FAZ 21.07.2026
07:52 Uhr

Liveblog Irankrieg: US-Militär bombardiert Iran die zehnte Nacht in Folge


Angriffswelle dauerte fünf Stunden +++ Berichte: Vermittler wollen neue Waffenruhe +++ Tanker in Straße von Hormus getroffen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: US-Militär bombardiert Iran die zehnte Nacht in Folge

Jordanien wehrt wieder iranischen Beschuss abJordaniens Armee hat nach eigenen Angaben abermals iranische Angriffe abgewehrt. In der Nacht und am Morgen seien fünf aus Iran abgefeuerte Drohnen abgefangen worden, teilten die Streitkräfte mit. Verletzte oder Sachschäden habe es nicht gegeben. Die USA attackieren seit Tagen wieder Ziele in Iran, während Teheran Vergeltungsangriffe auf Länder mit US-Militärstützpunkten in der Region durchführt. In Jordanien sind wie in den Golfstaaten US-Soldaten stationiert. 

Smotrich: Kein Interesse an Beteiligung im Krieg mit IranIsrael hat nach Angaben von Finanzminister Bezalel Smotrich kein Interesse daran, sich in den gegenwärtigen Konflikt zwischen den USA und Iran hineinziehen zu lassen. „Die aktuelle Situation, in der es einen begrenzten Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten gibt, ist die richtige und beste für uns“, sagte Smotrich mehreren israelischen Medien zufolge auf einer Konferenz. Israels oberstes Ziel sei die Schwächung der Führung des Irans, und der beste Weg dorthin seien wirtschaftliche Maßnahmen, so der Minister.Der Konflikt zwischen den USA und Iran ist in den vergangenen Tagen mit US-Luftangriffen und iranischen Vergeltungsattacken in der Region erneut eskaliert. Bei Beginn des Krieges im Februar waren die USA und Israel noch gemeinsam gegen Iran vorgegangen. 

Libanesische Armee rückt in erste Pilotzone einDie libanesische Armee hat nach eigenen Angaben mit der Verlegung von Truppen in die Ortschaft Sautar al-Gharbija im Rahmen einer Sicherheitsvereinbarung mit Israel begonnen. Die Ortschaft ist eine von mehreren sogenannten Pilotzonen in Südlibanon. Hier soll ein Abzug der weiterhin in Libanon stationierten israelischen Truppen getestet werden. In diesen Zonen sollen die libanesischen Streitkräfte die Kontrolle übernehmen und die Hizbullah entwaffnen, während sich die israelische Armee gleichzeitig schrittweise zurückzieht. Die Pilotzonen sollen zeigen, ob dieser Ablauf in der Praxis funktioniert, bevor das Vorgehen auf weitere Gebiete ausgeweitet wird.Am Dienstag sollte Libanons Staatschef Joseph Aoun von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen werden. Beirut steht verstärkt unter Druck, die Hizbullah zu entwaffnen – was Israel zur zentralen Bedingung für seinen Rückzug aus dem Süden Libanons macht. 

Asean fordert sofortiges Ende der Gewalt im Nahen OstenDie Außenminister der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean haben sich angesichts der jüngsten Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran tief besorgt gezeigt und alle Beteiligten zu größter Zurückhaltung aufgerufen. Die neuen Kämpfe gefährdeten die diplomatischen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Minister im Zuge ihres Gipfeltreffens in der philippinischen Hauptstadt Manila. Mit Blick auf die Bedeutung Asiens für den Welthandel forderten die Asean-Staaten in ihrer Erklärung auch die ungehinderte Durchfahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus. Sie warnten vor einseitigen Maßnahmen, die den internationalen Schiffsverkehr beeinträchtigen könnten, und verlangten die Einhaltung des internationalen Seerechts sowie den Schutz von Seeleuten und Schiffen. Zugleich warnten die Minister vor den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts.Der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean gehören elf Länder an, darunter Indonesien, Thailand, Malaysia und Singapur. Die Philippinen haben in diesem Jahr den rotierenden Vorsitz der Organisation. Zu dem mehrtägigen Treffen haben sich auch US-Außenminister Marco Rubio und seine Amtskollegen aus Russland und China, Sergej Lawrow und Wang Yi, angekündigt. Ob es auch zu bilateralen Gesprächen kommen wird, war zunächst unklar. 

Berichte: Vermittler wollen neue WaffenruheWährend die Militärschläge der USA in Iran seit nunmehr zehn Nächten andauern, bemühen sich die Vermittler Berichten zufolge um eine neue Waffenruhe. Qatar, Ägypten, Pakistan und andere regionale Vermittler hätten den beiden Kriegsparteien einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet, erfuhr das US-Nachrichtenportal „Axios“ aus Quellen. Auch das „Wall Street Journal“ berichtete über den Vorschlag. Die Vermittler fürchteten, Washington und Teheran könnten in einen Kreislauf geraten, in dem sie den Konflikt zwar unterhalb der Schwelle eines umfassenden Krieges halten, aber die regionalen Volkswirtschaften auf unbestimmte Zeit beeinträchtigen, schrieb die Zeitung. Die US-Regierung prüfe den Vorschlag derzeit und habe Israel aufgefordert, Maßnahmen zu vermeiden, die das diplomatische Fenster schließen könnten, zitierte „Axios“ US-Beamte.

Wieder nächtliche Explosionen in IranNach Beginn der abermaligen Angriffswelle des US-Militärs auf Ziele in Iran melden örtliche Medien in der Nacht wieder Explosionen in mehreren Gebieten der Islamischen Republik. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden Explosionen aus Konarak in der südöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan und der Hafenstadt Tschahbahar am Golf vom Oman gemeldet. Der regierungstreue Sender Press TV berichtete zudem von US-Angriffen im Gebiet der Stadt Schiras im zentralen Süden Irans.Die Nachrichtenagentur Fars meldete mehrere Explosionen im Bereich der Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie bei der Großstadt Bandar Abbas.

Behörde: Abermals Tanker in Straße von Hormus getroffenIn der Straße ‌von Hormus ist nach britischen Angaben ein Tanker von einem Geschoss getroffen ‌worden. ‌Die Besatzung habe Seenotrufe abgesetzt und das Schiff verlassen, teilte die britische Behörde für ​Seehandel (UKMTO) mit. Die ⁠Crew befinde sich in einem Rettungsboot. Der Vorfall ereignete ​sich demnach knapp 15 Kilometer östlich ⁠der Stadt Limah ‌im Oman. Umweltschäden seien zunächst nicht gemeldet worden. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, ⁠dass zwei Öltanker ⁠nach Explosionen in Brand geraten seien. ⁠Rettungsteams ​würden ⁠die Besatzungen in Sicherheit bringen. ​Ob es sich um ‌denselben Vorfall handelt, blieb zunächst unklar. 

USA: Neue Angriffswelle auf Iran gestartetDas US-Militär hat eine neue Angriffswelle gegen Iran gestartet. Die um 16.00 Uhr US-Ostküstenzeit (22.00 Uhr deutscher Zeit) begonnenen Angriffe zielten darauf ab, die militärischen Mittel Irans zu schwächen, teilte das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Zu den genauen Zielen der neuen Angriffe wurden keine Angaben gemacht. Damit griffen die USA in der inzwischen zehnten Nacht in Folge seit der Aufkündigung der Waffenruhe iranische Ziele an. Teheran hatte zuvor Vergeltungsschläge gegen Länder mit US-Militärstützpunkten in der Region ausgeführt. 

Huthi kündigen Seeblockade an – globales Ölangebot gerät weiter unter DruckDie im Zuge des Irankriegs angespannte Lage am Ölpreismarkt verschärfte sich am Montag nochmal, nachdem die Huthi-Rebellen im Jemen eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt haben. Eine entsprechende vollständige ‌Schließung der Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Zugang zum Roten Meer würde die saudiarabischen Ölexporte nach Asien stoppen und könnte das weltweite Ölangebot um sieben Prozent verringern. Dies würde die Ausfälle durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran verschärfen, der das globale Angebot bereits ​um zehn Prozent reduziert hat. Selbst wenn keine Schiffe angegriffen ⁠würden, dürfte allein die Drohung die Schifffahrt beeinträchtigen und für Unsicherheit sorgen, erklärte der jemenitische Analyst Mohammed Albascha der Nachrichtenagentur Reuters. Die Blockade gegen den „kriminellen saudiarabischen Feind“ basiere auf dem Prinzip „Auge um Auge“ und trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, teilten die Streitkräfte ‌der mit Iran verbündeten Huthi am Montag mit. Eine Stellungnahme Saudi-Arabiens lag zunächst nicht vor. Die Huthi begründeten die Blockade ​mit der aus ihrer Sicht seit Jahren andauernden „ungerechten und erdrückenden Belagerung“ des Jemen durch Saudi-Arabien. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Rebellen Raketen auf das Königreich abgefeuert. Sie warfen ⁠Riad vor, einen ‌unter ihrer Kontrolle stehenden Flughafen bombardiert zu haben, womit eine vierjährige Waffenruhe gebrochen worden sei. Lesen Sie hier mehr zur jüngsten Eskalation in dem Konflikt zwischen den Huthi-Rebellen und Saudi-Arabien. 

USA: Libanon übernimmt wieder Kontrolle über drei Dörfer im SüdenDie libanesische Armee hat nach US-Angaben damit begonnen, die Kontrolle über drei Dörfer im Süden des Landes vom israelischen Militär zu übernehmen. Der Schritt sei ein „direktes Ergebnis“ der Verhandlungen zwischen Libanon und Israel, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, am Montag. Demnach handelte es sich um die Ortschaften Froun, Srifa und Sautar al-Gharbiya. Ein libanesischer Militärvertreter erklärte, die Armee werde ihre Patrouillen in den Gebieten verstärken.Nach mehreren Runden direkter Verhandlungen hatten Libanon und Israel Ende Juni unter US-Vermittlung einen Grundsatzvertrag unterschrieben, der unter anderem den schrittweisen Rückzug der israelischen Armee aus dem Süden Libanons,b vorsieht. Demnach sollen die libanesischen Streitkräfte zunächst die Kontrolle in mehreren „Pilotzonen“ vom israelischen Militär übernehmen, um zu testen, ob es der Armee gelingt, die Hisbollah-Miliz zu entwaffnen und aus den Gebieten zu verdrängen. 

USA zeigen sich zu weiteren Gesprächen mit Iran bereitDie USA sind trotz neuer Angriffe gegen Iran laut Außenminister Marco Rubio weiter zu Gesprächen mit Teheran bereit. „Wir sind stets offen für Diplomatie“, sagte er am Sonntagabend (Ortszeit) vor seinem Abflug zum Außenministertreffen der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean. Es müsse aber eine Vereinbarung sein, die Teheran auch bereit sei, einzuhalten. „Wir haben es mehrfach mit Iran versucht und werden es auch weiterhin versuchen. Sollte sich diese Tür öffnen, würden wir das begrüßen“, so Rubio. Teheran hat unterdessen nach eigenen Angaben Vorschläge von Vermittlern für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen erhalten. Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte eine entsprechende Frage, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Iran werde sich jedoch weiter entschlossen verteidigen, sagte der Sprecher. „Ich betone erneut, dass der diplomatische Apparat seine Aufgaben gemeinsam und im Einklang mit den Verteidigern des Vaterlandes in den Streitkräften weiterverfolgt. Die über Vermittler vorgebrachten Vorschläge wurden uns mitgeteilt und sind bei uns eingegangen.“

Schiff in der Straße von Hormus angegriffenIn der Straße von Hormus ist wieder ein Schiff angegriffen worden. Es sei von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden, meldete die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) in der Nacht. Der Vorfall ereignete sich demnach acht Seemeilen (knapp 15 Kilometer) nordwestlich des omanischen Ortes Kumsar. An Bord sei ein Feuer ausgebrochen, woraufhin die Besatzung evakuiert worden sei. „Der Brand ist nicht gelöscht worden und das Schiff treibt derzeit“ auf See, meldete UKMTO. Schiffen wurde empfohlen, die Region mit Vorsicht zu durchfahren. Ein unter der Flagge Maltas fahrender Öltanker habe an diesem Standort einen Notruf abgesetzt, berichtete die Sicherheitsfirma Ambrey. Irans Revolutionsgarde teilte der Nachrichtenagentur Fars zufolge mit, zwei Öltanker seien in der Meerenge „explodiert“. Diese beiden „Abweichler“ hätten versucht, in die Straße von Hormus und aus dieser hinaus über „die unsichere Route“ zu fahren. Die Schiffe seien unter Druck des US-Militärs gezwungen worden, nicht die „ausgewiesenen sicheren Seewege“ zu nutzen. 

US-Außenminister Rubio: Andere Länder müssen mehr für Schutz der Straße von Hormus tunUS-Außenminister Marco Rubio hat mit Blick auf den Konflikt um die Straße von Hormus andere Länder zu mehr Druck auf den Iran aufgefordert. Die Vereinigten Staaten würden „weiterhin tun, was nötig ist, um die weltweite Schifffahrt zu schützen“, sagte Rubio am Sonntag (Ortszeit). Andere Staaten müssten jedoch „durch Ausrüstung oder Finanzmittel“ ihren Beitrag dazu leisten. „Zumindest einige Leute im Iran“ wollten die wirtschaftlich bedeutende Meerenge kontrollieren und somit als „Druckmittel gegenüber der Welt“ einsetzen, sagte Rubio. Er äußerte sich vor einer Reise auf die Philippinen, wo er an einem Treffen der Außenminister der südostasiatischen Asean-Staaten teilnehmen wollte.Die Führung in Teheran hält die für die internationale Schifffahrt äußerst wichtige Meerenge wegen des Iran-Kriegs de facto geschlossen. Immer wieder wurden dort Schiffe angegriffen.

US-Militär erklärt neue Angriffswelle in Iran für beendetDas US-Militär hat seine erneute nächtliche Angriffswelle auf Ziele in Iran nach eigenen Angaben beendet. Man habe militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke ins Visier genommen, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom am frühen Morgen deutscher Zeit auf X mit. Das Ziel sei es gewesen, Irans Fähigkeit weiter zu schwächen, Handelsschiffe und zivile Seeleute anzugreifen, die die Straße von Hormus passieren, hieß es weiter. Die US-Angriffe erfolgten demnach in der nunmehr neunten Nacht in Folge. Im Streit um die für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Meerenge ist der Iran-Krieg seit Anfang des Monats wieder eskaliert.