Das Grüne Klassenzimmer ist pünktlich zum Ende der Sommerferien fertig geworden. Wahrscheinlich bleibt es an den ersten Schultagen trotzdem leer, denn Schüler und Lehrer müssen schließlich erst den Betrieb in den ganz normalen Klassenzimmern der Schulgebäude wieder aufnehmen. Aber im Lauf des Spätsommers dürften immer wieder Kinder und Pädagogen auf den Baumstammbänken zwischen Schafgarbe, Igelhaus und Komposthaufen Platz nehmen. Den Ort im Kirdorfer Feld am Stadtrand von Bad Homburg hat der städtische Ranger Boris Heinrich angelegt. Die Kommune im Hochtaunuskreis hat die Stelle im Jahr 2023 geschaffen. Eine freiwillige Leistung, wie Nachhaltigkeitsdezernent Oliver Jedynak (CDU) sagt. Aber sie soll sich auszahlen: Ein Ranger übernimmt zum einen die Aufgaben, wie sie früher einem Feldschütz zufielen. Er soll also dafür sorgen, dass es in Feld und Flur nicht zu Konflikten kommt zwischen den vielen Personen, die einander dort begegnen, also etwa Landwirten, Mountainbikefahrern, Hundebesitzern und Drachenliebhabern. Naturlehrpfad im Entstehen Zum anderen kümmert sich Heinrich darum, Wissen über das Landschaftsschutzgebiet zu vermitteln. Insofern ergänzt das Grüne Klassenzimmer das schon bestehende Apfelbaummuseum und die Führungen, die der Ranger zusammen mit dem Naturpark Taunus plant. Zudem entsteht ein Naturlehrpfad, um „das Bewusstsein für einen rücksichtsvollen Umgang mit der Landschaft“ zu stärken, wie er sagt. Die Stadt will bei Schülern Verständnis für die Natur schaffen, ohne „oberlehrerhaft“ zu sein, wie Jedynak erläutert. Das haben die Bad Homburger Lehrerinnen und Lehrer dann übrigens weitgehend selbst in der Hand, denn sie können den offenen Raum mit ihren Klassen auch selbständig nutzen. Genauso ist es möglich, sich mit dem Ranger für eine Schulstunde zu verabreden. Dann spricht Heinrich mit den Kindern über die Dinge, die er im Klassenzimmer arrangiert hat. Er erklärt, dass der Totholzhaufen nicht Abfall ist, sondern Tieren als Nahrung und Unterschlupf dient. Er nennt die Arten, die im Blühstreifen und rund um das Insektenhotel schwirren. Auf dem Steinhaufen wärmen sich zurzeit noch Eidechsen und Schmetterlinge; in einigen Monaten könnten dort Blindschleichen und Mäuse überwintern. Der ungewaschene Sand des Sandariums ist für Wildbienen gedacht: Der Ranger hofft, dass sie dort Eier ablegen. „Vielleicht kommt bald noch ein Teich dazu.“ Dann könnten Kinder mithilfe von Netzen einzelne Tiere bestimmen. Das Natur-Klassenzimmer am Usinger Weg soll gut erreichbar sein. Zum Sportplatz, zur Minigolfanlage und zum Reitplatz in der Nähe kommen ohnehin regelmäßig Kinder und Jugendliche. Damit auch Familien und andere Spaziergänger den Ort für sich entdecken können, plant die Stadt noch, Schilder zu den einzelnen Stationen aufzustellen. So soll der Haufen, auf dem der Ranger Bioabfall aus dem Feld entsorgt, dazu anregen, auch im eigenen Garten einen Kompost anzulegen. Das Klassenzimmer im Feld kommt nicht nur ohne Wände und Tafel aus, sondern verzichtet auch auf Tablets und Touchscreens. In Zeiten, in denen viele Jugendliche durch die Digitalisierung von der Natur entkoppelt seien, wolle die Stadt den Blick auf das Feld richten und zeigen, warum das Landschaftsschutzgebiet so schützenswert sei, sagen Jedynak und Heinrich. Wer an Unterricht im Freien interessiert ist, kann sich über die Mailadresse boris.heinrich@bad-homburg.de an den Ranger wenden.
