FAZ 09.09.2026
12:32 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj fordert Konsequenzen für russische Angriffe


Ukraine-Präsident: Angriffe auf zivile Ziele dürfen nicht ungestraft bleiben +++ Koalition setzt Grünen-Antrag zu russischer Schattenflotte ab +++ Wadephul: Ukraine muss mehr Rüstungsgüter bei deutschen Firmen kaufen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj fordert Konsequenzen für russische Angriffe

Peskow: Treffen von Trump, Putin und Xi geplant Am Rande eines Wirtschaftsgipfels in China könnte es im November zu einem Dreiertreffen zwischen US-Präsident Donald Trump, Kreml-Chef Wladimir Putin und Chinas Staatspräsident Xi Jinping kommen. Trump und Putin hätten bei einem Telefonat am Dienstag über die Möglichkeit eines solchen Dreiergipfels gesprochen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. „Diese potenzielle Möglichkeit ist schon früher erwähnt worden, und es wird eine solche Gelegenheit geben“, fügte er hinzu.Der diesjährige Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) findet am 18. und 19. November im chinesischen Shenzhen statt. Während Russland eine Teilnahme Putins bereits bestätigt hat, hat sich das Weiße Haus zu einer Reise von Trump nach China noch nicht geäußert.Im Ringen um ein Ende des Kriegs in der Ukraine laufen derzeit Gespräche zwischen Washington und Moskau. Die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner reisten dazu am vergangenen Wochenende nach Moskau sowie nach Kiew. Ein Durchbruch ist bisher noch nicht in Sicht.

Koalition setzt Grünen-Antrag zu russischer Schattenflotte ab Nachdem die Bundesregierung härtere Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte angekündigt hat, wurde am Mittwoch im Auswärtigen Ausschuss eine Abstimmung zu einem Antrag der Grünen dazu mit der Mehrheit der Koalition abgesetzt. „Es passt nicht zusammen, dass die Bundesregierung einen härteren Kurs gegen Russlands Schattenflotte ankündigt, die Koalition konkrete Maßnahmen dazu aber nicht einmal beraten will“, sagte die außenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Deborah Düring, der F.A.Z. Man habe „einen umfassenden Antrag zur Bekämpfung der russischen Schattenflotte in den Bundestag eingebracht“, sagte sie. Russland finanziere mit der Schattenflotte seinen Krieg gegen die Ukraine, gleichzeitig greife Russland Deutschland mit Sabotage und hybriden Angriffen an. „Die Bedrohung durch Russland ist nicht erst seit Leipzig real“, sagte Düring. Aus der Union wurde darauf verwiesen, dass es sich um einen üblichen Vorgang im Ausschuss handelt. Ähnlich war in der letzten Legislaturperiode auch die Ampel-Koalition mit Anträgen der Union verfahren.Anfang vergangener Woche hatte die Bundesregierung die Verantwortung für den Drohnen-Anschlag auf den Leipziger Flughafen Russland zugeschrieben und Konsequenzen angekündigt. Gegen Russland und seine Schattenflotte solle härter vorgegangen werden. Konkrete Maßnahmen dazu wurden allerdings nicht verkündet, zunächst wollte man sich mit den Partnern in der EU dazu absprechen. Die EU hat bislang nur 673 verdächtige Schiffe auf Sanktionslisten gesetzt, die tatsächliche Zahl der Flotte wird deutlich größer geschätzt. Während einzelne Staaten in der EU zunehmend robust vorgehen gegen vereinzelte Schiffe, blieb Deutschland zurückhaltender.Der Antrag der Grünen stammt aus dem April, darin hatten die Grünen auch „erhebliche Defizite bei der Durchsetzung geltenden Rechts und verhängter Sanktionen“ beklagt beim Vorgehen gegen die Schattenflotte. Sie forderten von der Bundesregierung unter anderem, der Bundespolizei, der Marine, dem Zoll und allen anderen beteiligten Sicherheitsbehörden „einen klaren Auftrag zu erteilen, die Kontrolle von verdächtigen Schiffen der russischen Schattenflotte – auch an Bord dieser Schiffe – zu intensivieren“. Verdächtige Schiffen sollten „bei Bedarf“ festgesetzt werden, „ggfs. auch in Kooperation mit unseren NATO-Partnern“. 

Abramowitsch scheitert abermals mit Klage gegen EU-SanktionenDer russische Oligarch Roman Abramowitsch ist zum dritten Mal mit einer Klage gegen die EU-Sanktionen gegen ihn gescheitert. Das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg wies die Klage am Mittwoch ab. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 war Abramowitsch wegen seiner Verbindungen zum Kreml mit Sanktionen belegt worden, sein Vermögen in der EU wurde eingefroren.Dagegen ging er gerichtlich vor. Schon in den Jahren 2023 und 2025 wies das EU-Gericht allerdings zwei seiner Klagen ab. Im aktuellen Fall ging es um die Verlängerung der Sanktionen ab 2025. Auch mit dieser Klage hatte Abramowitsch keinen Erfolg.Er argumentierte, dass seine Prominenz ein Grund für die Sanktionen sei. Er habe instrumentalisiert werden sollen. Das sah das Gericht aber anders. Es verwies darauf, dass Abramowitsch Hauptaktionär des russischen Stahl- und Bergbauriesen Ewars und außerdem am Bergbaukonzern Norisk Nickel beteiligt ist. Diese Industrien seien eine wesentliche Einnahmequelle für die russische Regierung.

Polen erhält US-Kredit für RüstungsgüterPolen erhält von den Vereinigten Staaten einen Kredit in Milliardenhöhe für die Anschaffung amerikanischer Rüstungsgüter. „Polen wird noch mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas übernehmen“, sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bei der gemeinsamen Unterzeichnung der Vereinbarung mit dem amerikanischen Staatssekretär Thomas DiNanno. Vorgesehen ist ein Darlehen in Höhe von umgerechnet 3,44 Milliarden Euro im Rahmen des Programms Foreign Military Financing (FMF).Kosiniak-Kamysz sagte, man werde die neue Finanzierungshilfe zur Anschaffung der „besten amerikanischen Rüstungsgüter“ verwenden, die man auch bisher schon gekauft habe, darunter Panzer vom Typ Abrams, Kampfjets vom Typ F-16 und Apache-Hubschrauber. Nach Angaben von DiNanno ist dies bereits der sechste Vertrag mit Polen im Rahmen des Programms FMF. Die Gesamt-Kreditsumme belaufe sich auf umgerechnet 17,2 Milliarden Euro.Das EU- und NATO-Mitglied Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine. Das Land sieht sich auch selbst von Moskau bedroht und rüstet daher massiv auf. 

Wadephul: Ukraine muss mehr Rüstungsgüter bei deutschen Firmen kaufenBundesaußenminister Johann Wadephul fordert von der Ukraine mehr Bestellungen ​bei deutschen Rüstungsfirmen. „Wir sind mittlerweile der stärkste Unterstützer der Ukraine, was finanzielle und militärische Unterstützung angeht. Und es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert“, sagt Wadephul der „Bild“. Das ⁠habe er auch bei seinem letzten Besuch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesagt. Das Mindeste sei, dass die Ukraine bei allen Beschaffungsmaßnahmen auch die deutsche Verteidigungsindustrie beteilige. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir nicht ganz zufrieden mit dem, was es an Bestellungen in Deutschland gibt“, sagt Wadephul. „Und deswegen haben wir jetzt die ukrainische Regierung gebeten, das zu überprüfen und dafür zu sorgen, dass es besser wird.“ 

Switolina: Padelklub in Kiew nach Angriff schwer beschädigtDer Padelklub von Elina Switolina in Kiew ist nach Angaben der ukrainischen Tennis-Weltranglistenneunten durch die Folgen eines russischen Angriffs schwer beschädigt worden. Die 31-Jährige veröffentlichte via Instagram Fotos eines Brands und einer weitgehend eingestürzten Decke, deren Teile auf den Plätzen lagen.„Mit dieser Nachricht möchte ich unsere internationalen Partner und Freunde erreichen, die uns, die ukrainischen Athleten, auf internationaler Bühne unterstützen und anfeuern, und um Unterstützung und konkrete Aktionen bitten, die helfen können, den Aggressor zu stoppen“, schrieb Switolina.

Brüssel erlaubt Ukraine Verwendung des EU-Kredits für Patriot-MunitionDer Ukraine mangelt es an Flugabwehrmunition, um russische Raketen abzufangen. Man habe in der vergangenen Nacht immerhin die meisten Drohnen und 31 von 32 Marschflugkörpern abgewehrt, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara vor einer Sitzung der Ukrainekontaktgruppe am Dienstag. Das Problem seien jedoch die ballistischen Raketen. Daher hoffe er, dass die Unterstützer Kiews weitere Munition für Patriotsysteme liefern werden, die am effektivsten gegen russische Raketen helfen. Derzeit stehen vor allem Griechenland und Spanien unter Druck, Patriotraketen aus eigenen Beständen nach Kiew liefern. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte angesichts des nahenden Winters die Lieferung weiterer Raketen aus Bundeswehrbeständen angekündigt. „Die Ukraine befindet sich in einem Wettlauf ⁠mit der Zeit. Der Winter kommt“, sagte der SPD-Politiker vor dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe. Man müsse damit rechnen, dass die russischen Luftangriffe mit sinkenden Temperaturen wieder zunehmen ‌würden. Deutschland werde daher dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen für das Patriot-System sowie eine größere Stückzahl an AIM-9-Luft-Luft-Raketen liefern. Pistorius appellierte an die Verbündeten, ebenfalls ihre Bestände zu prüfen. „Wenn Sie im Zweifel sind, entscheiden ‌Sie sich für die Ukraine.“ Großbritannien kündigte an, 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen Euro) für die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat die EU am Dienstag zugestimmt, dass die Ukraine einen Teil ihres 90-Milliarden-Darlehens aus Brüssel für den Kauf von in den USA hergestellten Patriotraketen verwenden darf. „Ich begrüße die Einigung der Mitgliedstaaten über die Ausnahmeregelung für die Ukraine, entscheidende Produkte für Patriot-Luftverteidigungssysteme zu erwerben“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag auf der Plattform X. Der Schritt erlaube Kiew, die nächste Kredit-Tranche in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zu nutzen, „um seinen Luftraum besser vor den wahllosen Angriffen Russlands zu schützen“. Das EU-Darlehen für die Ukraine sieht eigentlich vor, dass das Geld in erster Linie für in Europa gebaute Waffen ausgegeben werden soll. 

Ungarn verweist zehn russische Diplomaten des LandesDie ungarische Regierung hat zehn russische Diplomaten des Landes verwiesen. Außenministerin Anita Orbán erklärte am Dienstagvormittag auf Facebook, die betreffenden Personen hätten „in Ungarn Tätigkeiten ausgeübt, die gemäß dem Wiener Übereinkommen für Diplomaten nicht zulässig sind“. Auch wenn die Außenministerin nicht ausführte, was unter den „nicht zulässigen“ Tätigkeiten zu verstehen ist, gehen ungarische Medien davon aus, dass es um geheimdienstliche Tätigkeiten vor der Parlamentswahl im vergangenen April geht. Laut einer damaligen Recherche des regierungskritischen russischen Portals „Agentstwo“ waren mindestens 15 von 47 seinerzeitigen Angestellten der Botschaft mit russischen Geheimdiensten verbunden. Der ungarische Investigativjournalist Szabolcs Panyi berichtete schon vorher, dass der russische Militärgeheimdienst GRU im Januar drei Personen in Budapest platziert habe. Dies sei mit der Absicht geschehen, den Wahlausgang zugunsten des damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu beeinflussen. Außenministerin Orbán betonte am Dienstag, dass die Ausweisung der Diplomaten „keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Russland“ bedeute. Ungarn beabsichtige, „den notwendigen Dialog auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und der Einhaltung der Regeln weiterhin aufrechtzuerhalten“. Russlands Außenamtsprecherin Marija Sacharowa kündigte am Dienstagmittag an, Russlands Reaktion auf den ungarischen Schritt werde „hart und schmerzhaft“ sein.   

Selenskyj hofft auf Treffen mit Trump im SeptemberDer ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hofft auf ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump noch in diesem Monat. Er wolle mit Trump über ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sprechen, sagte Selenskyj am Dienstag zu Journalisten. Er gehe davon aus, dass das Treffen nach dem 20. September stattfinden werde.Die Ukraine ist auf Patriot-Raketen aus US-Produktion angewiesen, um sich gegen die heftigen russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew hat aber einen zunehmenden Mangel an den Abfangraketen gemeldet, seitdem die USA im Februar den Irankrieg begonnen und ihre Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet haben. 

London sagt Kiew neue Patriot-Raketen zu Großbritannien hat der Ukraine zur Stärkung ihrer Luftverteidigung ein Rüstungspaket im Umfang von 100 Millionen Pfund (116,4 Millionen Euro) zugesagt. Kiew werde noch vor dem Winter Patriot-Raketen sowie großkalibrige Artilleriegeschosse und Drohnen erhalten, teilte das Verteidigungsministerium in London am Dienstag mit. Die Militärhilfe im Rahmen eines NATO-Programms zur Unterstützung der Ukraine solle dem Land dabei helfen, „seine kritische nationale Infrastruktur, unschuldige Zivilisten und Streitkräfte vor russischen Angriffen zu schützen“.Die Ukraine ist auf die Patriot-Systeme aus amerikanischer Produktion angewiesen, um sich gegen die massiven russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew hat aber einen zunehmenden Mangel an den Abfangraketen gemeldet, seitdem die USA im Februar den Irankrieg begonnen und ihre Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet haben. Großbritannien gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen Russland. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting wird am Dienstagnachmittag zusammen mit seinem deutschen Kollegen Boris Pistorius (SPD) eine virtuelle Sitzung der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe leiten. An den Beratungen nehmen auch der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby teil. 

Angriff auf PassagierzugIn der Nacht wurde auch abermals ein Passagierzug angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn kam es wurden alle Passagiere rechtzeitig evakuiert. Deshalb wurde niemand verletzt. Der Zug verkehrte auf der Strecke Kiew-Sumy. 

Selenskyj spricht von zehn Verletzten und zwei Toten Der ukrainische Präsident hat auf seinem Telegramkanal Fotos der Rettungsarbeiten in der Angriffsnacht veröffentlicht. Ihm zufolge kamen zwei Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Trotz „sehr guter Ergebnisse“ der Flugabwehr bei den Marschflugkörpern sei die Abwehr ballistischer Raketen weiterhin „schwierig“. „Wir machen unseren Partnern deutlich, wie dringend wir Abfangraketen brauchen“, schrieb Selenskyj.  

Luftstreitkräfte berichten über Abwehr von 31 MarschflugkörpernDie ukrainischen Luftstreitkräfte haben am Morgen nach der jüngsten Angriffsnacht ihre Statistik veröffentlicht. Demnach konnten 142 Drohnen, 31 Marschflugkörper und 2 ballistische Raketen abgewehrt werden. Der Angriff richtete sich demnach vorwiegend gegen Kiew und Odessa. Den Angaben zufolge entstanden an 29 Orten Schäden durch Einschläge, an weiteren 9 Orten durch den Absturz von Trümmern. 

Rauchschwaden über Kiew nach heftiger AngriffsnachtDer Himmel über der ukrainischen Hauptstadt ist nach einer heftigen Angriffsnacht mit Rauchschwaden bedeckt. Nach dem Ende eines mit dem Besuch der amerikanischen Gesandten in Verbindung stehenden Angriffsstopps hat Russland Kiew in der Nacht zu Dienstag umso intensiver angegriffen. Es schlugen offenbar Drohnen mit Strahlantrieb, ballistische Raketen und Marschflugkörper ein.  Ersten Angaben vom Morgen zufolge kamen zwei Zivilisten ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen stark ansteigen werden.