FAZ 21.05.2026
09:17 Uhr

Liveblog Irankrieg: Wadephul nennt Verhalten von israelischem Polizeiminister „unsäglich“


Video von gedemütigten Aktivisten löst international Kritik aus +++ Berichte über Streit zwischen Trump und Netanjahu +++ 26 Schiffe haben laut Iran Straße von Hormus passiert +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Wadephul nennt Verhalten von israelischem Polizeiminister „unsäglich“

Israelische Spitzendiplomatin in London einbestellt Nach der international scharf kritisierten Behandlung von pro-palästinensischen Aktivisten einer von Israel abgefangenen Gaza-Hilfsflotte hat Großbritannien die Geschäftsträgerin der israelischen Botschaft einbestellt. „Dieses Verhalten ⁠verstößt gegen die grundlegendsten Normen des Respekts und der Würde gegenüber Menschen“, erklärt das britische Außenministerium. „Wir sind zudem zutiefst besorgt über die dargestellten Haftbedingungen und haben von den israelischen Behörden eine Erklärung verlangt. Wir haben ihnen ihre Verpflichtung zum Schutz der Rechte aller Beteiligten deutlich gemacht.“

Polen bestellt israelischen Geschäftsträger einNach der Verbreitung eines Videos von festgenommenen Aktivisten einer Gaza-Hilfsflotte durch den rechtsextremen israelischen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir hat Polen den israelischen Geschäftsträger in Warschau einbestellt. Außenminister Radoslaw Sikorski erklärte am Donnerstag im Onlinedienst X, er habe die unverzügliche Einbestellung des Diplomaten angeordnet, um „unsere Empörung“ auszudrücken und eine Entschuldigung für das „äußerst unangemessene Verhalten eines Mitglieds der israelischen Regierung“ zu verlangen.Zugleich forderte Sikorski die „sofortige Freilassung“ der polnischen Staatsbürger unter den festgenommenen Aktivisten sowie deren Behandlung gemäß internationalen Standards. Bereits am Dienstagabend hatte er „Gerechtigkeit“ für seine Landsleute verlangt. Der polnische Chefdiplomat machte jedoch keine Angaben zu deren Anzahl. 

Israel beginnt mit Abschiebung Hunderter Gaza-AktivistenIsrael hat mit der Abschiebung Hunderter Gaza-Aktivisten begonnen. Die Menschenrechtsorganisation Adalah teilte mit, alle Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte seien aus dem Gefängnis entlassen worden und nun auf dem Weg zur Abschiebung aus Israel. Die meisten von ihnen sollten demnach vom Ramon-Flughafen im Süden Israels aus ausfliegen. Adalah warf Israel Folter, Demütigung und unrechtmäßige Haft friedlicher Aktivisten vor. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete unter Berufung auf Adalah, vier Aktivisten seien bereits über den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ausgeflogen. 

Weitere Hinrichtungen in IranIn Iran sind abermals zwei Männer hingerichtet worden. Nach Angaben des Justizportals „Misan“ sollen die beiden „Mitglieder terroristischer Gruppen“ gewesen sein und einen bewaffneten Aufstand organisiert haben. Dies habe die nationale Sicherheit gefährdet. Die Hinrichtungen wurden vollstreckt, nachdem der Oberste Gerichtshof die Todesurteile bestätigt hatte. Die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen sprach von kurdischen politischen Gefangenen. 

Teheran wertet Antwort aus den USA aus Iran prüft ⁠nach eigenen Angaben die jüngsten Vorschläge der USA zur Beendigung des Krieges. „Wir haben die Antworten der USA erhalten und werten sie nun aus“, zitierte die staatliche iranische ‌Nachrichtenagentur Nour News den Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei. Pakistan vermittle weiter zwischen dem Iran und den USA. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, er sei ‌bereit, einige Tage auf ‌die „richtigen Antworten“ aus Teheran zu warten. Zugleich drohte er mit neuen Angriffen, sollte der Iran einem Abkommen nicht zustimmen. Iran hatte den USA in dieser Woche sein ​jüngstes Angebot unterbreitet. Iranischen Angaben zufolge hat ⁠dabei die Führung in Teheran weitgehend Forderungen bekräftigt, die Trump zuvor abgelehnt hatte. Dazu gehören die Kontrolle ​über die Straße von Hormus, Entschädigungen für Kriegsschäden, die Aufhebung von Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte sowie ⁠der Abzug der ‌US-Truppen. 

USA heben Sanktionen gegen UN-Sonderberichterstatterin Albanese auf Die USA haben ihre Sanktionen gegen die UN-Sonderberichterstatterin für die Palästinensergebiete, Francesca Albanese, aufgehoben. Das geht aus der Webseite des US-Finanzministeriums hervor. Vergangene Woche hatte ein Bundesrichter ⁠die Sanktionen vorläufig blockiert. ⁠Zur Begründung hieß es, die Regierung von Präsident Donald Trump habe mit den Maßnahmen wahrscheinlich ⁠das ​Recht Albaneses ⁠auf freie Meinungsäußerung verletzt. Die US-Regierung ​hatte die Sanktionen im Juli 2025 verhängt. Sie warf ‌der italienischen Anwältin vor, den Internationalen Strafgerichtshof zu Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen gegen Vertreter der USA ​und Israels gedrängt zu haben. Albanese hatte ​Israel in einem Bericht eine „fortlaufende Genozid-Kampagne in Gaza“ vorgeworfen. 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Angriff der USA und Israels auf Iran als vermeidbar bezeichnet. 

Angeblich hitziges Telefonat zwischen Trump und Netanjahu US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sind Medienberichten zufolge wegen des weiteren Vorgehens gegenüber Iran in einem Gespräch aneinandergeraten. Grund dafür seien unterschiedliche Vorstellungen, wie mit einem neuen Vorschlag zur Beendigung des Irankriegs umzugehen sei, berichteten „Axios“ und das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf ungenannte Quellen.Eine der Quellen habe „Axios“ gesagt, Netanjahu sei nach dem Gespräch am Dienstag in Aufruhr gewesen. Qatar und Pakistan hatten demnach zusammen mit anderen Partnern einen überarbeiteten Friedensvorschlag vorgelegt, um die Differenzen zwischen den USA und Iran zu überbrücken. Trump soll mit Blick auf Netanjahu gesagt haben, dieser werde tun, was auch immer er ihm sage.

Trump sieht Verhandlungen auf der ZielgeradenUS-Präsident Donald Trump sieht nach eigenen Angaben die Verhandlungen mit Iran ​auf der Zielgeraden, droht jedoch für den Fall eines Scheiterns mit neuen Angriffen. „Wir sind in ⁠der Endphase mit Iran“, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. Entweder gebe es ein Abkommen, oder die USA würden „einige Dinge tun, die ein bisschen unschön sind“. Er habe es nicht eilig.Seit sechs Wochen gilt eine Feuerpause im Irankrieg. Die Friedensgespräche haben seitdem offenbar kaum Fortschritte erzielt. ​Um die Verhandlungen voranzutreiben, reiste der pakistanische Innenminister am ⁠Mittwoch nach Teheran. Pakistan fungiert als Vermittler. Iran legte den USA in dieser Woche ein neues Angebot vor. Angaben aus ​Teheran zufolge enthält dieses jedoch weitgehend Forderungen, die Trump bereits abgelehnt hat – darunter die Kontrolle über die Straße von Hormus, Reparationszahlungen, ⁠die Aufhebung ‌von Sanktionen sowie den Abzug der US-Truppen aus der Region. 

Riad warnt Teheran vor „gefährlichen Folgen einer Eskalation\"Der saudi-arabische Außenminister Faisal bin Farhan hat Teheran aufgefordert, die diplomatischen Bemühungen im Iran-Konflikt zu nutzen. So könnten die „gefährlichen Folgen einer Eskalation“ vermieden werden, schrieb der Minister am Mittwoch im Onlinedienst X. Teheran solle „unverzüglich auf Bemühungen reagieren, die darauf abzielen, die Verhandlungen zu einem Abkommen voranzubringen“.Zugleich lobte der saudi-arabische Außenminister US-Präsident Donald Trump dafür, dass er „der Diplomatie eine Chance“ gebe. Riad unterstütze überdies die laufenden Bemühungen des Vermittlers Pakistan um eine friedliche Beilegung des Konflikts. 

Iran wirft USA vor, Krieg fortsetzen zu wollenDer iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hat den USA vorgeworfen, den Krieg gegen sein Land fortsetzen zu wollen. „Die offenen wie auch die verdeckten Bewegungen des Feindes zeigen, dass er trotz wirtschaftlichen und politischen Drucks seine militärischen Ziele nicht aufgegeben hat und versucht, einen neuen Krieg zu beginnen“, sagte Ghalibaf in einer Audiobotschaft, die am Mittwoch von iranischen Medien verbreitet wurde.„Die genaue Beobachtung der Lage in den Vereinigten Staaten bestärkt die Möglichkeit, dass sie noch immer auf die Kapitulation der iranischen Nation hoffen“, sagte der Chefunterhändler bei den Gesprächen mit den USA. US-Präsident Donald Trump droht seit Tagen mit neuen Angriffen in Iran, sollte das Land nicht auf die Forderungen der USA eingehen. Für den Fall eines weiteren Angriffs der USA und Israels drohte Ghalibaf mit einer „energischen Antwort“. In seiner Audiobotschaft sagte er: „Wir müssen unsere Vorbereitungen für eine wirksame und entschlossene Antwort auf alle möglichen Angriffe verstärken.“ Iran werde sich „unter keinen Umständen Einschüchterungen beugen“. 

Iran: 26 Schiffe haben Straße von Hormus passiertNach iranischen Angaben haben in den vergangenen 24 Stunden 26 Schiffe die für den Energiehandel wichtige Straße von Hormus passiert. Dies sei in Koordination mit der Marine der iranischen Revolutionsgarden erfolgt, hieß es in einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Es handelte sich demnach um Öltanker, Frachter und andere Handelsschiffe. Die iranische Führung hat im Zuge des Kriegs nach eigenen Angaben eine Kontrollbehörde geschaffen, die den Schiffsverkehr in der Meerenge regeln soll. Die Behörde für die Meerenge des Persischen Golfs (PGSA) fordert Reedereien zur Koordination auf. Eine Durchfahrt ohne Genehmigung werde als illegal betrachtet, hieß es in einem Beitrag der neu geschaffenen Behörde auf X. 

Aktivisten von Gaza-Hilfsflotille festgenommenAktivisten, die mit einer abgefangenen Hilfsflotte in den Gazastreifen unterwegs waren, werden nach Angaben der Bürgerrechtsgruppe Adalah ⁠in dem israelischen Hafen Aschdod festgehalten. Von dort sollen sie nach Angaben der Organisatoren der Flotte in ein Gefängnis in der israelischen Wüste überstellt werden. Erst dort würden dann Anwälte von Adalah zu ihnen gelassen. Mit der Flotte sollten Hilfsgüter ‌in den Gazastreifen gebracht werden. Die Schiffe wurden jedoch von der israelischen Marine abgefangen. Nach israelischen Angaben wurden alle 430 Aktivisten an Bord der Flotte auf israelische Schiffe gebracht. In Israel dürften sie sich mit ihren konsularischen Vertretern treffen. ‌Die Teilnehmer an Bord der 50 Schiffe ‌stammen den Organisatoren zufolge aus 40 Ländern. 

Tote durch israelische Luftangriffe Im Libanon sind nach offiziellen Angaben bei israelischen Luftangriffen mindestens 19 Menschen getötet und 32 weitere verletzt worden. Bei einem der Luftangriffe seien zehn Bewohner eines Hauses im Süden getötet worden, darunter drei Kinder, wie das Gesundheitsministerium in der Nacht mitteilte. Die Hizbullah setzte ihre Angriffe auf israelische Ziele ihrerseits fort. Die vom Iran unterstützte Miliz beanspruchte mehrere Angriffe auf israelische Soldaten im südlichen Libanon für sich. Sie habe dabei Raketen und Drohnen eingesetzt, teilte die Hizbullah am Montag mit. Sie habe erneut auch Ziele in Israel nahe der Grenze angegriffen.