FAZ 14.05.2026
08:00 Uhr

Für 50 Millionen Euro: Frankfurter Musikschule zieht in alten „Sinkkasten“


Frankfurts Musikschule bekommt mehr Platz: Sie zieht in ein Gebäude mit musikalischer Tradition und soll die Innenstadt kulturell beleben.

Für 50 Millionen Euro: Frankfurter Musikschule zieht in alten „Sinkkasten“

Noch ist von der neuen Adresse der städtischen Musikschule nicht viel zu sehen. Das Gebäude an einer Nebenstraße der Zeil ist mit seiner denkmalgeschützten Fassade eingerüstet. Es wird derzeit umgebaut. Viel Zeit bleibt den Arbeitern nicht mehr, denn voraussichtlich von Herbst an sollen hier die Musikschüler ein- und ausgehen. In dem Gebäude zwischen Brönner- und Stiftstraße in der Innenstadt war es 2021 still geworden. Zuvor spielte hier jahrzehntelang die Musik. Kleine Konzertsäle und Tanzlokale waren dort zu finden: Auf das „Storyville“ – in den Fünfziger- und Sechzigerjahren eines der berühmtesten Jazzlokale Deutschlands – folgte 1970 für ein kurzes Intermezzo der Musikclub „Zoom“ und 1979 dann der Rockschuppen „Sinkkasten“. Nach dessen Insolvenz eröffnete 2012 ein neuer Musikclub, wiederum unter dem Namen „Zoom“, bis das Gebäude in der Pandemie verkauft wurde. Doch bald sollen hier wieder die Instrumente ausgepackt werden. Die Stadt will das Gebäude für 30 Jahre von einem privaten Eigentümer aus Liechtenstein mieten, um dort die städtische Musikschule unterzubringen. Wie aus einem Magistratsvortrag hervorgeht, sollen dafür jährlich 1,5 Millionen Euro anfallen, inklusive Betriebskosten. Weil der Mietpreis an die Entwicklung der Verbraucherpreise gekoppelt wird, steigt die Miete jährlich um voraussichtlich rund drei Prozent. Hinzu kommt ein Baukostenzuschuss von 8,3 Millionen Euro. Somit werden über die gesamte Laufzeit voraussichtlich mehr als 50 Millionen Euro fällig. Der Magistrat hat dem Vertrag zugestimmt, der Beschluss der Stadtverordneten steht noch aus. Weber: Wir schreiben die Frankfurter Musikgeschichte fort Rechnet man die Einstiegsmiete auf den Quadratmeter um – die Musikschule nutzt laut dem Mietvertrag rund 3000 Quadratmeter zwischen dem ersten und fünften Obergeschoss –, so entspricht dies einem Quadratmeterpreis von 30 Euro im Monat. Das ist deutlich mehr, als die Musikschule bisher gezahlt hat, denn sie war bis zur Renovierung in der Kunsthalle Schirn und damit in einem städtischen Gebäude untergebracht. Vor einem Jahr ist sie dort ausgezogen, weil die Schirn saniert werden musste. Die Musikschule unterrichtet ihre Schüler derzeit in den Kornmarkt-Arkaden, dem ehemaligen Bundesrechnungshof an der Berliner Straße. Aber das ist nur eine Zwischenlösung. Schon beim Umzug im Sommer 2025 war klar, dass mit einer Rückkehr in die Schirn kaum zu rechnen war: Die Raumsituation dort war beengt, die Warteliste lang. Ein Veranstaltungssaal für Konzerte fehlte, es mangelte zudem an Aufenthaltsgelegenheiten für  Kinder und Eltern. Auch für Gruppen, Ensembles und Bands, digitale Musikproduktion und kreative Projekte standen keine geeigneten Räume zur Verfügung. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) machte schon damals deutlich, dass sie in dem Umzug „eine hervorragende Chance für die Weiterentwicklung der Musikschule“ sieht. Der Wunsch soll nun in Erfüllung gehen: „Mit diesem neuen Standort schreiben wir die Frankfurter Musikgeschichte fort, die bis in die Fünfzigerjahre reicht“, sagt Weber. Mit dem Umzug erhalte die Musikschule eine zentrale Adresse, die der Bedeutung der Bildungseinrichtung gerecht werde. „Zudem setzen wir ein nachhaltiges und deutliches Zeichen für die kulturelle Belebung der Innenstadt“, sagt die Dezernentin. Für Mathias Metzner, den Direktor der Musikschule, ist die Entscheidung des Magistrats ein Meilenstein: „Die Liegenschaft ist mit ihrer eigenen musikalischen Geschichte aufgeladen und hat das Potential, zum zentralen Musik-, Probe-, Konzert- und Begegnungsort für alle Frankfurter im Herzen der Stadt zu werden.“ An der Musikschule, die von einem stadtnahen Verein getragen wird, lernen rund 6000 Schüler. Allerdings nutzen nicht alle die Zentrale in der Innenstadt, manche werden auch in den Stadtteilen unterrichtet. Der Betreiberverein der Musikschule arbeitet im Auftrag der Stadt. Das Angebot wird zu einem Drittel aus Elterngebühren und zu zwei Dritteln aus städtischen Mitteln finanziert. Zuständig ist das Stadtschulamt, das zum Bildungsdezernat gehört.