FAZ 30.09.2026
15:32 Uhr

Nach Hetzkampagne: Razzia gegen „Hater“ nach Hetzjagd auf 44-Jährigen


Eine Gruppe soll einen Mann im Netz und im echten Leben gezielt attackiert haben. Bei einer Razzia durchsuchten Ermittler nun 15 Wohnungen in mehreren Bundesländern.

Nach Hetzkampagne: Razzia gegen „Hater“ nach Hetzjagd auf 44-Jährigen

Wegen einer konzertierten Hetzkampagne gegen einen 44 Jahre alten Mann aus Karlsruhe sind Ermittler bundesweit gegen 15 mutmaßliche Mitglieder einer „Hater-Community“ vorgegangen. In sieben Bundesländern seien 15 Wohnungen durchsucht worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Neben einer größeren Cannabis-Indoor-Plantage seien dabei umfangreiche Datenträger sichergestellt worden. Durchsucht wurden Wohnungen in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Verdächtigen sollen dem Mann, der laut den Behörden in sozialen Medien mit „stark polarisierenden Inhalten“ auftritt, in vielfacher Weise geschadet haben: Unter anderem werden ihnen Nötigung und Bedrohung, Diebstahl, Sachbeschädigung und üble Nachrede vorgeworfen. So hätten sie etwa das Wohnhaus des 44-Jährigen und Gräber seiner Familienangehörigen beschädigt. Zudem hätten sie im Namen ihres Opfers eine Vielzahl von E-Mails mit beleidigenden oder bedrohlichen Inhalten verschickt, die an Politiker, Gedenkstätten, Einzelhandelsunternehmen oder auch an Bildungseinrichtungen gingen. Dadurch seien Strafanzeigen und Ermittlungen gegen den 44-Jährigen ausgelöst worden. Zahlreiche Straftaten im Namen des Opfers Die von dem Betroffenen – insbesondere auf Youtube – veröffentlichten Videobeiträge sind überwiegend als Livestreams einzuordnen. In diesen bezeichnet sich der Betroffene als „Entertainer“. In seinen Streams mit einer Länge von 40 bis 80 Minuten beschäftigt sich der Betroffene überwiegend mit Selbstdarstellungen und Erzählungen aus seinem Alltag, aber auch mit Politik und gesellschaftlichen Themen, Letzteres häufig in satirischer beziehungsweise stark eigenwilliger Form, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Die zwischen 22 und 49 Jahre alten Verdächtigen sollen zwischen März 2023 und September 2026 zahlreiche Straftaten begangen und diese dem 44-Jährigen angelastet haben. Die Aktionen der Gruppe hätten erhebliche Auswirkungen auf den Mann gehabt. Die Ermittlungen begannen im Januar 2024. Internetnutzer hatten sich den Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge in der losen und über das Internet kommunizierenden „Hater-Community“ zusammengeschlossen. Dort hatten sie Aktionen gegen den 44-Jährigen abgestimmt und vorbereitet, wie es weiter hieß. Teile der Gruppierung nennen sich den Behörden zufolge „Freikreuzzug“ (FKZ).