FAZ 18.08.2026
11:17 Uhr

Klettern und Badminton: Sind Affen Sportler?


Für die Badminton-WM in Neu-Delhi interessiert sich auch ein Affe. Der moderne Sport redet gern von Teilhabe – da zieht er eine Grenze. Eine Glosse.

Klettern und Badminton: Sind Affen Sportler?

Es ist nicht lange her, da habe ich in Thailand gesehen, wie dressierte, angeleinte Affen Kokosnüsse ernten. Sie klettern auf Palmen und drehen die Kokosnüsse so lange, bis sie herunterfallen. Ja, ich weiß, das ist fragwürdig und hat mit Tierschutz nichts zu tun. Aber es war beeindruckend, wie die Affen kletterten. Kraft, Geschick, Beweglichkeit, Koordination, alles in Perfektion vorhanden. Was zu einer Frage führt, die man sich viel zu selten stellt: Sind Affen Sportler? Die Frage stellt sich gerade aktuell, weil am Montag in Neu-Delhi die Badminton-Weltmeisterschaft beginnt. Die Organisation ist bestens vorbereitet. Klimaanlage, Beleuchtung und Dach wurden auf den neuesten Stand gebracht, und am Eingang gibt es jetzt zwei Türen hintereinander. Sie sollen verhindern, dass freche Rhesusaffen in die Halle gelangen. Ja, Affen. Bei den India Open im Januar hatte es einer hineingeschafft. Was er dort wollte, konnte nicht geklärt werden. Vielleicht nur zuschauen. Oder spielen. Man sollte die zweite Möglichkeit nicht vorschnell ausschließen. Das Reaktionsvermögen von Affen ist so überragend wie ihre Beweglichkeit und ihre Sprungkraft. Für Badminton sind das keine schlechten Voraussetzungen. Schwierigkeiten könnte es bei der Schlägerhaltung geben. Irgendwo hakt es ja immer. Vorsicht vor Überheblichkeit gegenüber Affen Überhaupt erscheint es ungerecht, Affen pauschal die Sportlichkeit abzusprechen. Ein Mensch gilt als sportlich, wenn er einmal die Woche ins Fitnessstudio geht. Dort hängt er an Stangen, hebt Dinge hoch und balanciert auf wackeligen Unterlagen. Er nennt das Functional Training. Der Affe macht ungefähr dasselbe den ganzen Tag. Der Mensch misst Wattwerte und Laktat, analysiert Schlaf und Regeneration. Das hat der Affe nicht nötig. Seine Defizite liegen woanders. Affen können zwar Regeln lernen, sind wettbewerbs- und kampferprobt. Was ihnen fehlt, ist der organisatorische Überbau: keine Verbände, keine Trainer, keine Startnummern. Man könnte das ändern. Der Sport sucht ständig nach neuen Disziplinen. In Finnland tragen Männer ihre Ehefrauen über Hindernisse. Anderswo werfen sie Baumstämme. Wieder andere hüpfen auf Pferden über Hindernisse. Da sollte man mit Überheblichkeit gegenüber Affen vorsichtig sein. Zumal sie in manchen Disziplinen erhebliche Vorteile hätten. Im Geräteturnen dürfte es schwierig werden, sie zu schlagen. Beim Bouldern auch. Beim Badminton könnte der Mensch immerhin auf seine bessere Technik hoffen. Wir werden es nicht erfahren: Die Organisatoren in Neu-Delhi haben Konsequenzen gezogen. Bei der WM soll es kein Affe mehr in die Halle schaffen. Das muss man sich aus Sicht des Affen mal vorstellen: Da entdeckt er eine Sportart, die ihn interessiert. Springen, Reagieren, schnelle Richtungswechsel. Er schaut beim Training vorbei. Kommt wieder und findet den Eingang verbarrikadiert. Der moderne Sport redet viel über Teilhabe – da zieht er eine Grenze. Die Organisatoren haben sogar „monkey whisperers“ engagiert. Männer, die die Rufe großer Languren imitieren, vor denen sich Rhesusaffen fürchten. Damit der Affe nicht zum Menschen kommt, macht sich der Mensch zum Affen. Muss man auch erst mal draufkommen.