FAZ 11.03.2026
03:54 Uhr

Liveblog UkraineKrieg: Sechs Tote bei Angriff auf russische Raketenfabrik


Merz lehnt Lockerung der Sanktionen gegen Russland ab +++ Trump will wegen Irankrieg bestimmte Ölsanktionen aussetzen +++ Bericht: Pistorius organisiert 30 Patriot-Lenkflugkörper für Ukraine +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog UkraineKrieg: Sechs Tote bei Angriff auf russische Raketenfabrik

Gouverneur: Sechs Tote bei ukrainischem Angriff im Westen RusslandIn der Stadt russischen Brjansk sind nach russischen Angaben mehrere Menschen bei einem ukrainischen Raketenangriff getötet worden. Sechs Zivilisten seien ums Leben gekommen und 37 weitere verletzt worden, schrieb Gouverneur der westrussischen Region, Alexander Bogomas, bei Telegram. Er warf der Ukraine Terror vor. Brjansk liegt nur knapp 100 Kilometer von der Grenze entfernt.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von völlig gerechtfertigten Reaktionen. Eine der wichtigsten russischen Militärfabriken in Brjansk sei getroffen worden, erklärte er in einer Videobotschaft. Die Fabrik stelle Elektronik und Teile für russische Raketen her. Mit den Raketen greife Russland Städte, Dörfer und die Zivilbevölkerung der Ukraine an. „Wir verteidigen uns“, sagte Selenskyj. Moskau habe die Möglichkeit, den Krieg, den es begonnen habe, zu beenden.

Nächste Gesprächsrunde zwischen Ukraine und Russland  Die USA haben nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine neue Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine und Russland zur Beendigung des Ukraine-Krieges vorgeschlagen. „Wir gehen davon aus, dass das Treffen nächste Woche stattfindet“, sagte Selenskyj am Dienstag. Es könnte demnach in der Schweiz oder in der Türkei stattfinden. „Aber wir werden sehen, was im Nahen Osten passiert“, sagte Selenskyj mit Blick auf den Irankrieg. Ursprünglich waren die Gespräche bereits für die vergangene Woche in den Vereinigten Arabischen Emiraten geplant.Zuvor hatte Selenskyj auf der Plattform X erklärt, mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert zu haben. Dabei habe sich die Türkei bereit erklärt, das neue trilaterale Treffen auszurichten.

Ungarn gibt Bargeld nicht herausIm Streit über die von Ungarn festgesetzten ukrainischen Geldtransporte hat die Regierung in Budapest nun auch rechtlich reagiert. Am Montagabend unterzeichnete Ministerpräsident Viktor Orbán ein Dekret, das den Finanzbehörden 60 Tage Zeit gibt, die Hintergründe des Bargeldtransfers zu ermitteln. Der ungarische Rechtsanwalt Lóránt Horváth, der die Interessen der ukrainischen Oschadbank in dem Fall vertritt, nannte den Schritt das faktische Eingeständnis der Regierung, dass die ukrainischen Vermögenswerte unrechtmäßig sichergestellt worden seien. Mitten im Streit zwischen Budapest und Kiew über die Öllieferungen durch die Druschba-Pipeline hatten unga­rische Spezialkräfte am Donnerstag zwei Geldtransporter der staatlichen ukrainischen Oschadbank auf einer Autobahnraststätte festgesetzt. Sieben Ukrai­ner wurden festgenommen und Bargeld und Gold im Wert von rund 70 Millionen Euro sichergestellt. Die sieben Personen kamen bald wieder frei, die ungarischen Behörden verweigern aber weiter die Rückgabe von Geld und Transportfahrzeugen.

UN sieht Verschleppung von Kindern als KriegsverbrechenDie Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland und Belarus stellt einer UN-Kommission zufolge ein Kriegsverbrechen und ⁠ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Taten seien weitverbreitet, systematisch und von höchsten russischen Regierungskreisen koordiniert, heißt es in dem Bericht der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission zur Ukraine. Von 1205 untersuchten Fällen seien 80 Prozent der Kinder noch nicht zurückgekehrt. Teilweise würden sie militärisch ausgebildet und zum Kampf gegen die eigenen Truppen gezwungen. ‌Eine russische Stellungnahme dazu liegt zunächst nicht vor. Die Regierung in Moskau hatte zuvor bestritten, Kinder gegen ihren Willen mitzunehmen. Vielmehr habe es sich um freiwillige Evakuierungen gehandelt, um Menschen aus einem Kriegsgebiet zu bringen. 

Türkei will Friedensgespräche ausrichtenDie Türkei ist nach ⁠Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereit, die nächste Runde der Friedensgespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA auszurichten. Dies habe ihm der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat gesagt, schreibt Selenskyj auf Facebook. „Wir schätzen diese Initiative und hoffen, ‌dass sie Ergebnisse bringen kann.“ 

„Stehen auf der Seite der Ukraine\"Bundeskanzler Friedrich Merz lehnt eine Lockerung der ​Sanktionen gegen Russland wegen weltweit steigender Ölpreise ab. „Ich teile ⁠die Hoffnung des amerikanischen Präsidenten, dass dieser Krieg schnell zu Ende geht“, sagte Merz am Dienstag in Berlin. „Und wenn er ‌schnell zu Ende geht, dann werden wir auch relativ schnell eine Normalisierung wieder an den Ölmärkten und Energiemärkten sehen“, fügte der ‌Kanzler hinzu. „Deswegen gibt ‌es aus unserer Sicht, auch aus meiner Sicht, keine Veranlassung, über eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland nachzudenken.“„Vor die Wahl gestellt, Sanktionen ​oder Solidarität, dann steht unsere ⁠Haltung fest: Wir stehen auf der Seite der Ukraine und sind auch bereit, notfalls ​eine solche Phase durchzustehen“, sagte Merz. Die Hilfe für die Ukraine ⁠dürfe nicht unterbrochen werden. ‌Russland werde sich nur bewegen, wenn man den Druck auf die Regierung in Moskau erhöhe.Auch die EU hat sich gegen eine Lockerung der Sanktionen gegen russisches Öl ausgesprochen. „Wir müssen weiter maximalen Druck auf Russland ausüben“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis am Dienstag in Brüssel. Eine Lockerung der Öl-Sanktionen wäre „kontraproduktiv“ und würde „Russlands Fähigkeit zur Kriegsführung stärken“, argumentierte Dombrovskis. Es sei „sehr wichtig“, den Ölpreisdeckel für russisches Öl „strengstens durchzusetzen“.

Vier Tote bei russischem Angriff auf SlowjanskDurch russische Gleitbomben sind im Zentrum der ostukrainischen Stadt Slowjansk mindestens vier Menschen getötet worden. Weitere 16 seien verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung, Wadym Ljach, bei Facebook mit. Insgesamt seien drei russische Bomben eingeschlagen. Den Angaben nach wurden zudem sechs Wohnhäuser und zehn Autos beschädigt. Die russisch-ukrainische Frontlinie ist noch etwa 20 Kilometer von der Stadt im Gebiet Donezk entfernt. Die Ukraine wehrt sich seit etwas mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. 

Region Dnipropetrowsk fast komplett wieder unter ukrainischer KontrolleInfolge von Gegenangriffen ist die südostukrainische Region Dnipropetrowsk nach Militärangaben beinahe komplett wieder unter Kontrolle Kiews. Drei kleinere Siedlungen seien noch in russischer Hand und zwei weitere müssten überprüft werden, sagte der im Kiewer Generalstab arbeitende General Olexander Komarenko in einem Interview der Nachrichtenagentur RBK Ukraine. Aufgrund der ukrainischen Vorstöße gebe es für den Februar eine positive Dynamik. „Es wurde mehr Territorium befreit, als verloren“, unterstrich Komarenko. Mehr als 400 Quadratkilometer seien zurückerobert worden. Die Gesamtlage sei weiter „schwierig, aber kontrollierbar“.Seit mehreren Wochen laufen in den Gebieten Saporischschja und Dnipropetrowsk ukrainische Gegenangriffe. Die Führung in Kiew betont die Erfolge. Ukrainische Militärbeobachter bewerten die Fortschritte zurückhaltender. Die Ukraine wehrt sich seit etwas mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. 

Mindestens 14 Verletzte in der Ukraine durch DrohnenDurch russische Drohnenangriffe sind in der Ukraine nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen verletzt worden. In der Großstadt Dnipro im Süden sei ein Wohnblock beschädigt worden, teilte der Gouverneur des Gebietes Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf Telegram mit. Zehn Menschen, darunter ein zwölfjähriger Junge, seien verletzt worden. Schäden habe es auch an einem Verwaltungsgebäude gegeben.In der Großstadt Charkiw im Osten der Ukraine wurden vier Menschen verletzt, als Drohnen einen Stadtteil mit Einfamilienhäusern trafen, wie Bürgermeister Ihor Terechow mitteilte.Die ukrainische Luftwaffe ortete nach eigenen Angaben in der Nacht 137 angreifende Drohnen aus Russland. 122 von ihnen seien abgefangen worden. An zehn Orten habe es aber Einschläge gegeben. Das russische Militär in Moskau wiederum teilte mit, in der Nacht seien 17 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Russland überzieht das Nachbarland seit mehr als vier Jahren mit Krieg. 

Kiew bestellt ungarischen Botschafter einNach der Beschlagnahmung eines ukrainischen Geldtransporters in Ungarn und der Festnahme von sieben Begleitern hat das ukrainische Außenministerium den ungarischen Botschafter einbestellt. In einer Protestnote warf Kiew Budapest unter anderem Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention im Umgang mit ukrainischen Staatsbürgern vor, wie die Behörde mitteilte. Ungarn wird illegale Festnahme, Einschüchterung und übermäßige Gewaltanwendung vorgeworfen. Die ungarische Polizei hatte in der vergangenen Woche zwei Geldtransporter mit sieben Mitarbeitern der staatlichen ukrainischen Sparkasse kurzzeitig festgesetzt und Geldwäschevorwürfe erhoben. Trotz eines offiziellen Antrags sei ukrainischen Konsularbeamten kein Zugang zu den Festgenommenen gewährt worden, hieß es nun aus dem Kiewer Außenministerium. 

Bericht: Pistorius organisiert mehr als 30 Patriot-Lenkflugkörper für die UkraineDie Ukraine kann in den nächsten Wochen mit einem dringend benötigten Paket von Patriot-Flugabwehrraketen aus Europa rechnen. Nach Informationen des „Spiegels“ ist es Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gelungen, bei mehreren europäischen Partnern um die 30 Lenkflugkörper der neuesten Bauart PAC-3 loszueisen. Zusammen mit einer Handvoll der weltweit knappen High-Tech-Raketen vom Typ PAC-3 aus Bundeswehrbeständen sollen so schnell wie möglich um die 35 der Abfangraketen in die Ukraine geliefert werden.Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte die geplante Lieferung des neuen Pakets auf eine entsprechende Anfrage des Magazins. Demnach sei es gelungen, die europäischen Partner zu einer Lieferung von weiteren PAC-3-Raketen zu bewegen, »die sich nahe an der geplanten Zielmarke befindet«. Aus Sicherheitsgründen wollte der Sprecher nicht sagen, wie groß das neue Paket genau ist und wann es in die Ukraine geliefert werden soll.

Trump will wegen Irankrieg bestimmte Ölsanktionen aussetzenAngesichts der gestiegenen Ölpreise im Irankrieg will US-Präsident Donald Trump einige Ölsanktionen seines Landes aussetzen. Die Vereinigten Staaten würden „bestimmte ölbezogene Sanktionen aussetzen, um die Preise zu senken“, sagte Trump am Montag in Doral im US-Bundesstaat Florida. Der US-Präsident äußerte sich nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Ukraine-Krieg. Es sei ein „positives Gespräch“ gewesen, sagte Trump.„Wir werden diese Sanktionen aufheben, bis sich die Lage wieder normalisiert“, sagte Trump weiter. Er äußerte sich nicht dazu, welches Land oder welche Länder von dem Schritt profitieren könnten. US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Freitag gegenüber dem Sender Fox News eine mögliche Ausnahmeregelung für russisches Öl angedeutet.Die USA hatten im Oktober Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil verhängt. Washington begründete dies mit der Weigerung Putins, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Vergangenen Donnerstag sagte Trump dann, Putin sei „bereit, einen Deal zu machen“. Er drängte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, einer Einigung nicht im Wege zu stehen.

Russische Drohne verletzt sechs Menschen in CharkiwEine russische Drohne ‌trifft ‌in der ukrainischen Großstadt Charkiw ein Gebiet nahe ​einem Hochhaus. ⁠Sechs Menschen werden verletzt, darunter ein Kleinkind, ​teilt Bürgermeister Ihor Terechow ⁠mit. Die Drohne ‌zerschmettert Fensterscheiben und setzt Autos in ⁠Brand. Bei einem ⁠separaten russischen Beschuss der ⁠südöstlichen ​Stadt ⁠Dnipro werden ​nach Angaben von ‌Gouverneur Oleksandr Hanzha sieben Menschen ​verletzt.