FAZ 15.09.2026
06:30 Uhr

Hitzeschutz in Hessen: Geld für 6000 neue Klimaanlagen im Jahr


Die hessische Regierung will für besseren Hitzeschutz in Kitas und Pflegeheimen sorgen. Dafür spart sie bei der Landesenergieagentur. Das ruft Kritik hervor.

Hitzeschutz in Hessen: Geld für 6000 neue Klimaanlagen im Jahr

Die hohen Temperaturen dieses Sommers haben vielen Menschen in Hessen zu schaffen gemacht. Um gefährdete Bewohner in Pflegeheimen und Kinder in Tagesstätten künftig besser zu schützen, legt die hessische Landesregierung ein Förderprogramm mit dem Namen „Hitzehilfe für Hessen“ auf. Umweltminister Ingmar Jung (CDU) hatte angekündigt, dass innerhalb von drei Jahren zehn Millionen Euro dafür bereitgestellt werden sollen. Die Finanzierung ruft jedoch Kritik hervor – und kostet 15 Arbeitsplätze. „Hitzewellen wie in diesem Sommer müssen wir künftig häufiger erwarten“, warnte der Umweltminister. Die hohen Temperaturen hätten vor allem jene getroffen, die sich selbst nicht ausreichend schützen könnten. Daher gelte es nun, pragmatisch mit Projekten zu reagieren und nicht abstrakte Debatten zu führen. Jung kündigte an, dass Pflegeheime und Kindertagesstätten künftig eine Förderung von bis zu 5000 Euro je Standort erhalten können. Dieses Geld soll für die Anschaffung von mobilen und teilstationären Klimaanlagen verwendet werden. Der Minister geht davon aus, dass mit diesem Geld jedes Jahr mehr als 6000 Anlagen im Land gefördert werden könnten. „Von der Unterstützung profitieren nicht nur Pflegebedürftige und Kinder, sondern auch die Menschen, die sie täglich betreuen und versorgen“, ist Jung überzeugt. Die Klimaanlagen könnten schon nächsten Sommer für Entlastung sorgen. Für den Minister steht fest: „Beim Klimawandel fehlt es heute nicht mehr an Erkenntnissen. Entscheidend ist, aus diesem Wissen konkrete Maßnahmen abzuleiten.“ Zuschüsse werden um mehr als 80 Prozent gekürzt Zur Finanzierung des Förderprogramms will Jung die Zuschüsse an die in Wiesbaden ansässige Landesenergieagentur (Lea) um mehr als 80 Prozent kürzen. Vorrangig betroffen soll davon die Beratung der Klima-Kommunen sein, zumal Jung darauf hinweist, dass die Mehrheit längst Klimaschutz praktiziere. Die Fördermittelberatung für die Kommunen soll erhalten bleiben. „Die bewährte Beratung und Unterstützung der Kommunen bleiben gewährleistet, werden jedoch angepasst und zielgerichteter ausgestaltet“, verspricht der Minister. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass im Ministerium diverse Projekte der Lea kritisch gesehen und für wenig effektiv gehalten werden. So habe es die Aktion „Meine Klima-Klebewoche“ in Niestetal gegeben. Kita-Kinder sammelten Sticker für jeden Tag, an dem sie nicht mit dem Auto der Eltern in die Kita gefahren wurden. Gesendete Rundmails mit dem Titel „So einfach geht Klimaschutz im Alltag“ an die Mitarbeiter der Stadt Maintal hätten lediglich einfache Alltagstipps enthalten, und in Idstein habe es eine „Klima-Kiste“ zum Ausleihen für Kitas gegeben, mit deren Hilfe die Kinder für Klimaschutz sensibilisiert werden sollten. Die Lea beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter und wird wegen der Kürzung nun 15 Jobs streichen müssen, wie Geschäftsführer Karsten McGovern auf Nachfrage bestätigte. Aktuell erhält die Energieagentur etwa elf Millionen Euro netto jährlich vom Land. Davon unter anderem 5,9 Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium und bisher vier Millionen Euro vom Umweltministerium. Die individuelle Energieberatung für Privatpersonen war schon gestrichen worden. Der aktuelle Vertrag mit dem Umweltministerium läuft Ende des Jahres aus. Ein Hitzeschutzprogramm für Kitas und Pflegeeinrichtungen hatten die Grünen selbst gefordert, und nach Ansicht von Kaya Kinkel, energiepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, ist ein solches „dringend notwendig“. Gleichwohl sieht sie in Jungs Finanzierungskonzept einen „massiven Einschnitt in den hessischen Klimaschutz“. Von vier Millionen auf gerade einmal 700.000 Euro sinke der Etat von Lea: „Bereits in den letzten Jahren hat Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) das Budget der Lea halbiert.“ Von den neuen Kürzungen sind laut Kinkel vor allem kleine Kommunen betroffen, denen Mitarbeiter und damit auch das nötige Fachwissen für mehr Klimaschutz fehlten. Heftige Kritik äußert auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen (BUND) an dem Vorhaben. Werner Neumann, Klimaschutzexperte des BUND, warnte: „Damit drohen Entlassungen und ein massiver Abbau der Energieberatung für Haushalte, Kommunen und Unternehmen.“ Das Vorgehen der Landesregierung offenbare ein „grundlegendes Unverständnis“, wie wirksamer Klimaschutz funktioniere, so Neumann weiter.