Bis zu 18 Prozent aller Menschen mit hohem Blutdruck sprechen auf die gängigen Medikamente unzureichend an. Eine solche resistente Hypertonie gilt als besonders heimtückisch. Denn sie geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Attacken und schwere Organschäden einher. Forscher aus mehreren Ländern haben den genetischen Hintergrund von Personen mit dieser Störung nun untersucht, um den Ursprüngen des Leidens auf die Spur zu kommen. Sie stützten sich dabei auf die Datenbanken mehrerer bevölkerungsweiter Untersuchungen, darunter die britische UK Biobank und das isländische Unternehmen deCODE. Über die Ergebnisse ihrer Analysen berichten sie im Fachjournal „Hypertension“. Demnach litten knapp 24.000 der insgesamt rund 185.000 Hochdruckkranken unter resistenter Hypertonie. Trotz Einnahme von drei und mehr Standardmitteln lag ihr „oberer“ (systolischer) Blutdruck deutlich über dem angepeilten Wert von 130 mmHg – das Kürzel steht für Millimeter Quecksilbersäule. Die Suche nach genetischen Unterschieden zwischen Personen mit resistenter Hypertonie und solchen mit gut eingestelltem Bluthochdruck ergab gleich mehrere Treffer: Insgesamt 24 genetische Varianten gingen mit einem hartnäckigen Bluthochdruck einher, und 16 davon standen in engem Zusammenhang mit einer Überproduktion von Aldosteron. Erzeugt in der Nebennierenrinde, schützt dieses Hormon vor einem Mangel an Salz und Flüssigkeit, indem es Natrium – und damit indirekt Wasser, denn dieses bindet an Natrium – aus dem Harn zurückgewinnt. Hohes Risiko für Herzinfarkte und Entzündungen Übersteigt die Aldosteron-Produktion den Bedarf, nehmen das Blutvolumen und damit der Gefäßdruck zu. Ein solcher Hyperaldosteronismus fördert das Risiko für Herzattacken aber nicht nur über die Blutdruckerhöhung, sondern auch direkt. Im Herz und in den Gefäßen verfügt Aldosteron über eigene Andockstellen (Rezeptoren), die bei Daueraktivierung zu Entzündungen und Bindegewebsvermehrung führen – mit der Folge, dass die Herzkraft nachlässt und die Arterien versteifen. Was die Studie des internationalen Forschungsteams ebenfalls zeigt: Bereits die Laborwerte der Personen mit resistenter Hypertonie hätten die Ärzte stutzig machen müssen. Das Blut der Betroffenen enthielt nämlich auffallend wenig Kalium – ein Mineral, das unter dem Einfluss von Aldosteron vermehrt über die Niere ausgeschieden wird. Dies war schon vor Einnahme der Blutdrucksenker der Fall, konnte also nicht auf diese zurückgehen. Die Ergebnisse der Untersuchung untermauern mit genetischen Daten, worauf Fachkreise schon lange hinweisen: dass Hyperaldosteronismus ein wichtiger Treiber von schwer einstellbarem Bluthochdruck ist, aber oft unentdeckt bleibt. „Wir gehen davon aus, dass nur etwa ein Prozent der Erkrankten die Diagnose erhält“, sagt Florian Limbourg von der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten der Medizinischen Hochschule Hannover. Besonders verhängnisvoll sei das für junge Betroffene. Denn je länger die Störung bestehe, desto schwerwiegender seien ihre Auswirkungen. Dabei lasse sich diese sehr gut angehen. „Stellt nur eine Nebennierenrinde zu viel Aldosteron her, während die andere gesund ist, kann man die erkrankte minimalinvasiv entfernen. Das führt meist zu einer dramatischen Besserung der Hypertonie oder gar zur Heilung“, erklärt der Internist. „Ist ein Eingriff nicht möglich oder nicht erwünscht, gibt es gute medikamentöse Optionen. Besonders bewährt hat sich Spironolacton – ein seit Jahrzehnten verfügbares Mittel, das Aldosteron von dessen Rezeptoren verdrängt. Es wirkt meist so gut, dass man die anderen Blutdrucksenker – oft sind es fünf oder mehr – stark reduzieren oder ganz absetzen kann“, so Limbourg. Zu dem Zeitpunkt hätten viele Betroffene bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Um dies zu verhindern, sollten hochdruckkranke Personen spätestens dann an eine Hypertonie-Spezialambulanz überwiesen werden, wenn ihr Blutdruck trotz dreimonatiger Therapie mit den drei Standardklassen – ACE-Hemmer oder Angiotensin-Antagonisten, Kalziumantagonisten und Diuretika – nicht hinreichend kontrolliert ist, rät der Hypertonie-Spezialist.
