Auf den Vermisstenmeldungen in Ekurhuleni in Südafrika war eine fröhlich lachende Frau in Sportkleidung zu sehen. Elizabeth Moselakgomo hatte am 9. September ihre übliche abendliche Jogging-Runde gedreht. Doch an diesem Tag kehrte sie nicht nach Hause zurück. Drei Tage später wurde die Leiche der Mutter einer acht Jahre alten Tochter in der Nähe einer Landstraße in der Großgemeinde östlich von Johannesburg gefunden. Auf Straßen zurückgelassen Südafrika wird von immer neuen Morden an Frauen erschüttert. Am Donnerstag bestätigte die Polizei die Entdeckung einer weiteren Leiche östlich von Johannesburg. Es ist der dritte Fund innerhalb von vier Tagen und der neunte seit Mitte Juli in der Gegend. Die getöteten Frauen in einem Alter ungefähr zwischen 30 und 40 Jahren wurden halbnackt oder nur in Unterwäsche auf Grünflächen zurückgelassen, oft in der Nähe von Straßen, und hatten Spuren schwerer Misshandlung. Dem zuletzt entdeckten Opfer, einer 28 Jahre alten Frau, hatten der oder die Täter die Kehle aufgeschlitzt. Sie lag in einem blauen T-Shirt und rosafarbener Unterwäsche mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Wie in vielen vorigen Fällen fand ein Spaziergänger die Leiche. Obwohl die Fälle Ähnlichkeiten aufweisen, redet die Polizei bisher noch nicht von einem möglichen Serienmörder. Ein oder zwei Fälle seien möglicherweise miteinander verbunden, hieß es am Donnerstag. Vieles ist noch vollkommen unklar. Jede dritte Frau in Südafrika erlebt in ihrem Leben Gewalt Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitäts- und Mordraten auf der Welt. Frauen sind besonders von Gewalt betroffen. Nach Angaben von „UN Woman“, einer Organisation der Vereinten Nationen, ist die Rate der Tötungsdelikte an Frauen fünfmal so hoch wie im internationalen Durchschnitt. Eine von der südafrikanischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie ergab, dass mehr als jede dritte erwachsene Frau im Laufe ihres Lebens „körperliche und/oder sexuelle Gewalt“ erlebt hat. Tausende Frauen werden jedes Jahr getötet. Die Regierung in Pretoria erklärte den Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt schon 2019 zu einer Priorität und rief einen nationalen Notstand aus. Ein Jahr später sprach Präsident Ramaphosa in einer Rede an die Nation von einer „zweiten Pandemie“, gegen die man genauso entschlossen vorgehen müsse wie gegen das Coronavirus. Protestaktion zum G-20-Gipfel Doch merkliche Fortschritte blieben aus. Im vergangenen Jahr, während des Gipfeltreffens der G 20 in Südafrika, nutzten dann zahlreiche Organisationen die internationale Aufmerksamkeit und organisierten einen Protest mit der Bezeichnung „G 20 Women’s Shutdown“. Teilnehmerinnen und Teilnehmer im ganzen Land trugen schwarze Kleidung und legten sich zu einer bestimmten Uhrzeit 15 Minuten lang auf den Boden, um darauf aufmerksam zu machen, dass durchschnittlich jeden Tag 15 Frauen in Südafrika getötet werden. Die Mordserie in Ekurhuleni hat nun abermals Wut ausgelöst. In Johannesburg, Pretoria und der Umgebung zogen viele Menschen zu Demonstrationen auf die Straßen. In den Radiosendern berichteten Zuhörerinnen, sie trauten sich nicht mehr auf die Straße. Die Polizei sei schlecht ausgerüstet oder gar nicht präsent. Einige äußerten Unverständnis, warum die Polizei noch nicht nach einem Serientäter fahndet, und unterstellten den Behörden mangelnde Professionalität. Das fehlende Vertrauen ist nicht nur persönlichen Erfahrungen, sondern auch den Enthüllungen in den derzeit laufenden Anhörungen einer Untersuchungskommission geschuldet, die Korruption und Kriminalität in Südafrikas Polizei aufdecken will. Gegen die Gemeindepolizei von Ekurhuleni wurden besonders schwere Vorwürfe erhoben. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sprach den Angehörigen in dieser Woche sein Beileid aus und versicherte, die Ermittlungen würden vorangetrieben. Auch der amtierende Polizeichef der Provinz Gauteng bekräftigte am Donnerstag abermals, die Täter würden gefunden. Man erhalte Informationen von Anwohnern und folge jedem Hinweis. Eine verdächtigte Person wurde wohl in Gewahrsam genommen und verhört. Für Hinweise hat die Polizei zudem eine für südafrikanische Verhältnisse hohe Belohnung von 400.000 Rand, umgerechnet 20.000 Euro, ausgesetzt. Die Partei Democratic Alliance (DA), der größte Koalitionspartner des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), setzte eine zusätzliche Belohnung von 500.000 Rand aus. Erst vier der neun Frauen konnten bisher identifiziert werden.
