FAZ 14.08.2026
22:47 Uhr

Nach Plagiatsvorwürfen: Früherer Cambridge-Professor Jason Arday tot aufgefunden


Der kürzlich von seinem Posten zurückgetretene Cambridge-Professor John Arday ist tot aufgefunden worden. Er war wegen Plagiaten und mutmaßlich falscher Angaben als Hochstapler ins Gerede gekommen.

Nach Plagiatsvorwürfen: Früherer Cambridge-Professor Jason Arday tot aufgefunden

Der nach schwerwiegenden Plagiatsvorwürfen zurückgetretene frühere Professor der Universität Cambridge, Jason Arday, ist Medienberichten zufolge tot aufgefunden worden. Das berichteten am Freitagabend der Sender Sky News sowie die BBC. Die Londoner Metropolitan Police teilte mit, ein einundvierzigjähriger Mann sei am Einsatzort im Südwesten der britischen Hauptstadt für tot erklärt worden. Zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Tod als unerwartet eingestuft, es gebe jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass ein Verbrechen vorliege, zitierte die Nachrichtenagentur PA die Polizei, die in Großbritannien grundsätzlich keine Namen nennt. Der Fall werde weiter untersucht. Der Rücktritt des Soziologen von seiner Professur in der vergangenen Woche hatte in Großbritannien für große Aufregung gesorgt. Die Vorwürfe wies Arday in einem Schreiben zurück. Auch die Universität war in Kritik geraten Medien berichteten unter anderem über Plagiatsvorwürfe mit Blick auf die Doktorarbeit des Professors an der Liverpool John Moores Universität. Auch an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte wurde öffentlich gezweifelt. Eine frühere Untersuchung der Uni in Liverpool stellte laut der PA kein wissenschaftliches Fehlverhalten fest. Ardays Angaben zu seinem Lebenslauf und seinen vermeintlichen wissenschaftlichen Meriten waren der Universität nicht aufgefallen. Der Biologieethiker Nathan Cofnas hatte vor zwei Wochen auf die Ungereimtheiten hingewiesen und Arday beschuldigt, bei seiner Doktorarbeit massiv plagiiert zu haben, an mehr als hundert Stellen. Die Universität hatte die Vorwürfe zunächst als „Schmutzkampagne“ zurückgewiesen. Dem Kritiker wurden rassistische Motive unterstellt, eine Petition stellte sich an Ardays Seite, die britischen Grünen taten es ebenso. Als der linksliberale „Guardian“ dann mit einer Recherche auf Ungereimtheiten in Ardays Lebenslauf aufmerksam machte (etwa als Sportler und Spendensammler mit angeblich dreißig Marathonläufen innerhalb von 35 Tagen), wendete sich das Blatt. In seiner Stellungnahme hatte Arday mitgeteilt, der Rücktritt sei „der einzige Weg, dieses Kapitel zu beenden“. Dieser solle nicht als „Zustimmung zu den Darstellungen verstanden werden“. Nach Angaben der BBC sagte Arday zudem mehrere Veranstaltungen ab. Die Leiterin der Universität Cambridge, Deborah Prentice, hatte zuletzt mitgeteilt, eine Untersuchung rund um Arday werde „unabhängig durch hochrangige Wissenschaftler aus Cambridge und von außerhalb“ durchgeführt. Die Universität war aufgrund des Falls stark in die Kritik geraten. Arday war 2023 zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Uni Cambridge geworden. Eine Professorin der Universität bezeichnete den Fall zuletzt laut der Nachrichtenagentur PA als „Geschenk“ für diejenigen, die gegen Vielfalt an Hochschulen vorgehen würden. Ende August sollen die Memoiren des vielfach als Star seines Fachs beschriebenen Soziologen erscheinen.