FAZ 08.09.2026
13:15 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Ungarn verweist zehn russische Diplomaten des Landes


Russland kündigt „harte und schmerzhafte“ Reaktion an +++ Selenskyj nach heftiger Angriffsnacht: „Brauchen dringend Abfangraketen“ +++ Ukraine meldet zwei Tote und zehn Verletzte +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Ungarn verweist zehn russische Diplomaten des Landes

Brüssel erlaubt Ukraine Verwendung des EU-Kredits für Patriot-MunitionDer Ukraine mangelt es an Flugabwehrmunition, um russische Raketen abzufangen. Man habe in der vergangenen Nacht immerhin die meisten Drohnen und 31 von 32 Marschflugkörpern abgewehrt, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara vor einer Sitzung der Ukrainekontaktgruppe am Dienstag. Das Problem seien jedoch die ballistischen Raketen. Daher hoffe er, dass die Unterstützer Kiews weitere Munition für Patriotsysteme liefern werden, die am effektivsten gegen russische Raketen helfen. Derzeit stehen vor allem Griechenland und Spanien unter Druck, Patriotraketen aus eigenen Beständen nach Kiew liefern. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte angesichts des nahenden Winters die Lieferung weiterer Raketen aus Bundeswehrbeständen angekündigt. „Die Ukraine befindet sich in einem Wettlauf ⁠mit der Zeit. Der Winter kommt“, sagte der SPD-Politiker vor dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe. Man müsse damit rechnen, dass die russischen Luftangriffe mit sinkenden Temperaturen wieder zunehmen ‌würden. Deutschland werde daher dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen für das Patriot-System sowie eine größere Stückzahl an AIM-9-Luft-Luft-Raketen liefern. Pistorius appellierte an die Verbündeten, ebenfalls ihre Bestände zu prüfen. „Wenn Sie im Zweifel sind, entscheiden ‌Sie sich für die Ukraine.“ Großbritannien kündigte an, 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen Euro) für die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat die EU am Dienstag zugestimmt, dass die Ukraine einen Teil ihres 90-Milliarden-Darlehens aus Brüssel für den Kauf von in den USA hergestellten Patriotraketen verwenden darf. „Ich begrüße die Einigung der Mitgliedstaaten über die Ausnahmeregelung für die Ukraine, entscheidende Produkte für Patriot-Luftverteidigungssysteme zu erwerben“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag auf der Plattform X. Der Schritt erlaube Kiew, die nächste Kredit-Tranche in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zu nutzen, „um seinen Luftraum besser vor den wahllosen Angriffen Russlands zu schützen“. Das EU-Darlehen für die Ukraine sieht eigentlich vor, dass das Geld in erster Linie für in Europa gebaute Waffen ausgegeben werden soll. 

Selenskyj hofft auf Treffen mit Trump im SeptemberDer ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hofft auf ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump noch in diesem Monat. Er wolle mit Trump über ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sprechen, sagte Selenskyj am Dienstag zu Journalisten. Er gehe davon aus, dass das Treffen nach dem 20. September stattfinden werde.Die Ukraine ist auf Patriot-Raketen aus US-Produktion angewiesen, um sich gegen die heftigen russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew hat aber einen zunehmenden Mangel an den Abfangraketen gemeldet, seitdem die USA im Februar den Irankrieg begonnen und ihre Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet haben. 

London sagt Kiew neue Patriot-Raketen zu Großbritannien hat der Ukraine zur Stärkung ihrer Luftverteidigung ein Rüstungspaket im Umfang von 100 Millionen Pfund (116,4 Millionen Euro) zugesagt. Kiew werde noch vor dem Winter Patriot-Raketen sowie großkalibrige Artilleriegeschosse und Drohnen erhalten, teilte das Verteidigungsministerium in London am Dienstag mit. Die Militärhilfe im Rahmen eines NATO-Programms zur Unterstützung der Ukraine solle dem Land dabei helfen, „seine kritische nationale Infrastruktur, unschuldige Zivilisten und Streitkräfte vor russischen Angriffen zu schützen“.Die Ukraine ist auf die Patriot-Systeme aus amerikanischer Produktion angewiesen, um sich gegen die massiven russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew hat aber einen zunehmenden Mangel an den Abfangraketen gemeldet, seitdem die USA im Februar den Irankrieg begonnen und ihre Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet haben. Großbritannien gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen Russland. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting wird am Dienstagnachmittag zusammen mit seinem deutschen Kollegen Boris Pistorius (SPD) eine virtuelle Sitzung der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe leiten. An den Beratungen nehmen auch der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby teil. 

Angriff auf PassagierzugIn der Nacht wurde auch abermals ein Passagierzug angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn kam es wurden alle Passagiere rechtzeitig evakuiert. Deshalb wurde niemand verletzt. Der Zug verkehrte auf der Strecke Kiew-Sumy. 

Selenskyj spricht von zehn Verletzten und zwei Toten Der ukrainische Präsident hat auf seinem Telegramkanal Fotos der Rettungsarbeiten in der Angriffsnacht veröffentlicht. Ihm zufolge kamen zwei Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Trotz „sehr guter Ergebnisse“ der Flugabwehr bei den Marschflugkörpern sei die Abwehr ballistischer Raketen weiterhin „schwierig“. „Wir machen unseren Partnern deutlich, wie dringend wir Abfangraketen brauchen“, schrieb Selenskyj.  

Luftstreitkräfte berichten über Abwehr von 31 MarschflugkörpernDie ukrainischen Luftstreitkräfte haben am Morgen nach der jüngsten Angriffsnacht ihre Statistik veröffentlicht. Demnach konnten 142 Drohnen, 31 Marschflugkörper und 2 ballistische Raketen abgewehrt werden. Der Angriff richtete sich demnach vorwiegend gegen Kiew und Odessa. Den Angaben zufolge entstanden an 29 Orten Schäden durch Einschläge, an weiteren 9 Orten durch den Absturz von Trümmern. 

Rauchschwaden über Kiew nach heftiger AngriffsnachtDer Himmel über der ukrainischen Hauptstadt ist nach einer heftigen Angriffsnacht mit Rauchschwaden bedeckt. Nach dem Ende eines mit dem Besuch der amerikanischen Gesandten in Verbindung stehenden Angriffsstopps hat Russland Kiew in der Nacht zu Dienstag umso intensiver angegriffen. Es schlugen offenbar Drohnen mit Strahlantrieb, ballistische Raketen und Marschflugkörper ein.  Ersten Angaben vom Morgen zufolge kamen zwei Zivilisten ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen stark ansteigen werden. 

Russland: Mehrere Verletzte bei ukrainischem Drohnenangriff auf SaratowBei einem ‌ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Stadt Saratow an der Wolga wird zivile Infrastruktur getroffen; mehrere Menschen werden verletzt. Das ‌teilt der regionale ‌Gouverneur Roman Busargin auf dem Messenger-Dienst Telegram mit. In der Region Saratow befinden sich eine große Ölraffinerie des staatlichen Ölkonzerns ​Rosneft sowie weitere industrielle und ⁠militärische Anlagen.

Russland setzt Angriffe auf Kiew nach dreitägiger Pause fortNach dem Ende einer dreitägigen Angriffspause wegen des Besuchs ranghoher US-Vermittler in Kiew hat Russland seine Attacken auf die ukrainische Hauptstadt ukrainischen Angaben zufolge wieder aufgenommen. Die russische Armee habe die Bezirke Boryspil und Fastiw mit Drohnen angegriffen, teilte der ukrainische Katastrophenschutz am späten Montagabend im Onlinedienst Telegram mit. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass hatte zuvor bestätigt, dass die von Russlands Staatschef Wladimir Putin angeordnete Angriffspause abgelaufen sei.Kiews Militärverwaltung teilte mit, dass wegen der Gefahr eines Drohnenangriffs durch den „Feind“ Luftalarm in der Hauptstadt ausgelöst worden sei. Sie forderte die Bewohner auf, Schutzräume aufzusuchen.

Ukrainischer Generalstaatsanwalt tritt zurückDer ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko hat im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in seiner Behörde seinen Rücktritt angekündigt. „Das ist eine politische Entscheidung“, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal. „Ich möchte nicht, dass das Amt des Generalstaatsanwalts als Instrument politischer Auseinandersetzungen missbraucht wird.“ Seine Haltung zu den Vorwürfen, die er bereits mehrfach zurückgewiesen hatte, bleibe unverändert.Wenige Stunden zuvor hatte Krawtschenko nach Angaben ukrainischer Medien einen möglichen Rücktritt noch abgelehnt und erklärt, dass er von diesem Posten nur abberufen werden könne.Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform hatten Sonderermittler eine kriminelle Vereinigung unter der Führung des Leiters einer Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft aufgedeckt, die angeblich Bestechungsgelder kassierte. Krawtschenko wies jede Verstrickung in diese Affäre zurück. 

AKW Saporischschja hat wieder Strom Die dringend benötigte Stromzufuhr für das frontnahe ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja ist nach fast drei Wochen wieder hergestellt worden. Während einer begrenzten Feuerpause konnte eine beschädigte Leitung repariert werden, wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien mitteilte. Dies sei ein entscheidender Schritt zur Vermeidung eines Atomunfalls, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. 

Selenskyj hofft auf Verhandlungen noch vor dem Winter Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht nach der jüngsten Reise der US-Vermittler nach Moskau und Kiew ein mögliches Fenster für Friedensverhandlungen noch vor dem Winter. Zwar rechne Kremlchef Wladimir Putin mit einem neuen brutalen Winter, um die Ukraine zu schwächen, doch wolle der russische Staatschef US-Präsident Donald Trump nicht vor den Zwischenwahlen Anfang November verärgern, sagte Selenskyj im Interview mit dem US-Nachrichtenportal Axios. „Mein Gefühl sagt mir, dass Putin Trump braucht, er will ihn nicht verärgern.“ Er gehe davon aus, dass Moskau den Winter nutzen wolle, um die Ukraine weiter unter Druck zu setzen. „Russland denkt wirklich, dass ihnen dieser Winter helfen könnte, uns niederzuringen“, sagte Selenskyj. Damit solle Kiew gezwungen werden, mehr Bereitschaft zu Kompromissen zu zeigen. Er warnte, dass auch die Ukraine wirtschaftlichen Druck auf Russland ausüben könne: „Als sie unsere Stromversorgung angriffen, haben wir ihre Möglichkeiten zum Verkauf von Öl und Gas blockiert.“Allerdings wolle die Ukraine den diplomatischen Verhandlungsprozess neu starten. „Wir haben den September und Oktober, um zu reden“, sagte Selenskyj. „Ohne Dialog kann es kein Ergebnis geben.“ Er gehe davon aus, dass Trump einen Weg finden werde, um den Verhandlungsprozess noch vor dem Winter zu starten. 

Finnland errichtet 200 Kilometer langen Zaun an Grenze zu Russland Zur Abschreckung von illegalen Migranten aus Russland hat Finnland einen 200 Kilometer langen Zaun an der gemeinsamen Grenze errichtet. Dieser sei Bestandteil der Grenzsicherung und solle neben einer Überwachung auch dabei helfen, „Menschen bei Bedarf vom finnischen Hoheitsgebiet fernzuhalten“, sagte Innenministerin Mari Rantanen am Montag bei einer Veranstaltung nahe des Grenzübergangs Nuijamaa im Südosten des Landes. Der Stacheldrahtzaun ist 4,5 Meter hoch und mit Kameras und Sensoren ausgestattet.Finnland hatte im Dezember 2023 die Grenze zu Russland komplett geschlossen, nachdem mehr als 1300 Migranten ohne Visa versucht hatten, ins Land zu kommen. Helsinki warf Moskau vor, die Menschen als Teil einer „hybriden Kriegsführung“ gezielt an die Grenze geführt zu haben. Der Kreml wies die Anschuldigung zurück. 

Ukraine-Kontaktgruppe berät am Dienstag Die Unterstützer der Ukraine halten am Dienstagnachmittag eine virtuelle Sitzung ab. An den Beratungen nehmen unter anderen Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), sein britischer Kollege Wes Streeting, der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte und der US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby teil. Es handelt sich um die 36. Sitzung der Ukraine Defence Contact Group. Die Ukraine-Kontaktgruppe war nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine erstmals im April 2022 auf Einladung der USA auf deren Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein zusammengekommen. Seitdem trägt das Format als Koordinierungsstelle maßgeblich zur militärischen Unterstützung der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland bei. Dabei beteiligen sich auch Länder außerhalb der Nato. Im April vergangenen Jahres übernahmen Deutschland und Großbritannien gemeinsam die Leitung des Gremiums.