FAZ 24.09.2026
14:47 Uhr

Josef Buchmann ist tot: Er war Frankfurts Immobilienkönig


Er war einer der reichsten Männer Frankfurts: Der Geschäftsmann Josef Buchmann prägte die Stadt auch als Mäzen. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben.

Josef Buchmann ist tot: Er war Frankfurts Immobilienkönig

Das Shell-Hochhaus am Nibelungenplatz, das heute den Namen City Gate trägt, hat seinem Bauherrn, dem jetzt gestorbenen Josef Buchmann, Glück gebracht. Denn es bildete den Grundstock für das Vermögen dieses Holocaustüberlebenden, der nach diesem Projekt zum Frankfurter Immobilienkönig aufstieg und lange als reichster Mann der Stadt galt. Das ursprünglich 90 Meter hohe Shell-Bürohaus war bis 1972 das höchste Gebäude in Frankfurt und wird oft als erstes richtiges Hochhaus der Stadt bezeichnet. Niemand hat Buchmann damals, Mitte der Sechzigerjahre, ein solches Riesenprojekt zugetraut – außer der Kredit gebenden Bank, die wusste, dass das Bauvorhaben solide war, weil Buchmann mit dem Shell-Konzern schon vor dem Baubeginn 1964 einen Mietvertrag über 20 Jahre abgeschlossen hatte. Mit dem Gewinn aus dem Shell-Hochhaus finanzierte Buchmann sein nächstes Immobilienprojekt, und so ging es immer weiter. Nur einmal geriet Frankfurts Immobilienkönig unter Druck. Das war Ende der Siebzigerjahre, als die Zinsen stark anstiegen und zudem eine Vermietungsflaute herrschte. Buchmann sah sich gezwungen, das Areal des ehemaligen Löwenstein’schen Palais an der Taunusanlage, auf dem er mit dem Bau von zwei Hochhäusern begonnen hatte, an die Deutsche Bank zu verkaufen, die aus den ursprünglich als Hotel geplanten Zwillingstürmen ihre Konzernzentrale machte. Mit Sachverstand, Fleiß, Geschäftssinn und auch mit Glück Ansonsten hat Buchmann in der Regel seine Immobilien behalten und vermietet. In den Neunzigerjahren stieg er sogar in das Geschäft mit Einkaufszentren ein und kaufte der Familie Faktor das Nordwestzentrum ab, in dessen Modernisierung er viele Millionen Mark steckte. Das Zentrum floriert bis heute. Wie er das alles geschafft hat? Mit Sachverstand, Fleiß, Geschäftssinn und auch mit Glück, hat Buchmann einmal gesagt. Buchmann ist im Laufe seines Lebens vielen Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Er habe sein erstes Geld im Rotlichtmilieu verdient, wurde immer wieder behauptet. Das hat Buchmann immer bestritten. Jedenfalls hat er seinen Reichtum nicht wie manch ein nachmalig ehrenwerter Unternehmer auf Lieferungen an die Rüstungsindustrie der Nazis, auf Fremdarbeitern und arisierten Geschäften und Immobilien aufgebaut. Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt Im Gegenteil: Die Nazis haben seine aus Lodz stammende Familie größtenteils umgebracht. Er selbst überlebte als Jugendlicher Auschwitz und Bergen-Belsen – und stand nach dem Horror des Massenmords ganz allein da. Ohne Vater und Mutter, ohne Schulbildung, ohne Heimat. Er hat sich als Waise eine Existenz aufgebaut, die mit einem Textilladen auf der Zeil begann, sich mit einem Klub in Kaiserslautern und danach an der Kaiserstraße in Frankfurt fortsetzte und einen ersten Höhepunkt in dem Kauf des Trümmergrundstücks Moselstraße 46–48 fand, auf dem Buchmann ein Gebäude mit Büros und Wohnungen sowie einem kleinen Hotel und dem Varieté „Imperial“ baute. Buchmann war gewiss kein einfacher Mensch. Im Geschäftsleben verhandelte er hart, und im gesellschaftlichen Leben war er eher unbeholfen. Ins Reden kam er, wenn es um sein mäzenatisches Engagement ging: Das Jüdische Museum Frankfurt erinnerte in einem Nachruf in den sozialen Medien daran, dass er diese Institution sehr unterstützt habe. Das Foyer trägt deshalb heute seinen Namen. In Tel Aviv sind zwei Krankenhäuser, die er finanziell unterstützt hat, sowie die juristische Fakultät der Universität nach ihm benannt. Buchmann hat auch das Geld für die Erweiterung der Kinderklinik des Frankfurter Universitätsklinikums zur Verfügung gestellt und zudem die Buchmann-Stiftung für deutsche und israelische Studenten gegründet, die schon viele Stipendien vergeben hat. Eine Stipendiatin war seine spätere Frau, die ihm Zwillinge gebar und die nun die Erbin ist. Erst nach dem Film „Schindlers Liste“ wurde bekannt, dass Buchmann jahrelang den Judenretter Oskar Schindler unterstützt hatte, der nach dem Krieg beruflich gescheitert war und in einem Zimmer am Hauptbahnhof sein Dasein fristete. Der bekannte Holocaustüberlebende und Frankfurter Historiker Arno Lustiger war mit Buchmann befreundet und hat ihn ebenso wie Israel Meir Lau, der einstige Oberrabbiner von Israel, einen guten Menschen genannt. Nun ist Buchmann im Alter von 96 Jahren gestorben, bereits am Mittwoch ist er beerdigt worden.