FAZ 15.08.2026
21:27 Uhr

Liebmann zu Weltrekord: „Ich weiß auch nicht, ob ich noch mal an diese Zeit rankommen kann“


Johannes Liebmann gewinnt bei der Schwimm-EM in Paris über 1500 Meter in Weltrekordzeit die Goldmedaille. Danach gibt er sich bescheiden. Medaillen gibt es auch für Oliver Klemet und die Mixed-Staffel über 4x200 Meter.

Liebmann zu Weltrekord: „Ich weiß auch nicht, ob ich noch mal an diese Zeit rankommen kann“

Johannes Liebmann schwang sich auf die Leine, breitete beide Arme aus und fasste sich an den Kopf. Der 19-Jährige krönte sich zum Europameister über 1500 Meter Freistil und pulverisierte in 14:26,79 Minuten wie nebenbei den Weltrekord. Liebmann schien es selbst nicht glauben zu können. Der 19-Jährige war fast vier Sekunden schneller als der US-Amerikaner Bobby Finke bei seiner Bestmarke vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen. Sein Teamkollege und Bronzegewinner Oliver Klemet nahm ihn noch im Wasser herzlich in den Arm. Für Liebmann ist es bei seiner ersten EM in der Eliteklasse auf der Langbahn bereits der zweite Titel. Der Jungstar hatte auch über 800 Meter Freistil gewonnen. Mit riesigem Vorsprung und Fabelzeit erreicht Liebmann das Ziel „Ich wusste, dass ich schnell schwimmen kann. Ich wollte schnell angehen, ich wusste, dass es weh tun wird. Aber am Ende die Zeit zu sehen, war noch mal etwas ganz anderes“, sagte Liebmann und betrieb Understatement: „Eigentlich ist es nur eine persönliche Bestzeit. Ich weiß auch nicht, ob ich noch mal an diese Zeit rankommen kann.“ Gefeiert wird erst nach der Saison, kündigte der neue Weltrekordler an. Auf der längsten Beckendistanz ging Liebmann das Rennen von Beginn an sehr schnell an. Früh setzte sich der Norddeutsche mit dem Ungarn Zalan Sarkany an die Spitze. Lange konnte der Silbergewinner das Tempo Liebmanns jedoch nicht mitgehen. „Das ist ein ganz spezielles Rennen“, rief der Hallensprecher schon nach gut 700 Metern begeistert und hatte recht. Mit riesigem Vorsprung schwamm Liebmann Gold und einer Fabelzeit entgegen. Für die letzten Bahnen erhob sich das begeisterte Publikum im Centre Aquatique Olympique und schrie Liebmann nach vorne. Trainingspartner Klemet hatte im Freiwasser bereits zweimal Edelmetall geholt. Der 24-Jährige gewann beim Sieg von Teamkollege Florian Wellbrock Bronze über die olympischen zehn Kilometer und Gold mit der Mixed-Staffel. Im Becken war es für ihn über 800 Meter nicht gut gelaufen. Klemet hatte das Finale verpasst. Nun zeigte er, was er auch in der Halle drauf hat. Schon vor ihm und Liebmann hatte Melvin Imoudu seine Podestchance. Der Brustschwimmer belegte in 26,87 Sekunden beim Sieg des Italieners Nicolò Martinenghi über 50 Meter aber Platz sechs. Imoudu schlug nach 26,87 Sekunden an. Der 27-Jährige hält in 26,57 Sekunden den deutschen Rekord. Genau das war Martinenghis Gold-Zeit. Am Abend hat dann zudem die deutsche Mixed-Staffel über 4x200 Meter Freistil überraschend Silber gewonnen. Lukas Märtens, Jarno Bäschnitt, Linda Roth und Maya Tobehn schlugen nach 7:25,43 Minuten an. Gold sicherte sich mit 1,3 Sekunden Vorsprung die favorisierten Briten. Bronze ging an die Russen, die als Neutrale Athleten 2,22 Sekunden hinter den Siegern ins Ziel kamen. Das deutsche Quartett hatte sich am Vormittag als drittschnellstes Team für den Endlauf qualifiziert. Da schwammen noch Timo Sorgius und Nicole Mayer. Für das Finale wurden sie für Märtens und Roth ausgetauscht. Am letzten EM-Tag richtet sich der Fokus noch einmal auf Liebmann – und Lukas Märtens. Beide starten, wie auch Klemet und Sven Schwarz, über 400 Meter Freistil. Der 24 Jahre alte Märtens ist auf seiner Paradestrecke der Favorit. Gewinnt er, wäre Märtens gleichzeitig Europameister, aktueller Weltmeister, Olympiasieger und Weltrekordhalter. Bei den Frauen startet unter anderem Isabel Gose, die bei dieser EM schon zweimal Silber im Becken geholt hat.