weltmeisterschaft 2026 aus und hofft auf den Verkauf vieler Trikots an Fans. Einen weiteren Erfolg mit gutem Marketing hatte die deutsche Sportmarke mit global fast 65.000 Mitarbeitern zuletzt beim Marathon in London gefeiert. Dort kamen gleich zwei Läufer in ultraleichten Adidas-Schuhen in Bestzeiten in weniger als zwei Stunden ins Ziel. Das Modell soll laut dem Unternehmen inzwischen für 5000 Dollar gehandelt werden. Adidas: Dividendenausschüttung von 500 Millionen Euro Neben sportlichem Erfolg und Fußballgroßereignissen überraschte Adidas Ende April die Anleger mit einem gestiegenen Umsatz im ersten Quartal. Am Donnerstag steht nun die Hauptversammlung an. Adidas plant eine Dividendenausschüttung in Höhe von 500 Millionen Euro. Das wären 2,80 Euro je dividendenberechtigte Aktie oder 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Abseits der Dividende zeigt sich beim Blick auf den Aktienkurs, dass der Titel seit einiger Zeit deutlich unterdurchschnittlich abschneidet. Auf Sicht von fünf Jahren verlor die Aktie um 45 Prozent, auf Sicht von einem Jahr knapp 30 Prozent und seit Jahresanfang zwölf Prozent. Derzeit notiert die Aktie auf 147 Euro. Das Allzeithoch der Aktie von 336,25 Euro aus dem Sommer 2021 ist weit entfernt. Analysten raten zum Kauf der Adidas-Aktie Die Gründe dafür sind vielfältig. Lieferketten- und Kostendruck, ein schwierigeres Konsumumfeld und vor allem das abrupte Ende der hochprofitablen Yeezy-Kooperation mit dem umstrittenen Rapper Kanye West, auch bekannt als Ye, führten dazu, dass die Aktie im Jahr 2022 rund die Hälfte des Werts verlor. Seit dem Führungswechsel 2023 und der schrittweisen Stabilisierung des operativen Geschäfts gab es eine Erholung, getragen von besser laufendem Kerngeschäft und zuletzt mehrfach angehobenen Prognosen. Der Umsatz von Adidas stieg im ersten Quartal währungsbereinigt um 14 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. In Euro blieb nur ein Plus von sieben Prozent. „Wir sind auf einem guten Weg, aber in einem volatilen Markt“, sagte Vorstandschef Björn Gulden zur Vorlage der Quartalsergebnisse. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 16 Prozent auf 705 Millionen Euro und übertraf die Analystenprognosen. Adidas verkaufte mehr Schuhe und Sportkleidung ohne Rabatte als die Konkurrenz. Rabattaktionen von Nike drücken Preise Der größere Erzrivale Nike aus den USA versucht derzeit, mit Rabattaktionen die vollen Lager zu leeren. Das geht auf Kosten der Marge. Die Bruttomarge von Adidas bröckelte auf 51,1 (2025: 52,1) Prozent ab. Neben Währungseffekten sollen nach Unternehmensangaben auch die amerikanischen Zölle eine Rolle gespielt haben. Die WM 2026 dürfte für Adidas zu einem Hebel werden im Versuch, noch stärker als bisher auf dem vom Branchenprimus Nike beherrschten nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen. Im ersten Quartal wuchs Adidas in Nordamerika um zwölf Prozent, deutlich stärker als in Europa (sechs Prozent), aber deutlich langsamer als etwa in China (17 Prozent) oder in Südamerika (26 Prozent). Mit 76 Prozent empfehlen die meisten Analysten den Kauf der Aktie, weitere 17 Prozent setzen auf das Halten des Titels. „Die Investoren könnten jetzt etwas konstruktiver werden, auch wenn Skeptiker einen Teil des starken ersten Quartals auf einen vorübergehenden WM-Effekt zurückführen werden“, schreiben die Analysten von Jefferies. Die amerikanische Investmentbank hat die Einstufung mit einem Kursziel von 190 Euro auf „Kaufen“ belassen. Die meisten Analysten empfehlen die Adidas-Aktie Die Kampagne für die Fußball-WM 2026 sei erfolgreich gestartet, sagte Nick Anderson von der Privatbank Berenberg angesichts der überraschend guten Ergebnisse im ersten Quartal. Die Bank beließ die Einstufung für die Adidas-Aktie mit einem Kursziel von 190 Euro auf „Halten“. Nach dem starken Jahresstart, der unter Ausklammerung der Auswirkungen der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft selbst die optimistischsten Erwartungen übertroffen habe, bleibe nun abzuwarten, wie nachhaltig diese Entwicklung sei, schrieb Robert Krankowski von UBS. Hier komme dem zweiten Halbjahr eine entscheidende Bedeutung zu. Die Schweizer Großbank belässt die Aktie auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 219 Euro. Adidas plant mit zwei Milliarden Euro mehr Umsatz zum Vorjahr Einen guten Jahresauftakt attestierte auch Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC. Das erzielte Umsatzwachstum und das operative Ergebnis hätten die Erwartungen übertroffen. Das Wachstum sei aber ungleich verteilt und gerade im Schuhbereich nur gering ausgefallen. RBC beließ die Einstufung mit einem Kursziel von 160 Euro auf „Sector Perform“. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs stuft die Adidas-Aktie weiter mit einem Kursziel von 165 Euro „neutral“ ein. Mit einer Änderung der Markterwartungen für das Gesamtjahr rechnet er angesichts des bestätigten Ausblicks aber nicht, schrieb Richard Edwards von Goldman Sachs. Adidas hält an den Prognosen für das laufende Jahr trotz einer Rabattschlacht fest. Der Umsatz soll währungsbereinigt um bis zu neun Prozent steigen. Das wären rund zwei Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis soll sich auf rund 2,3 (2025: 2,06) Milliarden Euro verbessern. Wie die DFB-Elf sich im Sommer in den Trikots von Adidas im Turnier schlagen wird, muss sich zeigen.
