Italien drängt angesichts des Vormarschs der Huthi-Miliz an der jemenitischen Westküste auf eine Aufstockung der Operation Aspides im Roten Meer. Derzeit sind im Rahmen der im Februar 2024 gestarteten Operation der EU-Marinestreitkräfte lediglich eine griechische und eine italienische Fregatte im Einsatz. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hatte am Freitag angekündigt, Rom werde in der Sache nicht auf eine Entscheidung Brüssels warten, sondern selbst für die sichere Durchfahrt italienischer Handelsschiffe durch die Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Golf von Aden und dem Roten Meer sorgen. Bereits am Samstag eskortierte die Fregatte Carlo Bergamini das Containerschiff Jolly Oro der Genueser Reederei Messina Line bei der Fahrt durch die Meerenge in Richtung Norden zum Suezkanal. Nach Angaben der italienischen Kriegsmarine verlief die Fahrt ohne Zwischenfälle. Etwa 40 Prozent des italienischen Außenhandels wird über den Suezkanal, das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab abgewickelt. Huthi sollen Rom mit Vergeltung gedroht haben Verteidigungsminister Crosetto versicherte, Italien verfüge über ausreichend Fähigkeiten, die Durchfahrt durch die Meerenge zu sichern, und werde „nicht zulassen, dass die Bürokratie Entscheidungen verzögert und sich eine ohnehin komplexe Situation weiter zuspitzt“. In einem Schreiben an die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Rom eine Aufstockung der Mission auf mindestens sechs Kriegsschiffe. Italien sei bereit zur Entsendung einer weiteren Fregatte, erwarte von den Partnern in der EU aber dafür finanzielle Entschädigung. Rom habe schon „vor Monaten“ von der EU die Verstärkung der Operation Aspides gefordert, sagte Außenminister Antonio Tajani am Wochenende. Italien und Griechenland trügen seit Beginn der Operation die Hauptlast. Wenn Aspides alle EU-Staaten schützen solle, müssten die Partner neben militärischer Hilfe auch finanzielle Unterstützung leisten, sagte Tajani.Die Operation Aspides hat einen defensiven Auftrag, sie darf Gewalt nur zur Verteidigung von Handelsschiffen gegen Angriffe der von Iran unterstützten Huthi-Miliz einsetzen. Bei einem Luftangriff der Huthi-Milizen auf den saudischen Luftwaffenstützpunkt Taif östlich von Dschidda wurde am Wochenende ein italienischer Eurofighter vom Typ F-2000 schwer beschädigt. Verletzt wurde nach Angaben Roms niemand. Italien hat seit März im Rahmen der Unterstützungsmission von Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain im Kampf gegen die Huthi rund 400 Soldaten mit vier Eurofightern und einem CAEW-Radarflugzeug auf dem Luftwaffenstützpunkt im Westen Saudi-Arabiens stationiert. Die Eurofighter sollen einen Beitrag zur Verteidigung des saudischen Luftraums gegen Drohnen und Raketen der Huthi aus dem Jemen leisten. Die Huthi haben Medienberichten zufolge Rom signalisiert, dass italienisches Kampfgerät zum Ziel der Angriffe geworden sind, weil Italien Saudi-Arabien beim Luftkrieg gegen die schiitische Miliz unterstütze. Die linken Oppositionsparteien fordern, Verteidigungsminister Crosetto müsse im Parlament über Umfang, Zweck und Gefährdungslage der italienischen Luftwaffenmission in Saudi-Arabien Bericht erstatten.
