Das Versprechen der Ultimate Championships hatte es in sich: weniger Leerlauf, mehr Tempo und ein Programm, in dem die einzelnen Disziplinen nicht miteinander konkurrieren. Nur die besten Athleten der Welt waren qualifiziert. Das sollte die Leichtathletik von ihrem angestaubten Image befreien, barg aber auch die Gefahr, dass sich das neue Format von World Athletics am Ende wie eine abgespeckte WM anfühlen würde. Diese Befürchtung bewahrheitete sich nicht. Die erste Ausgabe zeigte, was aus den Ultimate Championships werden könnte: Die Athleten standen stärker im Mittelpunkt, und der Sport bekam eine Dynamik, die ihm bei traditionellen Meisterschaften oftmals fehlt. Coes Ankündigung trat nur teilweise ein „Jede Disziplin wird eigenständig präsentiert“, hatte World-Athletics-Präsident Sebastian Coe angekündigt. In Budapest stimmte das nur teilweise: Würfe und Sprünge fanden manchmal gleichzeitig mit Läufen statt, und die Feldwettbewerbe wurden nicht zuverlässig erklärt. Im offiziellen Stream waren die Zwischenstände kaum oder gar nicht zu erkennen. Auch die voraussichtlichen Platzierungen, die während der Übertragung eingeblendet wurden, lagen wiederholt daneben. Jakob Ingebrigtsen wurde vor dem 5000-Meter-Rennen als Letzter erwartet und gewann, der spätere Sieger Josh Kerr wurde über 1500 Meter gar als 13. von zwölf Startern vorausgesagt. Das 8-8-6-4-Format in den Wurf- und Sprungdisziplinen ist ebenfalls noch nicht überzeugend. Die Idee: Alle Athleten stehen sofort unter Druck. Niemand soll sich erst in den Wettkampf hineinarbeiten können, und Fehlversuche bekommen ein größeres Gewicht als unter normalen Bedingungen, wenn jeder Athlet sechs Versuche hat. Der Olympiasieger im Hammerwurf, Ethan Katzberg, etwa blieb in den ersten beiden Versuchen ohne gültige Weite und war damit ausgeschieden. Das Format belohnt nicht unbedingt den besten Athleten, sondern denjenigen, der mit den besonderen Bedingungen am besten zurechtkommt. Das spricht nicht grundsätzlich gegen das Format, aber dann muss die Übertragung umso klarer vermitteln, worum es geht. „Die Meisterschaft ist schlechter, weil sie fehlen“ Die britische Weitspringerin Jazmin Sawyers merkte zudem an, dass einige Disziplinen gar nicht erst von der Aufmerksamkeit bei den Ultimate Championships profitieren, weil sie aus dem Programm gestrichen wurden: „Die Meisterschaft ist schlechter, weil sie fehlen.“ Dass es etwa den Dreisprung bei den Frauen, aber nicht bei den Männern gab, ist schwer verständlich. Vier- statt dreistündige Abendveranstaltungen könnten künftig etwas Luft schaffen, um weitere Disziplinen aufzunehmen. Dann sollte World Athletics aber auch prüfen, ob Halbfinals in den Laufdisziplinen tatsächlich wichtiger sind als zusätzliche Feldwettbewerbe. Die Ultimate Championships haben gezeigt, dass ein kompaktes Format funktionieren kann. Die Präsentation zeigte zumindest in Ansätzen, wie sich ein neues Publikum erreichen lässt. Coe hat bereits angekündigt, aus der Premiere zu lernen. Die Auswahl der Disziplinen sei „nicht in Stein gemeißelt“. 2028 ist eine Fortsetzung vorgesehen. Ausgereift wirkt das Format aber noch lange nicht.
