Die interessanteste Geschichte im „Neuen Blatt“ findet sich diese Woche auf Seite 48, zwischen Impressum und Rätselauflösungen. „In eigener Sache: Presserat rügt Bericht über Harry & Meghan“ steht dort über einer kleinen Meldung. „Unter der Überschrift ,Harry & Meghan – Jetzt ist es offiziell – Blitz-Scheidung noch in diesem Jahr‘ hatte ,Das Neue Blatt‘ am 12.11.2025 über die angebliche Blitz-Scheidung von Prinz Harry und seiner Frau Meghan berichtet“, lesen wir; darin sehe der Deutsche Presserat einen „Verstoß gegen das Gebot der Wahrhaftigkeit“. Wir können da nur zustimmen, denn im Sommer 2026 ist besagte 2025er-Blitz-Scheidung noch immer nicht vollzogen. Auf der Website des Presserats selbst heißt es: „Die Zeitschrift nannte zahlreiche Details zur angeblichen ,Blitz-Scheidung‘, für die es keinerlei Anhaltspunkte gab und für die auch keine Quellen genannt wurden. Dass überhaupt eine Recherche stattfand, wie sie vom Pressekodex vorgeschrieben wird, war für den Ausschuss nicht ersichtlich. Der Fall ist geeignet, dem Ansehen der Presse massiv zu schaden.“ Werter Presserat: Es ist ja löblich, dass Du Dich auch mal den Klatschblättern zuwendest, aber kommt das nicht recht spät? Wir lesen die jetzt seit vielen, vielen Jahren und sind ganz selten nur auf Anhaltspunkte, Quellen und Recherchen gestoßen. „Blitz-Scheidungen“ zum Beispiel haben allein Meghan und Harry schon etliche hinter sich, nicht nur im „Neuen Blatt“, sondern etwa auch in „Neue Post“ („Exklusiv! Sie hat ein Kind mit einem anderen Mann“, 2022). Blitzgeschieden wurden auch Steffi Graf, Stefanie Hertel, Angela Merkel und viele andere. Dreimal geblitzt, Pappe weg Die einzige „Blitz-Scheidung“, die auf einer tatsächlichen Trennung basiert, war die im November 2022 in „Freizeit Revue“ verkündete von Anna-Carina Woitschack und Stefan Mross, die allerdings bis heute nicht abgeschlossen ist und gute Chancen hat, es als langsamste Blitz-Scheidung aller Zeiten ins Guinnessbuch zu schaffen. Vielleicht, lieber Presserat, solltest Du Dir andere Sanktionsmöglichkeiten zulegen. Wie wär’s damit: Lässt eine Zeitschrift es dreimal blitzen, muss ihr Chefredakteur den Führerschein abgeben? Vielleicht wäre das ja ein Fall für den Kulturstaatsminister und Medienbeauftragten Wolfram Weimer, dem „Bunte“ sechs Seiten widmet mitsamt vielen Fotos, über die sie behauptet: „Die Bilder sind ganz bewusst schräg, experimentell, fröhlich.“ Auf einem davon fläzt sich Weimer schräg und fröhlich auf einem Klavier, auf einem anderen hält er eine Waffe in der Hand: „Achtung, Ironie: Dieser Politiker ist wehrhaft, vor allem, wenn es der Kunst dient: Wolfram Weimer mit einer Hellebarde auf der Klangbrücke im Open Space der Klaviermanufaktur Steingraeber Bayreuth.“ Aber verteidigt er auf dem Bild wirklich die Kunst? Oder bereitet er sich darauf vor, linksradikalen Buchhandlungen im Hellebarden-Verfahren die Förderung zu kappen? „Haben Sie es je bereut, Minister geworden zu sein?“, will „Bunte“ wissen, und Weimer antwortet: „Nein. Um es mit einem Wortspiel zu sagen: Bayreuth ja – bereut nein.“ Wenn wir das im weimerschen Sinne fortführen dürften: Nibelungen ja – nie gelungen nein. Kyffhäuser ja – haushoch bekifft nein. Stockhausen ja – stockdoof nein. Helle Barden ja – Hellebarden nein. Und natürlich: Weimar ja – Weimer, ähem. Er stehe, kündigt Weimer an, nur für eine Amtszeit zur Verfügung, denn er „vermisse vor allem meine geliebte Frau Christiane, mit der ich als Politiker viel zu selten zusammen bin“. Geht Merz damit schon der nächste Mann aus familiären Gründen flöten? Als echte Kulturmenschen präsentieren sich jene Prominenten, die die „Bunte“-Frage beantworten, welches Buch sie zuletzt begeistert habe. Max von der Groeben liest Thomas Mann, Désirée Nick W. Somerset Maugham. Abseits der Spur zeigt sich einzig der ehemalige Skilangläufer Tobias Angerer: „Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war von meinem Junior – und zwar das Panini-Sammelalbum für die Fußball-WM!“ Dieses zu lesen, ist durchaus auch eine Leistung: Es gibt zwar nicht wahnsinnig viel Text, der ist dafür aber äußerst repetitiv – Geburtstag, Größe, Gewicht, Verein. Sehr mühsam, das Ganze. Hoffen wir für Angerer, dass sein Junior nicht alle Sticker zusammenbekam, mit jedem Bild kommt ja noch mehr Text dazu. Über ein neues Exponat freut sich laut „Bild“ eine Kultureinrichtung: „Box-Legende Axel Schulz (57) hat sein Lieblingsexemplar dem BikiniARTMuseum auf Usedom geschenkt“, nämlich eine „signierte orangefarbene Badehose“. Die kann man ab sofort neben Pamela Andersons „Baywatch“-Bikini bestaunen – und wir fragen uns, warum. Hat Schulz seinerzeit etwa in Badehose geboxt? Hätte er nicht besser eins seiner vielen Käppis dem Mützenmuseum gespendet? Eher schon als Schulzens Badehose hätte ein anderes Stück von ihm ins Bikinimuseum gepasst: das Handtuch, das 2006 bei seinem allerletzten Kampf geworfen wurde.
