FAZ 11.09.2026
13:46 Uhr

Marlon B. erschossen: Er führte die Söhne Mannheims in die Charts


Der Mannheimer Reggae-Sänger Marlon James ist offenbar auf Jamaika erschossen worden. Er gehörte viele Jahre lang zu den wichtigsten Bandmitgliedern der Söhne Mannheims.

Marlon B. erschossen: Er führte die Söhne Mannheims in die Charts

Der Mannheimer Reggae-Sänger Marlon James ist laut übereinstimmenden Medienberichten in Robin’s Bay im Nordosten der Insel Jamaika am Mittwoch von bislang unbekannten Tätern erschossen worden. Unter dem Namen Marlon B. gehörte der Künstler viele Jahre lang zu den wichtigsten Bandmitgliedern der Söhne Mannheims. James betrieb auf Jamaika eine Bar, nach Darstellung der örtlichen Polizei sollen am Mittwochnachmittag mehrere bewaffnete Männer in die Bar eingedrungen sein, sofort das Feuer eröffnet und drei Männer getötet haben. Die Söhne Mannheims posteten am Donnerstag ein Schwarz-Weiß-Bild ihres ehemaligen Bandmitglieds, sie zitieren die berühmten Zeilen „Love is unseen / Love is your dream“ aus dem Lied „Das hat die Welt noch nicht gesehen“. Nach einem Bericht der Zeitung „Mannheimer Morgen“ lernten sich der Bandgründer der Söhne, Xavier Naidoo, und James Ende der neunziger Jahre in Frankfurt-Rödelheim kennen. Sie hätten sich über die jamaikanische Lebensweise ausgetauscht und festgestellt, dass sie auf „demselben Flash“ gewesen seien. Er trat aus der Formation heraus Naidoo, dessen Familie indische, irische und südafrikanische Wurzeln hat, habe ihm den Song „Power of the sound“ vorgespielt, speziell diesen Titel habe Marlon B. später durch seinen besonders energiegeladenen Rap-Stil zu einem Klassiker gemacht. Marlon B. selbst hatte 1991 beim Label Hansa die Single „Da La De La“ aufgenommen, die von Kerim Saka und Mike Wonder im berühmten Tonstudio von Frank Farian produziert worden war. Marlon B. nahm dann im Jahr 2000 das Album „Zion“ mit den Söhnen Mannheims auf – es wurde viermal mit Platin ausgezeichnet. Mit den beiden Alben „Power of the Sound“ und „Wettsingen in Schwetzingen“ landete die Mannheimer Band in den Charts, was sie insbesondere ihrem Rapper Marlon B. zu verdanken hatte. Naidoos Band trat auf den Bühnen immer in einer großen Formation auf, aber Marlon B. trat bei Live-Auftritten häufig als Rapper aus der Menge heraus. Nachdem Naidoo, der seit 2015 ­wegen mutmaßlich antisemitischer und verschwörungstheoretischer Aussagen immer wieder stark in der öffentlichen Kritik stand, im Jahr 2017 aus der Band ausgestiegen war, engagierte sich Marlon B. sogar noch für einen Neustart der Söhne Mannheims; kurz darauf zog er sich dann aus der Musikszene zurück und verlegte seinen Lebensmittelpunkt auf die Karibik-Insel. Er wurde 60 Jahre alt.