FAZ 11.03.2026
06:32 Uhr

Liveblog Irankrieg: Frachter in der Straße von Hormus von „unbekanntem Geschoss“ getroffen


Einschlag löst Brand aus +++ Schwerste Angriffe auf Teheran seit Kriegsbeginn +++ Irans Polizeichef: Wir betrachten Demonstranten als Feinde +++ US-Armee zerstört 16 iranische Minenleger-Schiffe +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Liveblog Irankrieg: Frachter in der Straße von Hormus von „unbekanntem Geschoss“ getroffen

Vier Verletzte bei Drohnenabsturz nahe Flughafen von Dubai Bei dem Absturz von zwei Drohnen in der Nähe des Flughafens von Dubai sind Behördenangaben zufolge vier Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten verletzt worden. Zwei Drohnen seien am Mittwoch in der Nähe des internationalen Flughafens abgestürzt und hätten zwei Ghanaer und einen bangladeschischen Staatsangehörigen leicht verletzt, ein Inder sei mittelschwer verletzt worden, erklärte das Medienbüro der Metropole. Der Flugverkehr sei ohne Unterbrechung fortgesetzt worden.

Migrationsforscher: Fluchtwege aus Iran versperrt Trotz der anhaltenden Angriffe auf Iran erwartet der Migrationsforscher Gerald Knaus keine große Fluchtbewegung nach Europa. Da Staaten wie die Türkei ihre Grenzbefestigung stark ausgebaut hätten, gebe es derzeit keine Fluchtwege, sagte der österreichische Vorsitzende der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative im Deutschlandfunk. „Wenn wir Grenzen haben, an denen Soldaten stehen, die einen Schießbefehl haben, dann können auch die am meisten verzweifelten Menschen der Welt ihr Land nicht verlassen.“ Der Fokus müsse stattdessen auf der humanitären Lage in Iran liegen, sagte Knaus. „Auch wenn es Menschen nicht schaffen, in großer Zahl zu fliehen, bedeutet das nicht, dass ihre Lage im Land nicht katastrophal sein kann“, sagte Knaus. So sei es derzeit etwa für die Menschen in Gaza der Fall, über die derzeit wenig gesprochen werde – „vielleicht auch, weil wenige von ihnen es irregulär nach Europa schaffen“, so Knaus. Knaus, der als einer der Architekten des Flüchtlingsabkommens von 2016 mit der Türkei gilt, verweist auch auf die Situation in Libanon: Durch die Kämpfe zwischen Israel und der  Hizbullah wurden dort innerhalb des Landes viele Menschen vertrieben, von denen aber wenige nach Europa gekommen seien. Dennoch habe es dort eine humanitäre Katastrophe gegeben, während „die Hilfsgelder für Organisationen, die sich um Vertriebene kümmern, weltweit immer mehr reduziert werden“, sagte Knaus.

Paris verdreifacht humanitäre Hilfe für LibanonFrankreichs Außenminister Joen-Noël Barrot hat angesichts der anhaltenden Angriffe auf Libanon im Zuge des Irankrieges eine Verdreifachung der französischen humanitären Hilfslieferungen für das Land angekündigt. „Wir haben beschlossen, das Volumen der in dieser Woche gelieferten Hilfen zu verdreifachen“, erklärte Barrot am Mittwoch im Sender TF1. 60 Tonnen Hilfsgüter sollen demnach am Donnerstag verschifft werden, darunter medizinische Güter, Hygieneartikel, Matratzen, Lampen und mobile Sanitätsstationen.Paris bereite sich außerdem darauf vor, „mehrere Dutzend“ gepanzerte Fahrzeuge an die libanesischen Streitkräfte zu liefern. Die Streitkräfte seien „als einzige dazu berechtigt, die Sicherheit in Libanon zu gewährleisten“, erklärte der französische Außenminister. Zudem forderte er die pro-iranische Hisbollah-Miliz erneut dazu auf, „ihre Angriffe auf Israel einzustellen“ und ihre Waffen an die libanesischen Behörden auszuliefern.Die israelische Armee griff derweil nach eigenen Angaben am Mittwoch erneut Ziele der Hizbullah-Miliz im Libanon an. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur meldete mehrere israelische Angriffe in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut. 

Nächtliche Raketenangriffe auf IsraelEine Serie nächtlicher Raketenangriffe aus Iran hat Millionen Menschen in Israel den Schlaf geraubt. Immer wieder kam es zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden auch im Großraum Tel Aviv zu Raketenalarm. „Ich habe fast kein Auge zugemacht“, berichtete ein Einwohner der Küstenmetropole. Die Raketenabwehr war im Einsatz, um die Geschosse abzufangen. Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es gebe keine Berichte über Verletzte. Irans Revolutionsgarde bestätigte die Angriffe. Bei der inzwischen 37. Welle von Raketen seien Ziele in Beer Jaakov südöstlich von Tel Aviv attackiert worden, berichtete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf die Elitestreitmacht des Landes. Dabei seien ballistische Raketen mit Mehrfachsprengköpfen zum Einsatz gekommen. Außerdem seien US-Ziele in Erbil und Bahrain angegriffen worden.Die israelische Armee teilte derweil mit, am Montag sei ein Drohnenteam im Westen Irans von der israelischen Luftwaffe „ausgeschaltet“ worden, kurz bevor es unbemannte Flugkörper in Richtung Israel abfeuern konnte. Das Militär sei rund um die Uhr im Einsatz, um die iranische Infrastruktur für den Abschuss ballistischer Raketen zu zerstören und damit den Umfang der Angriffe auf israelisches Gebiet zu verringern. 

Berichte: Modschtaba Khamenei verletzt, aber „wohlauf“Der neue Oberste Anführer des Irans, Modschtaba Khamenei, ist trotz Verletzungen infolge der Angriffe auf den Iran „wohlauf“. Dies gab der Sohn des iranischen Präsidenten Jussef Peseschkian am Mittwoch im Onlinedienst Telegram bekannt. „Ich habe Freunde mit Verbindungen gefragt. Sie sagten mir, dass er Gott sei Dank wohlauf ist“, erklärte Peseschkian, der auch als Regierungsberater fungiert. Modschtaba Khamenei war am Sonntag zum obersten Führer Irans ernannt worden. Berichten zufolge wurde er bei dem Angriff am 28. Februar verletzt, bei dem sein Vater Ali Khamenei getötet worden war. Im staatlichen iranischen Fernsehen war Khamenei als „verwundeter Veteran des Ramadan-Krieges“ bezeichnet worden. Details über das Ausmaß seiner Verletzungen wurden jedoch nicht genannt. Seit dem US-israelischen Angriff zu Beginn des Iran-Krieges ist Modschtaba Khamenei nicht öffentlich aufgetreten. 

Deutschland zieht Diplomaten aus Irak abWährend Außenminister Johann Wadephul vor dem Hintergrund des Iran-Krieges seine Reise durch die Krisenregion fortsetzt, sind abermals Diplomaten aus dem Irak abgezogen worden. Mit Blick auf die Gefährdungseinschätzung vor Ort habe der Minister entschieden, weitere Maßnahmen zum Schutz des Personals in Irak zu treffen, hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt. So sei das Personal des Generalkonsulats in Erbil „temporär aus dem Irak verlegt“ worden. Die Erreichbarkeit sei weiterhin gewährleistet. Bereits am Dienstag ist die Ausreise erfolgt. Zuvor war auch das Personal der Botschaft in Bagdad aus Sicherheitsgründen ins Ausland verlegt worden. Die Bundeswehr hatte bereits Personal reduziert bei ihrer Basis in Erbil, ist dort aber noch präsent. Wadephul war nach seinem Besuch in Zypern und Israel am Dienstagabend nach Riad weitergereist, um weitere Gespräche zu führen. In der Nacht kam er mit dem Außenminister Faisal bin Farhan zusammen. 

Irans Polizeichef warnt: Wir betrachten Demonstranten als FeindeNach Israels Aufruf zum Sturz der Führung der Islamischen Republik hat Irans Polizeichef Regierungsgegner mit drastischen Worten vor Protesten gewarnt. „Wer auf Aufforderung des Feindes auf die Straßen geht, den sehen wir nicht länger als Demonstranten an. Den sehen wir als Feind an und werden ihn wie einen Feind behandeln“, sagte Ahmed-Resa Radan im staatlichen Fernsehen. „Alle unsere Männer haben ihren Finger am Abzug.“ Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die Iraner zuvor dazu aufgerufen, sich gegen ihre Regierung aufzulehnen. Israel und die USA führten „einen historischen Krieg für die Freiheit“, hieß es in einem offenen Brief. „Dies ist eine einmalige Gelegenheit für euch, das Regime der Ajatollahs zu stürzen und eure Freiheit zu erlangen.“ Das iranische Volk habe um Hilfe gebeten, „und die Hilfe ist angekommen“. Auch US-Präsident Donald Trump hat die Iraner bereits mehrfach ermuntert, die amerikanisch-israelischen Angriffe als Chance zu nutzen, um die Führung in Teheran zu stürzen. 

US-Armee zerstört 16 iranische Minenleger-Schiffe nahe Straße von HormusDie US-Armee hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump mehrere iranische Minenleger-Schiffe zerstört. „Zehn inaktive Minenleger-Schiffe“ seien zerstört worden, erklärte Trump am Dienstag in seinem Onlinedienst Truth Social. Später erklärte das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom im Onlinedienst X, die Zahl der zerstörten Schiffe nahe der für die weltweite Schifffahrt bedeutsamen Straße von Hormus sei auf 16 gestiegen.Trump hatte Iran zuvor davor gewarnt, die Straße von Hormus zu verminen. „Sollten aus irgendeinem Grund Minen gelegt worden sein und diese nicht umgehend entfernt werden, werden die militärischen Konsequenzen für Iran ein Ausmaß erreichen, wie es noch nie zuvor zu sehen war“, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.

Augenzeugen berichten von schwersten Angriffen auf TeheranEinwohner Teherans berichten ‌von ‌den bislang schwersten Luftangriffen des Krieges. „Es war die Hölle“, ​sagt ein ⁠Anwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Im Osten der ​Stadt seien zwei ⁠fünfstöckige Wohnhäuser getroffen ‌worden. Irans UN-Botschafter spricht von mehr als ⁠1300 getöteten ⁠Zivilisten und fast 8000 ⁠zerstörten Häusern ​seit ⁠Kriegsbeginn. Bei iranischen ​Angriffen auf Israel ‌wurden zwölf Menschen ​getötet.

„Wall Street Journal“: IEA schlägt größte Freigabe von Notfall-Ölvorräten jemals vorAngesichts der gestiegenen Energiepreise im Zuge des Irankrieges hat die Internationale Energie-Agentur (IEA) dem „Wall Street Journal“ zufolge die größte Freigabe von Notfall-Ölvorräten in seiner Geschichte vorgeschlagen. Die Freigabe würde die 182 Millionen Barrel übertreffen, die die IEA-Mitgliedstaaten 2022 nach der russischen Invasion der Ukraine auf den Markt gebracht hatten, berichtete die US-Zeitung am Dienstagabend unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Beamte.Der Vorschlag sei bei einer Sondersitzung der 32 IEA-Mitglieder am Dienstag unterbreitet worden, berichtete das „Journal“. Eine Entscheidung werde für Mittwoch erwartet.Die IEA und auch die EU verpflichten ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Seit Gründung der IEA 1974 gab es fünf koordinierte Freigaben: vor dem zweiten Golfkrieg 1991, nach den Hurrikanen Katrina und Rita 2005, während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und zweimal nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022.

Iran greift Israel und Golfstaaten mit Raketen und Drohnen anDie iranischen Streitkräfte haben Israel und die Golfstaaten abermals mit Raketen und Drohnen angegriffen. In Israel wurden die Raketen entweder abgefangen oder trafen unbewohnte Gebiete, wie die Zeitung „The Times of Israel“ berichtete. Die der iranischen Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim sprach von der heftigsten Angriffswelle seit Beginn des Krieges. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium teilte mit, in verschiedenen Regionen des Landes seien sieben ballistische Raketen und sieben Drohnen abgefangen worden. In Kuwait wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums vier Drohnen abgefangen, eine weitere stürzte demnach in offenem Gelände ab. Auch in Bahrain wurde Luftalarm ausgelöst.

Wirtschaftliche Folgen des Irankrieges: Paris kündigt G7-Videkonferenz anDie Anführer der G7-Staaten werden nach Angaben der französischen Regierung am Mittwoch eine Videokonferenz zu den wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges abhalten. Dabei werde es vor allem um die „Energiesituation“ gehen, erklärte der Elysée-Palast am Dienstag. Die Gespräche sollen gegen 15.00 Uhr beginnen und von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geleitet werden.Der Elysée-Palast betonte, die wirtschaftliche Koordinierung sei „ein zentrales Thema für eine wirksame und sinnvolle Reaktion auf die Lage“. Es seien die ersten Gespräche der G7-Staaten zu diesen Fragen. Frankreich hat in diesem Jahr den G7-Vorsitz inne.

Ölpreis steigt um fünf ProzentVor dem Hintergrund des Krieges der USA und Israels gegen Iran ist der Ölpreis weiter angestiegen. An der Chicagoer Börse legte der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI am Dienstagabend gegen 23.30 Uhr um fünf Prozent auf 87,65 Dollar (75,49 Euro) zu. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) beriet derweil in einer Sondersitzung über eine mögliche Freigabe von Notfall-Ölvorräten.Die Ölpreise waren am Dienstag nach einer vorübergehenden Erholung wieder gestiegen. US-Präsident Donald Trump hatte am Montagabend gesagt, der Krieg sei „so gut wie“ beendet. Dies führte zunächst zu einem Absinken der Preise. Wegen der auch in den Vereinigten Staaten gestiegenen Benzinpreise steht die Trump-Regierung unter Druck.