FAZ 21.07.2026
15:32 Uhr

Iran und Ukraine: Ölpreis im Sog zweier Kriege


Der Krieg im Nahen Osten bestimmt weiterhin die Ölpreise. Sinkende Lagerbestände und Raffineriekapazitäten tragen zu einer angespannten Lage bei.

Iran und Ukraine: Ölpreis im Sog zweier Kriege

Am Dienstag berichteten Medien über neue Versuche, eine Waffenruhe im Irankrieg zu vermitteln. Demnach trafen iranische Minister pakistanische Vermittler in Islamabad. Den Berichten gingen seit zehn Tagen andauernde Militärschläge der Vereinigten Staaten in Iran voraus. Iran vergilt seinerseits die Bombardierungen mit Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus und auf amerikanische Militärstützpunkte in der Region. Den Ölpreis bewegte das am Dienstag nur in geringem Maße. Die Nordseesorte Brent kostete am Dienstag 89,07 Dollar je Barrel (159 Liter) und war damit 0,1 Prozent günstiger als am Vortag. Ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI fiel um 0,3 Prozent im Preis auf 82,94 Dollar. Die Preise beider Ölsorten waren aufgrund einer längeren Waffenruhe im Nahen Osten in Richtung 70 Dollar gefallen, doch seit Ende Juni treiben die Militärschläge die Preise wieder in die Höhe. Die Straße von Hormus ist längst zum Zentrum des Krieges der Vereinigten Staaten gegen Iran geworden. Rund 25 Prozent des globalen Handels mit Öl auf dem Meer fließen normalerweise durch sie. Ihre weitgehende Blockade belastet nun den Handel mit Rohöl auf der ganzen Welt. Alternative Handelsrouten werden wichtiger – und empfindlicher Ölquellen und Handelsrouten abseits der Straße von Hormus geraten deshalb in den Blick. Am Dienstag drohte etwa die Huthi-Miliz im Jemen damit, Ölexporte aus Saudi-Arabien zu blockieren. Das Königreich auf der Arabischen Halbinsel nutzt seinen Zugang zum Roten Meer als Exportroute. Die mit Iran verbündete Huthi-Miliz stört allerdings mit Angriffen auf Schiffe immer wieder den Handel auf diesem Wege. Gleichwohl schätzt Thomas Altmann, Portfoliomanager ‌beim Vermögensverwalter ‌QC Partners: „Die Drohung Irans, saudi-arabische Ölexporte über das ‌Rote Meer über die Huthi-Miliz zu blockieren, hat beim Ölpreis für keine neuen Schockwellen gesorgt.“ Seiner Meinung nach überwiegen derzeit die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der laufenden Eskalation. Länder zapfen Reserven an Es gibt aber auch weniger hoffnungsvolle Szenarien. So schrieben Analysten der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs am Dienstag, dass der Preis für ein Barrel der Ölsorte Brent auf mehr als 120 Dollar steigen könnte, sollte sich die Lage an der Straße von Hormus nicht beruhigen. Das sei jedoch nicht das Basisszenario der Bank, hieß es. Im vierten Quartal 2026 sehen die Analysten ein Barrel Brent bei 80 Dollar. Neben der Lage im Nahen Osten belasten auch niedrige Lagerbestände den Ölmarkt. Zum Beispiel befanden sich die strategischen Ölreserven der USA Ende April laut der amerikanischen Agentur für Energieinformationen mit rund 395 Millionen Barrel etwa auf dem Stand der frühen Achtzigerjahre. Zwischen den Jahren 2003 und 2021 bewegte sich das Niveau zwischen 600 und 700 Millionen Barrel. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), schrieb am Dienstag in einer Stellungnahme, dass der Ölmarkt derzeit noch durch erhöhte Fördervolumina der Golfstaaten und anderer Förderländer wie den USA, Brasilien und Venezuela gestützt werde. Auch eine gedrosselte Nachfrage aus China helfe den Beständen. Mitgliedstaaten der IEA hielten derzeit noch mehr als eine Milliarde Barrel in ihren Lagern. Russland fällt als Lieferant aus Aber selbst wenn genügend Rohöl verfügbar ist, muss dieses auch zu Kraftstoffen weiterverarbeitet werden können. Die globalen Raffineriekapazitäten werden im Moment von einem anderen schwelenden Konflikt stark beeinflusst, dem Ukrainekrieg. Die von Russland überfallene Ukraine versucht, den Angreifer zu schwächen, indem sie Russlands Energieinfrastruktur zerstört. Dazu gehören Öltanker im Schwarzen Meer, Ölplattformen und vermehrt Ölraffinerien und Depots. Noch bis mindestens Ende Juli hat Russland, das eigentlich der zweitgrößte Exporteur von Kraftstoffen der Welt ist, einen Exportstopp für Kraftstoffe verhängt. Das soll die Bestände im eigenen Land stabilisieren. Infolgedessen sind aber Raffinerien in anderen Ländern stärker gefragt. Raffinerien mit höheren Margen Als Gradmesser für die Auslastung von Raffinerien ziehen Händler und Analysten auch die Preise heran, die Raffinerien für die Verarbeitung eines Barrels Rohöl zu Diesel verlangen. Die Margen oder „crack spreads“ sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen. In den USA erreichten sie zuletzt ein Niveau von bis zu 70 Dollar. Damit überstiegen sie sogar das Niveau vom Anfang des Ukrainekriegs im Jahr 2022, als die Margen auf rund 60 Dollar gestiegen waren. In Europa stehen die Margen derzeit bei rund 66 Dollar. Das ist niedriger als im April, als sie fast 80 Dollar erreichten. Anfang des Jahres, vor dem Krieg in Iran und dem russischen Exportstopp, bewegten sie sich jedoch im Bereich von 20 Dollar.