Die Forderung der Frankfurter SPD nach einer personellen Neuaufstellung an der Spitze der Bundespartei und damit nach Ablösung von Lars Klingbeil und Bärbel Bas stößt nicht überall in der hessischen SPD auf Zustimmung. So meldet etwa Claus Kaminsky, Oberbürgermeister der kreisfreien Stadt Hanau, Bedenken an. „Wer glaubt, der Austausch der beiden Spitzenpersonen würde die gravierenden Probleme in Deutschland und in der Welt lösen, der täuscht sich meines Erachtens ganz grundsätzlich“, sagte Kaminsky. Seiner Ansicht nach „hat die in den letzten Jahrzehnten durchgeführte Beschleunigung beim Austausch der Parteivorsitzenden nicht zu einer Stärkung der Sozialdemokratie in Deutschland geführt“. Der Vorstand der Frankfurter Sozialdemokraten macht Lars Klingbeil und Bärbel Bas, die beiden Bundesvorsitzenden, für die strategische und politische Entwicklung der vergangenen Jahre verantwortlich. „Ein politischer Neuanfang ist deshalb nur dann glaubwürdig, wenn er auch mit einer personellen Neuaufstellung verbunden ist“, hatte der Vorstand in einem Beschluss mitgeteilt. „Richtig ist sicherlich“, teilte Kaminsky weiter mit, dass mit Blick auf die Bundestagswahl 2029 eine grundsätzliche Debatte über die strategische und inhaltliche Ausrichtung der SPD in der Partei geführt werden müsse. Ob es in diesem Zuge und dann zur Bundestagswahl hin auch noch einmal eine Personaldebatte geben sollte, das wolle er zum jetzigen Zeitpunkt für sich ausdrücklich nicht ausschließen. Aber man möge nicht vergessen, sagte der Hanauer Oberbürgermeister mit Blick auf die von der Frankfurter SPD angestoßene Debatte, dass die SPD derzeit Teil einer Bundesregierung sei. Seiner Auffassung nach hängen die Probleme der SPD „sicherlich auch mit der schlechten Performance des Bundeskanzlers zusammen“, die nicht nur auf die CDU und CSU, „sondern eben auch auf die SPD durchschlägt“. Hessens SPD-Chef Sören Bartol teilte mit, dass er die Kritik der Frankfurter SPD ernst nehme. Die Forderung nach einem außerordentlichen Parteitag noch in diesem Herbst „teile ich aber ausdrücklich nicht“, sagte Bartol. Die Parteiführung werde auf einem Parteikonvent im Dezember einen strategischen und programmatischen Aufschlag unter dem Titel „Perspektive 2030“ unterbreiten, der, davon zeigte sich Bartol überzeugt, das sozialdemokratische Profil der Partei schärfen werde. Als hessischer Landesvorsitzender sei er von der Richtigkeit dieses Weges überzeugt. Denn eine Sozialdemokratie, die die nötigen Veränderungen im Interesse der Bürger gestalten wolle, „schafft dies nur mit einer gemeinsamen Haltung und im Schulterschluss“, so Bartol. Die Frankfurter Sozialdemokraten hatten vorgeschlagen, schon auf einem außerordentlichen Bundesparteitag in diesem Herbst eine neue Parteispitze zu bestimmen. Dazu sei ein verbindliches, bundesweites Mitgliedervotum erforderlich. Es dürfe nicht noch einmal eine kleine Führungsrunde darüber entscheiden, wer der Partei anschließend als alternativlose Lösung präsentiert werde. Klingbeil und Bas waren im vergangenen Jahr auf einem ordentlichen Bundesparteitag in Berlin gewählt worden.
