FAZ 09.09.2026
09:24 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Russland greift Grenze zu Moldau an


Zwei Tote bei Drohnenangriff +++ Wadephul: Ukraine muss mehr Rüstungsgüter bei deutschen Firmen kaufen +++ Ungarn verweist zehn russische Diplomaten des Landes +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Russland greift Grenze zu Moldau an

Selenskyj: Terror durch Drohnen und Raketen darf nicht ungestraft bleibenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine internationale Reaktion auf russische Angriffe auf zivile Objekte gefordert. Er schrieb am Mittwoch in sozialen Medien, Moskau dürfe nicht mit der Gewissheit in den Winter gehen, „dass der Terror durch Raketen und Drohnen einfach so ungestraft bleibt“. Durch einen russischen Angriff auf einen ukrainischen Grenzübergang zur Republik Moldau wurden in der Nacht zu Mittwoch zwei Zivilisten getötet und weitere verletzt. Bei dem Drohneneinschlag wurden wartende Fahrzeuge und Busse beschädigt. Es brach ein Brand aus, die Abfertigung wurde vorübergehend eingestellt. Nach Angaben der Grenzschutzbehörde hat Russland in den vergangenen Wochen bereits vier andere Grenzübergänge gezielt angegriffen. Abermals nahm Russland auch Passagierzüge unter Beschuss. Am Mittwochmorgen wurde ein Zug auf der Strecke Charkiw-Isjum von einer Drohne getroffen, sechs Menschen wurden verletzt.  Durch Angriffe mit First-Person-View-Drohnen kamen zudem Zivilisten in den frontnahen Gebieten Saporischschja und Cherson ums Leben. In Kiew wurde am Mittwochmorgen ein Wohnhochhaus von einer Drohne getroffen. Dort wurden fünf Zivilisten verletzt, darunter eine schwangere Frau. Im Gebiet Mykolajiw kam eine Frau durch russische Angriffe ums Leben, weitere Zivilisten wurden verletzt. Die ukrainischen Luftstreitkräfte berichteten über die Abwehr von 165 russischen Drohnen in der Nacht zu Mittwoch. Derweil griff die Ukraine den russischen Marinestützpunkt in Noworossijsk abermals an. Nach Angaben von Präsident Selenskyj wurden dort russische Kriegsschiffe getroffen, von denen Kalibr-Marschflugkörper abgefeuert werden können. Auch ein Ölexportterminal sei getroffen worden. 

Wadephul: Ukraine muss mehr Rüstungsgüter bei deutschen Firmen kaufenBundesaußenminister Johann Wadephul fordert von der Ukraine mehr Bestellungen ​bei deutschen Rüstungsfirmen. „Wir sind mittlerweile der stärkste Unterstützer der Ukraine, was finanzielle und militärische Unterstützung angeht. Und es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert“, sagt Wadephul der „Bild“. Das ⁠habe er auch bei seinem letzten Besuch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesagt. Das Mindeste sei, dass die Ukraine bei allen Beschaffungsmaßnahmen auch die deutsche Verteidigungsindustrie beteilige. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir nicht ganz zufrieden mit dem, was es an Bestellungen in Deutschland gibt“, sagt Wadephul. „Und deswegen haben wir jetzt die ukrainische Regierung gebeten, das zu überprüfen und dafür zu sorgen, dass es besser wird.“ 

Switolina: Padelklub in Kiew nach Angriff schwer beschädigtDer Padelklub von Elina Switolina in Kiew ist nach Angaben der ukrainischen Tennis-Weltranglistenneunten durch die Folgen eines russischen Angriffs schwer beschädigt worden. Die 31-Jährige veröffentlichte via Instagram Fotos eines Brands und einer weitgehend eingestürzten Decke, deren Teile auf den Plätzen lagen.„Mit dieser Nachricht möchte ich unsere internationalen Partner und Freunde erreichen, die uns, die ukrainischen Athleten, auf internationaler Bühne unterstützen und anfeuern, und um Unterstützung und konkrete Aktionen bitten, die helfen können, den Aggressor zu stoppen“, schrieb Switolina.

Brüssel erlaubt Ukraine Verwendung des EU-Kredits für Patriot-MunitionDer Ukraine mangelt es an Flugabwehrmunition, um russische Raketen abzufangen. Man habe in der vergangenen Nacht immerhin die meisten Drohnen und 31 von 32 Marschflugkörpern abgewehrt, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara vor einer Sitzung der Ukrainekontaktgruppe am Dienstag. Das Problem seien jedoch die ballistischen Raketen. Daher hoffe er, dass die Unterstützer Kiews weitere Munition für Patriotsysteme liefern werden, die am effektivsten gegen russische Raketen helfen. Derzeit stehen vor allem Griechenland und Spanien unter Druck, Patriotraketen aus eigenen Beständen nach Kiew liefern. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte angesichts des nahenden Winters die Lieferung weiterer Raketen aus Bundeswehrbeständen angekündigt. „Die Ukraine befindet sich in einem Wettlauf ⁠mit der Zeit. Der Winter kommt“, sagte der SPD-Politiker vor dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe. Man müsse damit rechnen, dass die russischen Luftangriffe mit sinkenden Temperaturen wieder zunehmen ‌würden. Deutschland werde daher dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen für das Patriot-System sowie eine größere Stückzahl an AIM-9-Luft-Luft-Raketen liefern. Pistorius appellierte an die Verbündeten, ebenfalls ihre Bestände zu prüfen. „Wenn Sie im Zweifel sind, entscheiden ‌Sie sich für die Ukraine.“ Großbritannien kündigte an, 100 Millionen Pfund (rund 135 Millionen Euro) für die ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat die EU am Dienstag zugestimmt, dass die Ukraine einen Teil ihres 90-Milliarden-Darlehens aus Brüssel für den Kauf von in den USA hergestellten Patriotraketen verwenden darf. „Ich begrüße die Einigung der Mitgliedstaaten über die Ausnahmeregelung für die Ukraine, entscheidende Produkte für Patriot-Luftverteidigungssysteme zu erwerben“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag auf der Plattform X. Der Schritt erlaube Kiew, die nächste Kredit-Tranche in Höhe von 3,2 Milliarden Euro zu nutzen, „um seinen Luftraum besser vor den wahllosen Angriffen Russlands zu schützen“. Das EU-Darlehen für die Ukraine sieht eigentlich vor, dass das Geld in erster Linie für in Europa gebaute Waffen ausgegeben werden soll. 

Ungarn verweist zehn russische Diplomaten des LandesDie ungarische Regierung hat zehn russische Diplomaten des Landes verwiesen. Außenministerin Anita Orbán erklärte am Dienstagvormittag auf Facebook, die betreffenden Personen hätten „in Ungarn Tätigkeiten ausgeübt, die gemäß dem Wiener Übereinkommen für Diplomaten nicht zulässig sind“. Auch wenn die Außenministerin nicht ausführte, was unter den „nicht zulässigen“ Tätigkeiten zu verstehen ist, gehen ungarische Medien davon aus, dass es um geheimdienstliche Tätigkeiten vor der Parlamentswahl im vergangenen April geht. Laut einer damaligen Recherche des regierungskritischen russischen Portals „Agentstwo“ waren mindestens 15 von 47 seinerzeitigen Angestellten der Botschaft mit russischen Geheimdiensten verbunden. Der ungarische Investigativjournalist Szabolcs Panyi berichtete schon vorher, dass der russische Militärgeheimdienst GRU im Januar drei Personen in Budapest platziert habe. Dies sei mit der Absicht geschehen, den Wahlausgang zugunsten des damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu beeinflussen. Außenministerin Orbán betonte am Dienstag, dass die Ausweisung der Diplomaten „keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Russland“ bedeute. Ungarn beabsichtige, „den notwendigen Dialog auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und der Einhaltung der Regeln weiterhin aufrechtzuerhalten“. Russlands Außenamtsprecherin Marija Sacharowa kündigte am Dienstagmittag an, Russlands Reaktion auf den ungarischen Schritt werde „hart und schmerzhaft“ sein.   

Selenskyj hofft auf Treffen mit Trump im SeptemberDer ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hofft auf ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump noch in diesem Monat. Er wolle mit Trump über ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sprechen, sagte Selenskyj am Dienstag zu Journalisten. Er gehe davon aus, dass das Treffen nach dem 20. September stattfinden werde.Die Ukraine ist auf Patriot-Raketen aus US-Produktion angewiesen, um sich gegen die heftigen russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew hat aber einen zunehmenden Mangel an den Abfangraketen gemeldet, seitdem die USA im Februar den Irankrieg begonnen und ihre Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet haben. 

London sagt Kiew neue Patriot-Raketen zu Großbritannien hat der Ukraine zur Stärkung ihrer Luftverteidigung ein Rüstungspaket im Umfang von 100 Millionen Pfund (116,4 Millionen Euro) zugesagt. Kiew werde noch vor dem Winter Patriot-Raketen sowie großkalibrige Artilleriegeschosse und Drohnen erhalten, teilte das Verteidigungsministerium in London am Dienstag mit. Die Militärhilfe im Rahmen eines NATO-Programms zur Unterstützung der Ukraine solle dem Land dabei helfen, „seine kritische nationale Infrastruktur, unschuldige Zivilisten und Streitkräfte vor russischen Angriffen zu schützen“.Die Ukraine ist auf die Patriot-Systeme aus amerikanischer Produktion angewiesen, um sich gegen die massiven russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew hat aber einen zunehmenden Mangel an den Abfangraketen gemeldet, seitdem die USA im Februar den Irankrieg begonnen und ihre Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet haben. Großbritannien gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in ihrem Verteidigungskrieg gegen Russland. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting wird am Dienstagnachmittag zusammen mit seinem deutschen Kollegen Boris Pistorius (SPD) eine virtuelle Sitzung der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe leiten. An den Beratungen nehmen auch der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby teil. 

Angriff auf PassagierzugIn der Nacht wurde auch abermals ein Passagierzug angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn kam es wurden alle Passagiere rechtzeitig evakuiert. Deshalb wurde niemand verletzt. Der Zug verkehrte auf der Strecke Kiew-Sumy. 

Selenskyj spricht von zehn Verletzten und zwei Toten Der ukrainische Präsident hat auf seinem Telegramkanal Fotos der Rettungsarbeiten in der Angriffsnacht veröffentlicht. Ihm zufolge kamen zwei Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Trotz „sehr guter Ergebnisse“ der Flugabwehr bei den Marschflugkörpern sei die Abwehr ballistischer Raketen weiterhin „schwierig“. „Wir machen unseren Partnern deutlich, wie dringend wir Abfangraketen brauchen“, schrieb Selenskyj.  

Luftstreitkräfte berichten über Abwehr von 31 MarschflugkörpernDie ukrainischen Luftstreitkräfte haben am Morgen nach der jüngsten Angriffsnacht ihre Statistik veröffentlicht. Demnach konnten 142 Drohnen, 31 Marschflugkörper und 2 ballistische Raketen abgewehrt werden. Der Angriff richtete sich demnach vorwiegend gegen Kiew und Odessa. Den Angaben zufolge entstanden an 29 Orten Schäden durch Einschläge, an weiteren 9 Orten durch den Absturz von Trümmern. 

Rauchschwaden über Kiew nach heftiger AngriffsnachtDer Himmel über der ukrainischen Hauptstadt ist nach einer heftigen Angriffsnacht mit Rauchschwaden bedeckt. Nach dem Ende eines mit dem Besuch der amerikanischen Gesandten in Verbindung stehenden Angriffsstopps hat Russland Kiew in der Nacht zu Dienstag umso intensiver angegriffen. Es schlugen offenbar Drohnen mit Strahlantrieb, ballistische Raketen und Marschflugkörper ein.  Ersten Angaben vom Morgen zufolge kamen zwei Zivilisten ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen stark ansteigen werden. 

Russland: Mehrere Verletzte bei ukrainischem Drohnenangriff auf SaratowBei einem ‌ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Stadt Saratow an der Wolga wird zivile Infrastruktur getroffen; mehrere Menschen werden verletzt. Das ‌teilt der regionale ‌Gouverneur Roman Busargin auf dem Messenger-Dienst Telegram mit. In der Region Saratow befinden sich eine große Ölraffinerie des staatlichen Ölkonzerns ​Rosneft sowie weitere industrielle und ⁠militärische Anlagen.

Russland setzt Angriffe auf Kiew nach dreitägiger Pause fortNach dem Ende einer dreitägigen Angriffspause wegen des Besuchs ranghoher US-Vermittler in Kiew hat Russland seine Attacken auf die ukrainische Hauptstadt ukrainischen Angaben zufolge wieder aufgenommen. Die russische Armee habe die Bezirke Boryspil und Fastiw mit Drohnen angegriffen, teilte der ukrainische Katastrophenschutz am späten Montagabend im Onlinedienst Telegram mit. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass hatte zuvor bestätigt, dass die von Russlands Staatschef Wladimir Putin angeordnete Angriffspause abgelaufen sei.Kiews Militärverwaltung teilte mit, dass wegen der Gefahr eines Drohnenangriffs durch den „Feind“ Luftalarm in der Hauptstadt ausgelöst worden sei. Sie forderte die Bewohner auf, Schutzräume aufzusuchen.

Ukrainischer Generalstaatsanwalt tritt zurückDer ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko hat im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in seiner Behörde seinen Rücktritt angekündigt. „Das ist eine politische Entscheidung“, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal. „Ich möchte nicht, dass das Amt des Generalstaatsanwalts als Instrument politischer Auseinandersetzungen missbraucht wird.“ Seine Haltung zu den Vorwürfen, die er bereits mehrfach zurückgewiesen hatte, bleibe unverändert.Wenige Stunden zuvor hatte Krawtschenko nach Angaben ukrainischer Medien einen möglichen Rücktritt noch abgelehnt und erklärt, dass er von diesem Posten nur abberufen werden könne.Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform hatten Sonderermittler eine kriminelle Vereinigung unter der Führung des Leiters einer Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft aufgedeckt, die angeblich Bestechungsgelder kassierte. Krawtschenko wies jede Verstrickung in diese Affäre zurück.